Öko - und es geht doch

Dass der Einsatz von ökologischen Lebensmitteln für alle Beteiligten eine erfolgreiche Sache sein kann, davon haben sich die Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel, Essen, überzeugen können. Rund 400 Patienten und 80 Angestellten servierte der Verpflegungsservice an drei Tagen in der Woche zusätzlich ein Öko-Menü. Ganze 365-mal holten sich die Gäste die‚ Natur auf den Teller'. Die Reaktionen von Angestellten und Patienten auf das erweiterte Angebot waren sehr positiv. "Sogar etwa Ein Drittel der Patienten haben sich für das Öko-Menü entschieden", freut sich Küchenleiterin Annegret Knoop-Severin. Täglich produziert sie mit ihrem Team 370 bis 400 Mittagessen. Mediziner, Pflegepersonal und sonstige Mitarbeiter der Klinik zahlen 5,20 DM für Suppe, Hauptgericht, Dessert und Getränk. Und dieser Preis galt auch für die Aktionszeit. "Nicht nur Patienten reizte das Öko-Angebot, auch viele Mediziner und Mitarbeiter bevorzugten die Gerichte in ökologischer Qualität", berichtet sie und betont, "Öko-Produkte sind nämlich bei geschickter Kombination auch nicht teurer."
Das Team der Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel in Essen freut sich über den Erfolg der dreitägigen Öko-Maßnahme: 'Natur auf dem Teller - wir machen mit!' Bei der anschließenden Gästebefragung sprachen sich sodann auch die Klinik-Mitarbeiter für den verstärkten Einsatz ökologischer Produkte aus. Und auf die Frage: "Würden Sie mehr Geld für Öko-Gerichte ausgeben, und falls ja wieviel"?, antworteten 42 Prozent, sie würden sich dieses Angebot bis zu zwei Mark mehr kosten lassen. Warum? Weil für 92 Prozent der Befragten ökologische Lebensmittel gesünder sind. Ein Punkt, der nicht zuletzt durch die aktuelle BSE-Krise erneute Schubkraft erhält. 54 Prozent begründeten dann ihre monetäre Offenheit auch mit dem Wunsch, aktiv den Naturschutz unterstützen zu wollen und 35 Prozent schlicht und ergreifend, weils ihnen besser schmeckt. Ein sensationelles Ergebnis. Doch Annegret Knoop-Severins Klinik war nicht der einzige Betrieb, der diesen Test mit Öko-Produkten wagte. Das Haus aus Essen war Teilnehmer einer Kampagne mit dem offensiven Namen: ‚Natur auf dem Teller - wir machen mit!', die landesweit in Nordrhein-Westfalen lief. Mit der Katholischen Klinik Ruhrhalbinsel haben sich im Herbst 2000 19 weitere Betriebsrestaurants und Kliniken pro Öko engagiert. Initiatoren und Veranstalter der in dieser Form bisher einmaligen Öko-Kampagne: die Centrale Marketing-Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA) und das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein Westfalen (MUNLV). Konzept, Planung und Organisation lagen in den Händen der mittlerweile bekannten Agentur ÖGS Ökologischer Großküchen Service, Frankfurt am Main. "Zielgruppe der Kampagne waren in erster Linie solche Großküchen, die bisher noch keine oder nur vereinzelt Öko-Produkte einsetzen. Deshalb freute uns die Vielzahl der unterschiedlichsten Betriebe, die sich zum Mitmachen motivieren ließen", erklärt ÖGS-Gesellschafter Rainer Roehl, der die Aktion vor Ort nach individueller Analyse betreut. Unter den ‚Natur auf dem Teller'-Fans waren unter anderem eine Schulmensa, ein Studentenwerk, eine Autobahnraststätte, sechs Kliniken und fünf Betriebsrestaurants wie zum Beispiel das Casino von DuPont in Wuppertal oder das Restaurant der Dr. August Oetker KG in Bielefeld. Insgesamt ein Potenzial von 22.000 Mittagessen pro Tag. Und es kam noch besser: Über diese Betriebe hinaus haben sich weitere für die Kampagne interessiert, "wir konnten sie aber aus Zeitgründen in diesem Jahr nicht mehr mit in die Aktion integrieren." Denn das Ziel war nicht, einfach nur eine schöne attraktive Öko-Aktion durchzuführen, sondern vielmehr, GV- und Gastronomie-Betriebe den Einstieg in die dauerhafte Verwendung ökologischer Lebensmittel zu erleichtern. "Also kein Strohfeuer, sondern eine nachhaltige Sache." Das geht in dem sensiblen Öko-Segment jedoch nur mit adäquater und zuverlässiger Lieferantenstruktur. Zwölf Anbieter, zumeist aus NRW, konnten gewonnen und aktiv beteiligt werden, die dazu in ihrer Gesamtheit ein Vollsortiment anbieten. Über diese Lieferantenliste erhielten die Betriebe dann ein komplettes Aktionspaket mit Plakaten, Tischaufstellern, Informationbroschüren für die Gäste und Rezeptvorschläge für die Aktionsgerichte. Außer den Materialien erhielten sie die Möglichkeit einer Schulung zum Thema "Ökologischer Landbau" sowie personelle Unterstützung bei Durchführung eines Aktionstages für die Gäste. Bei Bedarf ermittelte auch ein Fragebogen die Akzeptanz der Gäste, so wie Knoop-Severins es in Essen initiierte.
