Personalmangel | Ferienbeginn

Fehlende Manpower gefährdet Umsätze

Servicekräfte werden besonders in Ferienzeiten händeringend gesucht.
IMAGO / Panthermedia
Servicekräfte werden besonders in Ferienzeiten händeringend gesucht.

Die Urlaubs-Destinationen an Nord- und Ostsee erwarten hohen Zulauf. Weil sich die meisten Reisenden während der Ferien gerne einen Restaurantbesuch gönnen, fahren die Gastro-Betriebe in dieser Zeit ihre höchsten Umsätze ein. Der herrschende Personalmangel könnte ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung machen.

 
Trotz guter Buchungszahlen ist die Lage in der Gastronomie in Schleswig-Holstein zu Beginn der Sommerurlaubszeit spürbar angespannt. "Nach dem Corona-Tief hätten die gastronomischen Betriebe jetzt Gelegenheit dazu, wenigstens einen Teil des versäumten Geschäfts gutzumachen – aber vielfach nicht das Personal", sagte eine Sprecherin der IHK Flensburg der Deutschen Presse-Agentur. Das sorge bei vielen Unternehmerinnen und Unternehmern für große, teils existenzielle Sorgen.

Konsequenzen des Personalmangels

Auf das fehlende Personal reagieren die Betriebe unterschiedlich: "Einige Häuser setzen notgedrungen zusätzliche Ruhetage an und begrenzen ihr Angebot", erklärt die IHK-Sprecherin. "Wir hören auch von Inhaberinnen und Inhabern, die versuchen, selbst so viel wie möglich aufzufangen und in der Küche oder beim Service vieles zu übernehmen, was auf die Dauer natürlich nicht leistbar ist." Immer häufiger berichteten Unternehmerinnen und Unternehmern, dass sie wegen fehlenden Personals Öffnungszeiten kappen, den Bankettbetrieb nicht mehr sicher planen könnten und vorhandene Belegschaften deutlich stärker belastet seien.

Ähnlich äußerten sich der Hotel- und Gaststättenverband in Schleswig-Holstein (Dehoga) und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Im Zuge von Lockdown und Kurzarbeit hätten viele Beschäftigte das Gastgewerbe verlassen. Und trotz der gemeinsamen Bemühungen von Dehoga und NGG sei es nicht gelungen, genügend Personal zu akquirieren, so Finn Petersen, Vorsitzender des NGG-Landesbezirks Nord. "Die Leute kommen nicht zurück."

Aus Sicht der IHK ist es für die Branche mehr denn je wichtig, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. "Einige Betriebe bieten laut unseren Umfragen bereits zusätzliche Anreize wie die Finanzierung von Weiter- und Fortbildungen, Gratifikationen oder Vergünstigungen an." Auch Urlaubsgeld oder Weihnachtsprämie würden häufig gezahlt. Ein Drittel der Befragten (31 Prozent) stellt demnach Mitarbeiterwohnungen zur Verfügung.

Digitaliserung als Rettungsanker

Zudem könnte die Digitalisierung in Unternehmen helfen, Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten und Mitarbeitende zu entlasten. "Die Pandemie hat der Digitalisierung einen enormen Anschub verschafft. Dennoch besteht in vielen Unternehmen weiterhin Entwicklungspotenzial und Handlungsbedarf", sagte die IHK-Sprecherin.

Langfristig sei auch mit dem verstärkten Einsatz von Robotern in der Gastronomie zu rechnen: "Bisher trifft man die Roboter noch sehr vereinzelt an – vor allem in der Systemgastronomie, hier sind die Gäste stärker an Selbstbedienung gewöhnt", so die IHK-Sprecherin. Andere Gastronomen setzten stärker auf das persönliche Gastgeber-Prinzip.

"Viele Gäste bevorzugen das menschliche, persönliche Wort, weiß auch der Geschäftsführer des Dehoga Schleswig-Holstein, Stefan Scholtis. Dass sich Roboter im direkten Kontakt mit den Gästen durchsetzen werden, kann er sich nicht vorstellen. In anderen Bereichen der Gastronomie hingegen schon eher.

Themen:
Personalmangel

stats