NGG-Umfrage

"3.000 Euro für eine Fachkraft muss Minimum sein"

Die Corona-Krise hat den Fachkräftemangel in der Branche verstärkt.
IMAGO / Westend61
Die Corona-Krise hat den Fachkräftemangel in der Branche verstärkt.

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten im Gastgewerbe kann sich einer Gewerkschafts-Umfrage zufolge einen längeren Verbleib in der Branche nicht vorstellen. Lediglich 37 Prozent der Befragten konnten sich vorstellen, noch lange in der Branche zu arbeiten, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilte.

Mehr als zwei Drittel findet demnach die Entlohnung zu niedrig, 70 Prozent vermissen Wertschätzung seitens ihrer Vorgesetzten. Die Befragung wurde online zwischen Anfang Mai und Anfang August dieses Jahres durchgeführt. Bundesweit nahmen demnach mehr als 4.074 Beschäftigte teil. Die meisten Befragten bringen langjährige Berufserfahrung im Gastgewerbe mit. Rund 71 Prozent der Teilnehmenden gibt an, bereits mehr als 10 Jahre im Gastgewerbe tätig zu sein. Ebenso sind fast 80 Prozent in Vollzeit beschäftigt.

Auf die Frage, ob sich die Beschäftigten vorstellen können, noch lange im Gastgewerbe weiterzuarbeiten, antworteten 37 Prozent mit Ja, 34 Prozent mit Nein und 29 Prozent wussten es nicht. Als die zwei mit Abstand meist genannten Gründe für die fehlende persönliche Perspektive im Gastgewerbe wurde die niedrige Entlohnung und die fehlende Wertschätzung von Seiten des Arbeitgebers genannt. 72 Prozent der Befragten geben an, dass in ihrem Betrieb seit der Corona-Pandemie die Zahl der Beschäftigten zurückgegangen ist. Personalmangel, Zeitdruck und Stress sowie kurzfristige Änderungen der Arbeitszeiten sind die von den Befragten mit Abstand am meisten genannten Belastungen bei der Arbeit.

Guido Zeitler, Vorsitzender der NGG
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Guido Zeitler, Vorsitzender der NGG
"Wenn der Großteil der Gastronomen und Hoteliers weiterhin so tut, als hätte der Fachkräftemangel in der Branche nichts mit ihnen zu tun, dreht sich die Abwärts-Spirale aus fehlender Wertschätzung, entgrenzten Arbeitszeiten und Beschäftigtenflucht immer weiter", teilte der Gewerkschaftsvorsitzende, Guido Zeitler, mit. "Das Gastgewerbe braucht einen echten Neustart!" Dazu gehörten flächendeckend bessere Arbeitsbedingungen, mehr Wertschätzung durch die Arbeitgeber und Gäste und höhere Löhne: "3.000 Euro pro Monat, das muss für Fachkräfte in Zukunft das Minimum sein."

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Mehr als 80% in Kurzarbeit

Mehr als 80 Prozent der Befragten allein aus dem Beherbergungsgewerbe waren der Umfrage zufolge während der Pandemie bereits in Kurzarbeit. Ähnlich hoch lag die Quote in der Gastronomie, etwas niedriger im Catering-Bereich. Eine Zuzahlung durch den Betrieb gab es während der Kurzarbeit für die meisten Teilnehmenden der Umfrage zufolge nicht.

Insbesondere die Corona-Krise hat den Fachkräftemangel in der Branche weiter verschärft. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten war im ersten Jahr der Krise um mehr als 100.000 auf unter eine Million zurückgegangen, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Im vergangenen Jahr hatte sich die Situation insbesondere in der Gastronomie wieder etwas entspannt. Im Beherbergungsgewerbe ging die Zahl der Mitarbeitenden hingegen weiter zurück. Für das laufende Jahr liegen noch keine aktuellen Daten vor.

Weitere Ergebnisse und eine Anylse der Beschäftigten-Umfrage sind hier abrufbar.

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