Oktoberfest 2020

Münchner Wiesn abgesagt

Rund 6,3 Mio. Besucher hätten zum Oktoberfest 2020 nach München kommen können, am 21. April wurde das millionenschwere Event wegen des Coronavirus und der damit verbundenen Gefahren abgesagt.
Imago Images / Westend 61
Rund 6,3 Mio. Besucher hätten zum Oktoberfest 2020 nach München kommen können, am 21. April wurde das millionenschwere Event wegen des Coronavirus und der damit verbundenen Gefahren abgesagt.

150 Tage bis zur Eröffnung des Kult-Events Wiesn in München 2020 wären es gewesen. Nun ist die 187. Runde abgesagt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter haben gewartet und abgewogen. Am 21. April verkündeten Sie offiziell, dass das Risiko aufgrund der Corona-Pandemie zu groß ist, ein derartiges Event der Superlative mit rund 6,3 Mio. Besuchern durchzuziehen.

Es gilt als stärkste Gastronomiemarke Deutschlands: das jährlich statt findende Oktoberfest auf der Münchner Theresienwiese. Auch international ist das bayerische Kult-Event hochbeliebt und im Ausland vielfach kopiert. 

Söder und Reiter: Endgültiges Aus

"Wir sind überein gekommen, dass das Risiko einfach zu groß ist, darum sagen wir ab", sagte Markus Söder um 9 Uhr am 21. April im Rahmen der Pressekonferenz zur offiziellen Wiesn-Entscheidung. Auch die Überlegung, mit Mundschutz zu agieren, sei keine Lösung. Ein Bierzelt lebe von Nähe, nicht davon, Abstand zu halten. Kleinfeste seien ebenfalls keine Ersatz-Alternative, das sei nicht das Original-Oktoberfest, sagte Söder. Man habe darum gemeinsam mit der Stadt entschieden, die Wiesn abzusagen. Es tue von Herzen weh, es sei unglaublich schade, sagten Oberbürgermeister Reiter und Ministerpräsident Söder unisono. 30 Prozent der Besucher kämen immerhin aus dem Ausland, 70 Prozent aus Bayern, ergänzte Reiter, da sei das Risiko der Virenverbreitung nicht akzeptabel.
Damit ist die 187. Wiesn 2020 vom 19. September bis 4. Oktober 2020 dem Coronavirus zum Opfer gefallen – wie viele andere Großevents, die bis zum 31. August statt finden sollten. Angesichts der Vorlaufzeit, der Vorbuchungen, Reservierungen und so weiter, die ein derartiges Event benötigt, hätte man vermutlich nicht viel länger abwarten können.

Großveranstaltungen bundesweit bis 31. August gestrichen

Gemeinsam mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits vorab beschlossen, dass alle Großveranstaltungen in Deutschland bis zum 31. August grundsätzlich untersagt werden. Damit bestand noch eine vage Hoffnung für die Wiesn, doch hatten Münchner Branchen-Insider längst befürchtet, dass das Aus kommen würde. Jenseits der Regelung der Bundesregierung obliegt es den Bundesländern, konkrete Regelungen zur Absage von Großveranstaltungen, beispielsweise zur Anzahl der Teilnehmer, selbst zu treffen.

1,23 Mrd. Euro Wirtschaftswert nicht kompensierbar

Knapp 450 Mio. Euro gaben die Besucher im vergangenen Jahr auf der Wiesn in den 16 großen plus 22 kleinen Zelten aus, die als Herzstücke des Oktoberfestes und der Oidn Wiesn gelten. Den Wirtschaftswert des Oktoberfestes 2019 beziffert die Stadt München auf 1,23 Mrd. Euro. Umsätze, die nun durch nichts kompensiert werden können.

Spitzen-Zelte nun ohne Jahres-Spitzenerlöse

Obwohl die stillschweigende Vereinbarung der Wiesn-Wirte besagt, dass über einzelne Umsätze nicht gesprochen wird, wissen Branchen-Insider, dass die Spitzen-Zelte im Schnitt Brutto-Erlöse von 10 Mio. Euro pro Oktoberfest generieren. Bei etwa 70 Euro liegt die Durchschnittsausgabe pro Wiesn-Besucher (inklusive Non-Food).

Weitere Großevents bereits abgesagt

Da tröstet es wohl kaum, dass auch andere Volksfeste bereits abgesagt wurden, zum Beispiel das Gäubodenvolksfest in Straubing mit rund 1,4 Millionen Gästen im August, das ebenfalls zu den größten Volksfesten im Freistaat zählt. Auch Rock am Ring und Wacken wurden bereits abgesagt.
Oktoberfest-Eckdaten 2019

Das 186. Oktoberfest (21. September bis 6. Oktober 2019) haben 6,3 Mio. Menschen besucht (2018: 6,3 Millionen) – davon rund 550.000 Oide Wiesn-Gäste (2018: 500.000).

  • Der Wirtschaftswert des letztjährigen Oktoberfests betrug 1,23 Mrd. Euro.
  • Den Umfragen und Berechnungen der Stadt München zufolge gaben die rund 6,3 Mio. Festbesucher an den 16 Tagen insgesamt etwa 442 Mio. Euro, pro Person durchschnittlich 70,22 Euro, direkt auf dem Oktoberfest aus.
  • Die auswärtigen Besucher ließen für Verpflegung, Einkäufe, Taxifahrten oder die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel weitere 285 Mio. Euro in der Stadt.
  • Für Übernachtungen und Gastronomie gaben die auswärtigen Festgäste nochmals insgesamt rund 505 Mio. Euro aus. 65 Prozent der auswärtigen Gästen übernachteten während des Oktoberfests in München. 
  • Getrunken wurden nach Angabe der Brauereien insgesamt 7,3 Mio. Maß Bier und damit 200.000 Maß weniger als im Vorjahr. Die Wirte berichten von einem neuen In-Getränk: „Saures Radler“. Die Nachfrage nach einem Radler mit Mineralwasser statt Limonade stieg merklich an. Brauereien und Wirte waren mit dem Oktoberfest 2019 sehr zufrieden, heißt es in der Mitteilung des Online-Portals der Stadt München weiter.


Sie möchten Aktuelles zum Thema "Coronavirus und die Gastro-Branche" lesen? Mehr fachlichen Input finden Sie in unserem "Coronavirus und die Gastro-Branche"-Dossier.
stats