Wettbewerbssieger: DuPont
Ein besonderes Bonbon für die beteiligten Küchen: Die Teilnahme an einem "Wettbewerb" für die beste Aktion. Preis: Ein Betriebsausflug zu einem landwirtschaftlichen Betrieb für die gesamte Küchenmannschaft inklusive Verpflegung im Wert von insgesamt 5.000,- DM. Gewinner: Das Betriebsrestaurant von DuPont in Ratingen. Hier wurde die anfänglich für eine Woche geplante Einstiegsaktion auf vier Wochen verlängert und mit großem Engagement der Betriebs- und Küchenleitung durchgeführt. Mittlerweile stammt ein Großteil des eingesetzten Fleisches bei DuPont von der Naturland-Metzgerei Janutta, die ihre Tiere nahezu ausschließlich von Naturland-Betrieben aus der Region bezieht. Ein Beispiel für eine neue Geschäftsbeziehung, das hoffentlich Schule macht und möglichst viele Nachfolger findet.
Durch den Erfolg in NRW zeigen jetzt auch andere Bundesländer (Bayern, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Hessen) Interesse an der Durchführung einer gleichen oder ähnlichen Kampagne. "Der vielleicht wichtigste Unterschied zu früheren Projekten mit Großküchen und Gastronomiebetrieben ist die Tatsache", bemerkt Roehl, "dass von keiner Klinik und keinem Betriebsrestaurant Kritik hinsichtlich der Qualität der Produkte, der Sortimentstiefe und -breite angemeldet wurde." Auch in Sachen Pünklichkeit und Zuverlässigkeit der Belieferung war man zufrieden. Im Gegenteil - in nahezu allen Fällen wurde die Kundenansprache und -betreuung als sehr professionell eingestuft. Nahezu alle Betriebe, die an der Kampagne teilgenommen haben, werden nach eigenen Aussagen auch zukünftig ökologisch erzeugte Produkte in den Speisenplan integrieren. Und wie geht es mit der Kampagne weiter? Die positive Resonanz und die durch die aktuelle BSE-Problematik gravierenden Veränderungen innerhalb der Agrarpolitik, nicht zuletzt sichtbar in der Schaffung des neuen Ministeriums für den Verbraucherschutz mit einer verstärkten Ausrichtung auf die Verbraucheraufklärung, haben die CMA und das MUNLV in Düsseldorf dazu veranlasst, die Kampagne auch 2001 weiter zu führen. Für NRW betonte Ministerin Bärbel Höhn in ihrem Eckpunktepapier für eine Zukunft weisende Landwirtschafts- und Verbraucherpolitik vom 9.1.2001 die Notwendigkeit einer von Bund und Ländern getragenen Informations- und Werbekampagne zur Stärkung des Trends in der Bevölkerung am Interesse ökologisch erzeugter Produkte. Die Förderung der Vermarktung müsse durchgreifend verbessert werden. "In der Folgekampagne, die wieder von ÖGS durchgeführt wird, soll neben dem Einsatz ökologisch erzeugter Produkte insbesondere auch die Möglichkeit der Verbraucheraufklärung in den Betrieben genutzt werden", erklärt Roehl. Darüber hinaus ist geplant, die Kampagne: "Natur auf dem Teller" bundesweit umzusetzen. Interessierte Partner dafür sind unter anderem verschiedene Catering-Unternehmen und viele Studentenwerke. Na bitte, Öko - es geht doch. Rainer Roehl/hmj
Fotos: Roehl



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