The Lovelace

Ein Hotel nicht nur zum Schlafen

Die Cornersuite im Lovelace.
Steve Herud
Die Cornersuite im Lovelace.

Zum Start des kommenden Jahres ist Schluss: „The Lovelace“, das erste Pop-up-Hotel der Welt, schließt nach 15 Monaten Betriebszeit und 12.000 Übernachtungen von Gästen aus aller Welt in einer 1-A-Lage mitten in der Münchner City seine Pforten.

Um die Ecke steht die Feldherrenhalle und befindet sich der Hofgarten. Die edle Maximilianstraße ist einen Steinwurf entfernt – Theater und Oper sind vom Promenadenplatz keine 15 Gehminuten entfernt: allerbeste Münchner Innenstadtlage. Hier entstand vor knapp zwei Jahren das erste Pop-up-Hotel der Welt – „The Lovelace“. „Eigentlich hätten wir gerne mindestens 18 Monate lang Gäste beherbergt“, sagt Gregor Wöltje, der das Konzept mit dem Münchner Gastronomen Michi Kern und mit Lissie Kieser direkt hinter dem Nobelhotel Bayerischer Hof in der City Münchens verwirklicht hat. Doch die Genehmigung zur Nutzung mit Freigabe des Bauantrages verschlang bei den Behörden rund sieben Monate und damit drei mehr als geplant. Und die gingen von der Nutzung ab.

30 Zimmer und fünf Suiten

Dann jedoch konnten 30 Zimmer, darunter fünf Suiten und ein Apartment in einem denkmalgeschützten Gebäude entstehen, das Ende des 19. Jahrhunderts als Königliche Staatsbank gebaut wurde. 2005 griff der damalige Besitzer, die HypoVereinsbank (HVB) in das Innenleben des Hauses ein und entkernte das Gebäude komplett, damit es daraufhin als HVB Forum für Veranstaltungen und als Vorstandssitz der Bank dienen konnte. Vier Vorstände mit ca. 30 Mitarbeitern auf rund 8.000 Quadratmetern – da merkte auch die noble Bank irgendwann, dass das nicht effektiv sei. 2015 wurde das Gebäude an den heutigen Eigentümer, die Schörghuber Immobiliengruppe, verkauft – im kommenden Jahr 2019 rollen die Bagger an, um für die kommenden fünf Jahre das Areal in eine Baustelle zu verwandeln. Am Ende werden dort rund 250 Mio. Euro verbaut sein und die amerikanische Rosewood Hotelkette versucht dann in dem Gebäude mit einem Nobelhotel Münchens Szene zu erweitern.

Zwischennutzung

Rund 5000 Quadratmeter der Nutzfläche sicherten sich Wöltje, Kieser und Kern zur Zwischennutzung ab 2017. Für zwei Jahre. Mit einer bis dato einmaligen Idee: Ein Hotel auf Zeit, das eigentlich gar keines sein will – sondern viel mehr ein „Open-Haus“, eine Melange aus Kulturveranstaltungen, Parties, Events, Bürovermietungen, Pop-up Stores und eben auch Übernachtungmöglichkeit. Rund 1,5 Mio Euro investierten die drei  Entrepreneure mit ihren Partnern in das Projekt. „Am teuersten war der Einbau der sanitären Anlagen“, sagen sie unisono. Sicher kam der Unternehmung hier zugute, dass Wöltje eigentlich Architekt ist.

Für die Gastronomie war das Münchner Urgestein Kern verantwortlich. Zu Beginn gab es ein eigenes Restaurant. Doch damit stieß man in der Übergangs-Location mit diesem Veranstaltungs-Mix schnell an Grenzen. Ein einzelner Koch kann nicht morgens Frühstück, nachmittags Häppchen, abends Dinner und dann noch ein Catering für 1000 Leute machen. Das sind in der Regel immer vier verschiedene Köche, die so etwas machen. Die Ausrichtung und die Ansprüche sind zu verschieden. Nachdem man es mit mehreren festen Köchen probiert hatte, kam man zu dem Schluss, alles bis auf das Frühstück extern zu vergeben. Ein erstes Learning: Also wurde das feste Restaurant wieder geschlossen – Küche und Kühlhäuser werden nun bei Events an Externe vermietet, je nach Event.


Im Lovelace arbeiten zurzeit zirka 80 Personen – das waren einmal 110. Ein zweites Learning: Zuviel Personal ist nicht zu finanzieren. Schon gar nicht in der Kürze der Zeit. Von den 80 Leuten sind lediglich 15 mit dem Hotel beschäftigt. Der Rest kümmert sich um Gastronomie, Events und Kulturprogramm.

Alle Food-Events sind mittlerweile fremdvergeben. Wenn im Lovelace warm gegessen wird, sind zwei Dinge relevant: Es sind Fremdköche und es sind immer vegane oder vegetarische Gerichte. Für kein Essen im Lovelace ist ein Tier gestorben. Nicht für das Frühstück mit Cappuccino mit Mandelmilch und Avocado- oder Marmeladenbrot und Müsli mit Soja-Joghurt für 12,50 Euro. Und auch nicht für das Fünf-Gang-Vegan-Dinner, dass der Berliner Sterne-Gastronom Heinz „Cookie“ Gindullis mit seinem Team vom „Cookies Cream“ Ende November an drei Abenden für jeweils 80 Gäste im Foyer des Hotels für rund 150 Euro pro Person gezaubert hat.

Die zeitlich terminierte Location hat in den letzten eineinhalb Jahren alles erlebt, was es an hippen Veranstaltungen gibt – von Lesungen und Performances  mit wenigen Gästen über Yoga-Events bis hin zu Halloween-Parties, bei der sich 4500 Feierwütige in den Räumen mit fast fünf Meter Deckenhöhe oder in  dem 25 Meter hohen Foyer drängelten. 180.000 Menschen waren in den vergangenen 15 Monaten  im „Lovelace“. Dem Leaders Club war das Konzept bei der Vergabe seines renommierten Awards 2018 die bronzene Palme, Platz 3, wert.



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