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"Morgen geht’s los!"

Die Terrasse des Sommerhauses in Kaiserslautern ist bereit für die Öffnung unter Corona-Bedingungen.
Sommerhaus
Die Terrasse des Sommerhauses in Kaiserslautern ist bereit für die Öffnung unter Corona-Bedingungen.

Die westpfälzische Stadt Kaiserslautern zählt aktuell zu den wenigen Inseln mit einer niedrigen Inzidenz von unter 50 auf einer rot bis dunkelroten Deutschlandkarte. Für die Gastronomen bedeutet das: Sie dürfen ihre Außenflächen öffnen. Vorerst für wenige Tage, bis dann über Ostern wieder geschlossen werden muss. Volker Hartlaub, Betreiber und Inhaber des Sommerhauses, gehört zu denen, die trotz hoher Auflagen und Beschränkungen entschlossen sind, zu öffnen.

Herr Hartlaub, Sie legen morgen los. Wie werden Sie die Anforderungen umsetzen?
Volker Hartlaub: Die größte Hürde für die Gäste ist ja die Vorlage eines negativen Schnelltests und schon da stoßen sie auf Probleme. Meine Frau und ich waren gestern beim Roten Kreuz und haben so einen Schnelltest machen lassen, um mal zu schauen, wie das funktioniert. Aber das geht hier in Kaiserslautern nur wochentags und nur bis 15 Uhr. Wenn ich also als Gast am Wochenende in die Gastronomie möchte – nach Samstag, 15 Uhr – muss ich mich anders organisieren. Wir haben daher auch selbst Schnelltests gekauft, die die Gäste bei uns vor Ort machen können. Man kann sich hier testen und dann bei einem Kaffee warten, bis man sein Ergebnis hat.
 
Wer trägt die Kosten dafür?
Wir überlegen noch. Es ist natürlich betriebswirtschaftlicher Quatsch, wenn wir die Kosten selbst voll übernehmen. Wir können nicht testen und der Gast trinkt dann nur ein Mineralwasser. Es lohnt sich nur, wenn jemand sehr viel konsumiert. Wahrscheinlich werden wir eine Selbstkostenbeteiligung in Höhe von fünf Euro in Rechnung stellen.
 
Konnten Sie denn ausreichend Tests beschaffen?
Das Volumen ist tatsächlich noch ein Problem. Die Abgabe in den Discountern ist ja begrenzt und auch im Internet gibt es kaum Kapazitäten. Daher bitten wir die Gäste darum, bereits mit Testnachweis zu uns zu kommen.
 
Mit welcher Resonanz rechnen Sie?
Wir haben auf wesentlich mehr Abstand gestellt als notwendig, weil wir eben auch den Platz haben. Wir bieten jetzt etwa 40 bis 50 Sitzplätze. Wir rechnen allerdings nicht mit einer Vollauslastung … wobei das Telefon heute bereits schon oft geklingelt hat und wir einige Reservierungen für die nächsten Tage reinbekommen haben.
 
Verstehen die Gäste die neuen Regeln?
Es gibt schon viel Unsicherheit in Bezug auf die Regeln. Viele wissen nicht, was jetzt erlaubt ist und was nicht. Manche fragen auch, ob sie wirklich einen Test brauchen, weil sie doch bereits geimpft seien. Aber das bringt gar nichts. Die Regel erfordert den Test.
 
Viele Gastronomen lehnen eine Öffnung unter den geltenden Bestimmungen ab. Es mache betriebswirtschaftlich gar keinen Sinn. Warum wollen Sie trotzdem öffnen?
Mit Geld-Verdienen hat unser Entschluss gar nichts zu tun. Wir tun das für unsere Mitarbeiter und für die Gäste. Das kleine Körnchen an Freiheit, das wir bieten können, wollen wir jetzt auch bieten. Für unsere Mitarbeiter ist das eine wichtige Perspektive – die wir übrigens durch die ganze Pandemiezeit versucht haben zu geben. Wir hatten nie geschlossen. Wir haben immer Abholung angeboten. Unsere drei Köche hatten wir immer zumindest halbtags an Bord. So haben wir es geschafft, keinen entlassen zu müssen und haben auch keinen Mitarbeiter verloren, der sich anders orientiert hätte. Und nicht zuletzt kommen wir durch eine sanfte Öffnung zum jetzigen Zeitpunkt auch wieder ein bisschen in Übung, wenn es nach dem 18. April wieder losgeht.
 
Verstehen Sie die Kollegen, die jetzt trotz Erlaubnis ihre Betriebe geschlossen halten?
Natürlich. Es ist eine ganz individuelle Abwägung, die ganz klar von der Größe der Außenfläche abhängt. Wer keine Außenfläche hat, ist jetzt doppelt bitter getroffen. Denn diese Restaurants haben dann auch im Sommer, wenn es vielleicht wieder richtig losgeht und das Wetter gut ist, schlechte Karten. Die hätten den Dezember gebraucht. Nach meinem Eindruck sind auch schon einige auf der Strecke geblieben. Ein Drittel der Gastronomen hier kommt gar nicht mehr zu den Dehoga-Treffen.
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