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Ausblick für die Verkehrsgastronomie

"Was wir brauchen ist Smart Distancing, nicht Social Distancing."
HMSHost International
"Was wir brauchen ist Smart Distancing, nicht Social Distancing."

Die Verkehrsgastronomie, allen voran die Flughafenstandorte, sind durch die Coronakrise gleich doppelt getroffen: Restaurantschließungen kollidieren mit weltweiten Reiseverboten. Walter Seib, CEO HMSHost International, über die Perspektiven in diesem Marktsegment.

 
Die Wiedereröffnung der Gastronomie in Deutschland ist in Aussicht. Worauf kommt es jetzt an?
Alles, was sich in den vergangenen Wochen zugetragen hat, hat den Menschen zunächst Angst gemacht. Worauf es jetzt ankommt ist, wieder Vertrauen aufzubauen. Und: Wir müssen mit der Situation intelligent umgehen. Smart Distancing statt Social Distancing. Mund- und Nasen-Schutz überall dort, wo Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden können – so wie es in Asien, wo man Erfahrungen mit Epidemien hat, schon seit Jahren an öffentlichen Orten praktiziert wird.
 
 
Vertrauen aufbauen, wie soll das gehen?
Auch hier macht Asien vor, wie es geht. Beispielsweise mit Temperaturchecks, wenn Gäste das Restaurant betreten. Das schafft Vertrauen und gibt den Menschen eine gewisse Sicherheit. Auch wenn es bei uns bei solchen Maßnahmen datenschutzrechtliche Bedenken gäbe, könnte ich mir vorstellen, dass ein gewisser gesellschaftlicher Druck entsteht und die Leute sagen "okay, wenn du das machst, dann mache ich das auch".
Eine anderer wichtiger Punkt ist, in den Restaurants Protokolle, sprich konkrete Vorgaben zum Umgang miteinander, zu haben. Für Mitarbeiter könnten diese neben Temperaturmessungen auch einen Mund- und Nasenschutz beinhalten – zumal es immer wieder Situationen geben wird, in denen Mindestabstand schwer einzuhalten ist. 
Ich denke, dass man so das Vertrauen zurückgewinnen kann. Zurückgehende Infektions- und Todeszahlen spielen natürlich auch eine entscheidende Rolle für das individuelle Sicherheitsempfinden. Aber auch die Presse und Öffentlichkeit tragen entscheidend dazu bei, ob wir wieder positiv nach vorne blicken. 
 
 
Verkehrsgastronomie in Europa: Wie könnte es in diesem Segment in den nächsten Monaten weitergehen?
Um die Autobahnstandorte mache ich mir etwas weniger Sorgen als um die Locations an Flughäfen und Bahnhöfen. Denn wenn Menschen im eigenen Land im Auto reisen, müssen sie irgendwann mal Rast machen, gehen auf die Toilette, in den Shop, essen etwas. Sofern die Restaurants dort smarte und intelligente Lösungen offerieren, wird dort sicher schneller wieder eine Normalität einkehren als an den Flughäfen
Auch Bahnhöfe werden weniger schnell funktionieren als Autobahnen. Warum? Hier treffen viel mehr Menschen zusammen, gerade in Stoßzeiten. Ich habe momentan das Gefühl, dass die Leute so schnell wie möglich  in Shops hinein und wieder hinaus wollen.
 
Wie sehen Sie die Perspektiven für die Flughafenstandorte?
Bis an Flughäfen wieder eine Art Normalität einkehrt, wird es am längsten dauern. Dabei muss man auch unterscheiden zwischen Ländern, die Inlandsflugverkehr haben, wie Deutschland, England, zum Teil Skandinavien, Russland oder die Türkei und solchen die keinen haben – wie Holland zum Beispiel. Domestic Travel wird als erstes wieder starten. 
Das sehen wir auch in Vietnam. Dort gibt es mittlerweile täglich etwa 20 Flüge zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh. Es kommt also wieder Bewegung in den Markt. Dagegen werden viele Länder noch längere Zeit warten, bis sie wieder internationalen Verkehr zulassen. 
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen in dieser Krisenzeit gelernt haben, dass man mit modernen Kommunikationsmitteln digital auch viele Dinge erledigen kann, die im Endeffekt sogar kosteneffizienter sind und weniger Risiko mit sich bringen. Mit dem Flugverkehr wird es also länger dauern
 
Wie lange, schätzen Sie?
Ich kann zwar nicht in die Zukunft schauen, aber ich denke, dass wir, was Passagierzahlen angeht, drei bis vier Jahre brauchen werden, bis wir wieder auf dem Stand vor Corona sein werden. Auch, wenn ich hoffe, dass es schneller gehen wird. 
 
Aktuell wird an vielen Standorten lediglich Take-away oder Counter-Service angeboten. Wie wichtig sind Sitzplätze in Flughafenrestaurants für die Reisenden? 
In Dubai Airport haben wir gerade einen Standort wieder aufgemacht. Und ich sehe, dass die Leute geradezu danach hungern, wieder irgendwo zu sitzen und in Ruhe einen Kaffee zu trinken. In Vietnam sehen wir das auch: Die Gäste wollen sich hinsetzen, um ihre Pho essen. Auch in Amsterdam sehen wir, dass die Menschen nach Sitzplätzen suchen, allerdings setzen sie sich überall hin, um ein wenig Abstand zu halten. 
Ein Smart-Distancing-Protokoll ist an jedem Standort die Grundlage für einen Re-Start. Und damit werden wir auch, wie in der Vergangenheit, eine Kombination aus Counter-Service, Take-away und Sitzplätzen im Café oder Restaurant anbieten. Ich gehe davon aus, dass, bis die Passagierzahlen wieder steigen, auch das Vertrauen der Konsumenten wieder hergestellt sein wird.



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