Peter Pane/Block Gruppe

Delivery und Online-Shop als neue Wege

Schnell umgelernt: Bei Peter Pane werden Servicekräfte zum Lieferfahrer.
Peter Pane
Schnell umgelernt: Bei Peter Pane werden Servicekräfte zum Lieferfahrer.

Auch die Block Gruppe und Peter Pane trifft die Corona-Krise hart. Mit zwei unterschiedlichen Ansätzen versuchen die Unternehmen, über neue Kanäle einen Teil der ausgefallenen Restaurant-Umsätze zu generieren. Peter Pane stampfte für alle Restaurants einen Lieferdienst aus dem Boden, Block bietet Mittagsgerichte aus den Block House Restaurants im eigenen Online-Shop an.

So stellte die Better-Burger-Formel Peter Pane in rekordverdächtiger Zeit die 35 Fullservice-Restaurants unter dem Markennamen "Peter bringt's" auf einen reinen Abhol- und Lieferbetrieb um, samt eigener digitaler Bestellplattform. Auch, um zunächst keinen der rund 1.500 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken zu müssen. "Wir sprechen sonst immer von der Peter-Pane-Familie. In schweren Zeiten werden wir daran gemessen", erläutert Patrick Junge, Geschäftsführer der Peter-Pane-Mutter Paniceus Gastro Systemzentrale.
In wenigen Tagen habe die eigene IT-Abteilung den Webshop programmiert, erläutert Junge. Dazu habe man rund 300 Fahrräder und E-Bikes organisiert. Während die Situation in der Küche weitgehend gleichblieb, habe man die Servicekräfte als Lieferfahrer eingesetzt. Um das Angebot publik zu machen, wurde Radio- und Internetwerbung geschaltet.

Weniger Gebühr an Lieferando

Junge räumt ein, dass "Peter bringt's" die wegfallenden Umsätze nicht voll kompensieren wird. Als vorsichtige Schätzung nach den ersten Tagen liege der Umsatz bei etwa 30 bis 40 Prozent des üblichen Umfangs. "Bei anhaltender Nachfrage könnten es auch 50 Prozent werden", so Junge. Der Durchschnittsbon für die Bestellungen sei mit einem Wert zwischen 20 und 30 Euro deutlich höher als zuvor im Restaurant (17-20 Euro).

Und es gibt einen weiteren wirtschaftlich positiven Effekt für Bestellungen, die nicht über die neue "Peter bringt's"-Website, sondern Lieferando kommen, wo alle Peter Pane-Restaurants ebenfalls gelistet sind: Da Peter Pane nun mit eigenen Fahrern ausliefert, liegt die Lieferando-Kommission nur noch bei knapp über zehn Prozent – deutlich weniger als zuvor, als Peter Pane auf die Fahrer des Lieferdients zurückgriff. 

Auf der Website von "Peter bringt's" finden sich rund 80 Prozent des Angebots der Speisekarte der Restaurants, erklärt Junge – nicht alle Speisen eigneten sich für die Lieferung. Bei den Getränken habe man auf Flaschenware umgestellt. Dazu könne man einige Gegenstände des täglichen Bedarfs bestellen, wie – als kleinen Gag – etwa Klopapier. Neben der Lieferung können die Kunden die Speisen auch als Take-away ordern und im Restaurant abholen – bezahlt wird bargeldlos oder direkt auf der Website. Diese Option nutzten in den ersten Tagen etwa 20 Prozent der Besteller.  

Patrick Junge – 4 Early Learnings zu Peter bringt's
  • Bereitschaft zur Umstellung auf Delivery Die Nachfrage nach Take-away und Delivery war auch vorher schon da, Corona hat die Entwicklung beschleunigt
  • Qualität halten Das Essen muss in hoher Qualität beim Kunden ankommen. Keyfaktoren sind etwa die richtigen Verpackungen und ein angemessener Lieferradius, bei Peter bringt's bis 5 Kilometer per E-Bike
  • Mitarbeiter mitnehmen Dazu gehören nicht nur Service- und Küchenmitarbeiter vor Ort, sondern etwa auch Marketing und Vertrieb in der Zentrale. Alle Zahnräder müssen ineinandergreifen
  • Werbebudget einplanen Der neue Service will bekannt gemacht werden, um erfolgreich zu sein

Junge ist mit den ersten Schritten von "Peter bringt's" zufrieden und kommentiert: "Eine Krise bietet auch immer Chancen". In der Zeit nach Corona soll "Peter bringt's" dauerhaft in kleinerem Umfang in die Restaurants integriert werden. Junge schätzt, dass der Lieferanteil am Umsatz pro Restaurant 10 bis 20 Prozent betragen könnte. 

