Prozess wegen Steuerhinterziehung

Verteidiger sehen Schuhbeck "möglicherweise" als Opfer

Alfons Schuhbeck: Prozess in München hat begonnen.
IMAGO / Sven Simon
Alfons Schuhbeck: Prozess in München hat begonnen.

Star-Koch Alfons Schuhbeck muss sich vor dem Münchner Landgericht gegen Vorwürfe der Steuerhinterziehung behaupten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in 25 Fällen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vor. Schuhbecks Anwälte sehen den Angeklagten allerdings in der Opferrolle.

Die Verteidiger des angeklagten Star-Kochs Alfons Schuhbeck sehen in den Vorwürfen gegen ihren Mandanten "Zweifel und Ungereimtheiten". Das sagte Schuhbecks Anwalt Sascha König vor dem Landgericht München I. "Möglicherweise stellt sich hierbei am Ende des Verfahrens heraus, dass Herr Schuhbeck nicht Täter, sondern selbst Opfer ist, weil nicht nur der Fiskus, sondern zuvorderst er betrogen wurde."


Blass und mitgenommen erscheint der 73-Jährige mit seinen beiden Anwälten im Gerichtssaal zum ersten Verhandlungstag seines Prozesses. Bis auf seinen Namen, Beruf und die Namen seiner Eltern äußerte sich Schuhbeck während der Verhandlung nicht. Der Prozess erstreckt sich über insgesamt 18 Verhandlungstage und ist bis zum 22. Dezember angesetzt. 
„Möglicherweise stellt sich hierbei am Ende des Verfahrens heraus, dass Herr Schuhbeck nicht Täter, sondern selbst Opfer ist, weil nicht nur der Fiskus, sondern zuvorderst er betrogen wurde.“
Sascha König, Anwalt von Alfons Schuhbeck

Vor drei Jahren wurde der Verdacht auf Steuerhinterziehung erstmals bekannt gegeben. "Ich werde sehr eng und sehr offen mit den Behörden zusammenarbeiten, um alle Vorwürfe zu entkräften", sagte Schuhbeck damals. Er stehe "den Behörden in allen Fragen Rede und Antwort".

Die Staatsanwaltschaft wirft dem TV-Koch vor, mithilfe eines Computerprogramms Einnahmen am Finanzamt vorbeigeschleust zu haben. Der Mann, der dieses Programm nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft entwickelt haben soll, steht gemeinsam mit Schuhbeck vor Gericht. Ihm wird Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Er gab an, Schuhbeck habe ihn beauftragt, das Tool zu entwickeln. Er habe dies getan, weil er in einem wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis zu ihm gestanden habe.

Weder Indizien noch Beweise

Dass Einnahmen gelöscht und so Steuern hinterzogen wurden, bestreiten Schuhbecks Anwälte nicht. Sie betonen aber, dass weder Indizien noch Beweise dafür vorlägen, dass der Gastronom selbst in die Kasse gegriffen habe. Außerdem hätten die Ermittler keine Antwort darauf, wo die Millionen in bar geblieben sein sollen, um die Schuhbeck seine Einnahmen verkürzt haben soll.

In den 25 Fällen der Anklage handelt es sich um eine Summe von mehr als 2,3 Millionen Euro Steuern, die Schuhbeck zwischen 2009 und 2016 hinterzogen haben soll. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs droht schon ab einer Million Euro in der Regel eine Haftstrafe ohne Bewährung. Bei einer Bestätigung der Vorwürfe könnte Schuhbeck demnach im Gefängnis landen.

stats