Preiserhöhung Fassbier / Radeberger Gruppe

"Wir müssen wirtschaftlich arbeiten"

Die Radeberger Gruppe und Krombacher erhöhen im Frühling ihre Preise für Fassbier.
imago images / Ralph Peters
Die Radeberger Gruppe und Krombacher erhöhen im Frühling ihre Preise für Fassbier.

Die Radeberger Gruppe und Krombacher werden ab März dieses Jahres ihre Preise für Fassbier erhöhen. Notwendig wird die Preisanpassung unter anderem wegen Tariferhöhungen und veränderter Preise für Logistik und Energie. Zur Höhe der geplanten Preisanhebung gibt es bisweilen keine Angaben. Birte Kleppien, Sprecherin der Radeberger-Gruppe, antwortet auf die Fragen von FOOD SERVICE zur geplanten Preiserhöhung.


FOOD SERVICE: Zwar ist der Bierkonsum in Deutschland 2018 leicht angestiegen, doch scheint er hierzulande generell eher zu sinken. Können Sie diesen Trend begründen? Welches Signal sendet in diesem Zusammenhang eine Preiserhöhung des Fassbieres?
Birte Kleppien: Langfristig entwickelt sich der Bierkonsum in Deutschland rückläufig, darüber können auch einzelne Ausreißer in der Statistik nicht hinwegtäuschen, wie die Jahresentwicklung 2019 wieder eindrucksvoll belegt hat. Die Gründe sind beispielsweise die demographische Entwicklung oder der verstärkte Genuss alkoholfreier Alternativen – davon profitieren übrigens auch die alkoholfreien Biere als Wachstumssegment. Aber auch in einem solchen Markt gilt: Unternehmen müssen wirtschaftlich arbeiten – und nicht mehr intern kompensierbare steigende Kosten ab einem gewissen Punkt an die Kunden weitergeben. Das gilt für eine Brauerei ganz genauso wie für einen Gastronomen.
Wie wird sich die Erhöhung der Fassbier-Preise auf den Bier-Konsum in der deutschen Gastronomie auswirken?

Unsere Preise gelten ab Rampe, das heißt, wir haben keinerlei Einfluss auf die Gestaltung der Abgabepreise an die Gäste in der Gastronomie. Das entscheidet jeder Wirt für sich individuell, so dass die Entwicklung abzuwarten bleibt, auch hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf den Bier-Konsum.

Gibt es Möglichkeiten, den Fassbier-Konsum in der Gastronomie zu pushen? Welche Optionen sehen Sie?
Die Gastronomie ist und bleibt das Schaufenster unserer Marken: Deswegen unterstützen wir unsere Partner in der Gastronomie nicht nur in Themen wie Zapfqualität oder Markenpräsentation, wir erarbeiten gemeinsam mit unseren Gastronomen auch objekt- und markenspezifische Konzepte – denn ein Irish Pub ist beispielsweise ganz anders aufgestellt als eine hochwertige Speisegastronomie. Was sie eint, ist das Bedürfnis nach starken Marken, wobei ein guter Mix aus national bekannten wie auch regional verankerten Bieren, alkoholfreien Biermarken und Biermixes in attraktiver Ausstattung und unterstützt von aufmerksamkeitsstarken, zum Objekt passenden Werbemitteln und Angebotskonzepten weiterhin punktet.
Radeberger Gruppe in Zahlen
Getränkeabsatz: rund 13 Mio. Hektoliter
Umsatz: rund 2,2 Mrd. Euro
Beschäftigte: circa 8.000

Zur Radeberger Gruppe zählen unter anderem die Marken Tucher Bräu, Berliner Kindl, Binding, Jever und Radeberger.

Welche Reaktionen auf die Preiserhöhung erhalten Sie aus der Gastronomie?
Dass Kosten steigen und infolgedessen auch Artikel, die der Gastronom für sein Tagesgeschäft braucht, ist ja nichts Neues – und das schließt das Thema "Getränke/Bier" nicht aus. Die letzte Preisanpassung in der Gastronomie liegt immerhin schon drei Jahre zurück, nun war allerdings ein Punkt gekommen, an dem Kostensteigerungen nicht mehr intern kompensiert werden können. Dafür zeigen die meisten unserer Partner Verständnis, auch, wenn eine Preisanpassung beim Bier natürlich und erwartet immer ein sensibles, manchmal auch emotionales Thema ist.
Bierkonsum sinkt
Das Bier zählt zu den beliebtesten Getränken innerhalb der deutschen Bevölkerung, jedoch sank der Bierkonsum in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Laut Statista beträgt der Bierkonsum derzeit jährlich 102 Liter/Kopf. In den Siebzigern lag der Wert bei 151 Litern pro Kopf und Jahr.

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