Block entdeckt seinen Online-Shop

Auch die Block Gruppe trifft die Krise hart, alle Restaurants wurden zunächst geschlossen. Stephan von Bülow, Vorsitzender der Geschäftsführung Block Gruppe, betont den Ernst der Situation: "Natürlich trifft uns der Umsatzeinbruch im Kerngeschäft." 

Doch in diesen Zeiten ist Kreativität gefordert. "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Lebensmittel online in kaum nachgefragt wurden", berichtet von Bülow. Dies habe sich seit der Corona-Krise geändert, so habe die Block Gruppe nun das Marketing für den selbst entwickelten Online Shop intensiviert. 

Den Shop gebe es schon eine ganze Weile, erläutert Bastian Beie, Geschäftsführer der Block Handels GmbH und zuständig für den Online-Shop. Mit Beginn der Krise habe man eine verstärkte Nachfrage registriert und das Angebot angepasst. Bislang konnte man dort vor allem abgepackte Handelsprodukte und Fleisch aus der Fleischerei bestellen.

Gerichte aus Restaurant nach Hause bestellen

Jetzt können Kunden dort auch Gerichte ordern, die sie aus der Mittagskarte der Block House Restaurants kennen: Unter der Marke Lunch-Time-Gerichte gibt es etwa eine Rinderroulade mit Apfelrotkohl mit Kartoffelstampf oder Hühnerfrikassee. 12 Gerichte umfasst das Lunch-Time-Portfolio, darunter auch vegetarische und vegane Optionen. Das Preisband liegt bei 3,99 bis 7,99 Euro pro Gericht, etwas niedriger als auf der Mittagskarte der Block House Restaurants. Die Gerichte kommen tiefgekühlt, vakuumiert und portionsweise zum Verbraucher, der sie dann im Wasserbad aufwärmt. Bei der Produktion kommt der Block Gruppe ihre hohe Vertikalisierung zu Gute: Die Gerichte werden zentral bei Block Menü gekocht, das normalerweise auch die Restaurants beliefert.

Beie bemerkt den positiven Einfluss der Lunch-Time-Linie und der Corona-bedingten Restriktionen auf den Umsatz des Online-Shops. "In den ersten 5-8 Werktagen haben wir die Shop-Tagesumsätze verdreifacht, dann schnell verfünffacht, das Lunch-Time-Angebot hatte daran auf Anhieb einen Anteil von 20 Prozent", erläutert Beie. Mittelfristig hofft er, diesen Anteil auf 30 bis 40 Prozent ausbauen zu können.

Mehrere Block House Restaurants bieten jetzt Take-away.
Block Gruppe
Mehrere Block House Restaurants bieten jetzt Take-away.

Take-away in Block House Restaurants

Bei den Restaurants geht man zumindest in Hamburg Wege, die ohne Krise wohl nicht angedacht wären. In neun Block House Restaurants der Hansestadt ist der Take-away Betrieb gestartet (Stand: 31.3.), erklärt Martin Heuer, Vorstand der Block House Restaurantbetriebe. Von 12 bis 20 Uhr könnten Gäste telefonisch bestellen, die Gerichte dann vor Ort abholen und auf Wunsch auch bar bezahlen. "Das ist vor allem unseren älteren Gästen ein Anliegen", erklärt Heuer. Den Personalbedarf schätzt er auf fünf bis zehn Prozent des Regelbetriebs pro Restaurant. 

Nach der Krise allerdings will Block wieder zu seinen Kernthemen zurückkehren, hebt Stephan von Bülow hervor: "Wir wollen dann wieder das machen, was wir am besten können: Das ist Steakkompetenz im Fullservice-Umfeld."




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