Paderborn

Schiffbruch mit Schulcaterer

Leckere, warme Schülermahlzeiten waren in den vergangenen Monaten in Paderborn Mangelware.
Thomas Fedra
Leckere, warme Schülermahlzeiten waren in den vergangenen Monaten in Paderborn Mangelware.

Seit Weihnachten hat die Stadt Paderborn für 28 Grund- und weiterführende Schulen keinen Caterer mehr. Der Essenslieferant Mangiato in Warendorf meldete überraschend Insolvenz an. Ein Problem, von dem auch weitere Kommunen betroffen sind. Die Stadt Paderborn arbeitet mit Hochdruck an einer Interimslösung, startet doch am Montag in Nordrhein-Westfalen wieder die Schule.

Dem vorangegangen war ein monatelanger Streit mit dem Cateringunternehmen Mangiato. Erst im Sommer erhielt der Essenslieferant den Zuschlag für die Belieferung von 28 Paderborner Schulen mit insgesamt 2.700 Essen täglich und einem Auftragsvolumen von rund 1,8 Millionen Euro netto pro Jahr.

Nach einer jahrelangen guten Zusammenarbeit mit einem anderen Paderborner Schulversorger habe man sich den neuen Caterer schon sehr genau angeschaut, betont Jens Reinhardt, Sprecher der Stadt Paderborn, gegenüber gv-praxis. Die Produktionsstätte in Warendorf wurde besucht, Referenzen eingeholt, Schulen besichtigt und viele Gespräche geführt. Was dann folgte, war für Schulen, Eltern und Stadt ein Desaster: Weder die Logistik noch die Qualität des Essens stimmte. „Es kam kaltes Essen, schlechtes Essen oder sogar gar kein Essen“, beschreibt Jens Reinhardt die Situation.

Brötchen als Notnagel

An manchen Schulen wurden als Notlösung Brötchen geschmiert. Man habe schließlich an das Unternehmen mehrere Abmahnungen geschickt und Sanktionen verhängt. Ohne Erfolg. Verbesserungen seien nicht zu erkennen gewesen, weiß Reinhardt. Als Konsequenz daraus wurden bereits vor kurzem fünf Verträge mit dem Caterer gekündigt.

Anders als zeitweise behauptet, habe die Stadt Paderborn nicht dem günstigsten Anbieter den Zuschlag erteilt. „Es wurden von den Bietern viele Kriterien abgefragt. Dabei wurde die Qualität erstmals mit 60 Prozent gewichtet, der Preis hingegen nur mit 40 Prozent“, unterstreicht Reinhardt. Recherchen von gv-praxis bestätigen dies. Der Frischegrad, die Warmhaltezeit des Essens und der eingesetzte Bio-Anteil waren wichtige Qualitätskriterien in der Ausschreibung.

Stadt strebt Klage an

Anscheinend hat sich Mangiato mit dem Auftragsvolumen übernommen, belieferte das Unternehmen doch noch weitere Schulen am Stammsitz in Warendorf sowie in der benachbarten Stadt Oelde. Kurz vor Weihnachten meldete Mangiato für alle Beteiligten überraschend Insolvenz an und sah die Schuld für die Pleite bei der Stadt. Die Reklamationen der Kommune seien unbegründet gewesen, äußerte sich der Caterer gegenüber dem WDR.  Man sei mit den verhängten Sanktionen letztendlich in die Insolvenz getrieben worden. Die Homepage wurde inszwischen vom Netz genommen und auch telefonisch ist bei Mangiato niemand mehr zu erreichen – zum Ärger der betroffenen Kommunen. Die Stadt Paderborn will nun gegen das Unternehmen klagen. Man bereite dafür alle Schritte vor, sagt Reinhardt.

Neuausschreibung so schnell wie möglich

Derweil arbeitet die mehr als 150.000 Einwohner starke Kommune mit Hochdruck an einer Interimslösung. Man sei zuversichtlich, bis zum 7. Januar eine Zwischenlösung zu finden. Zudem will man so schnell wie möglich die Schulverpflegung wieder neu ausschreiben. In Warendorf ist die Situation ähnlich, auch dort arbeiten die Verantwortlichen daran, dass die Teller der Schüler in der kommenden Woche nicht leer bleiben.

Drei Euro für ein Essen

An den Grundschulen kostet ein Menü 3 Euro, allerdings zahlen hier die Eltern eine monatliche Pauschale als Essensbeitrag zusammen mit dem Elternbeitrag, unabhängig von den Essens- bzw. Betreuungstagen. An den weiterführenden Schulen kostet ein warmes Menü 3,80 Euro, ein großer Salat 3,20 Euro, ein kleiner Salat 2,20 Euro, ein Wrap 2 Euro und ein Sportlermenü 4 Euro. Es handele sich unabhängig von Schulform und Zusammensetzung des Menüs immer um Festpreise, erläutert Reinhardt gegenüber gv-praxis.

Die Kosten für das Ausgabepersonal in den Schulen seien nicht im Menüpreis eingepreist. „Die Personalkosten in Höhe von rund 450.000 Euro werden von der Stadt Paderborn getragen“, betont der Stadtsprecher. Das Schüleressen werde somit jährlich mit 450.000 Euro subventioniert.

Fokussiertes Speisen-Angebot

An den offenen Ganztagsgrundschulen in Paderborn erhält jeder Schüler laut Aussagen der Stadt ein warmes Menü nach DGE-Standard. Dazu gibt es täglich Nachtisch (3 Mal ein Dessert und 2 Mal Obst pro Woche) sowie Obst und Gemüse als Fingerfood. An den weiterführenden Schulen haben die Schüler täglich zwei Menüs zur Wahl, wovon eines vegetarisch ist. Im Angebot findet sich zusätzlich täglich ein Wrap sowie ein Salat, der von den Schülern in zwei verschiedenen Größen bestellt werden kann. Zu jedem Menü erhalten die Schüler wie in den Grundschulen einen Nachtisch sowie Obst und Gemüse. An den Sportschulen in Paderborn besticht das Angebot zusätzlich mit einem Sportlermenü. Dieses entspräche, so Reinhardt Menü 2 – dem nicht vegetarischen Menü –, aber mit erhöhten Mengen, insbesondere des Proteinanteils. Zusätzlich gibt es hier einen großen Müsli- oder Nuss-Frucht-Riegel dazu.



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