Round Table

Welches Potenzial in Gastro-Daten schlummert

Was lässt sich mit Gastro-Daten anfangen? Mark Hallstein (Head of Category Food & Beverage Fraport, rechts) und Michael Glatz (Head Of Business Development bei SSP Deutschland GmbH) beim Round Table von FOOD SERVICE.
Salome Roessler
Was lässt sich mit Gastro-Daten anfangen? Mark Hallstein (Head of Category Food & Beverage Fraport, rechts) und Michael Glatz (Head Of Business Development bei SSP Deutschland GmbH) beim Round Table von FOOD SERVICE.

Daten sammeln die meisten Gastro-Unternehmen zuhauf – doch wie lassen sich diese Daten am effektivsten nutzen? FOOD SERVICE und die Gastromesse The Happetite wollten es wissen und baten Fachleute an einen runden Tisch. Mit dabei: Laure Berment (Too Good To Go), Heiner Raschhofer (Glorious Bastards), Mark Hallstein (Fraport), Michael Glatz (SSP), Francesco Pupillo (The Happetite), Andreas Steinbeißer und Christian Gfüllner (Sell & Pick) sowie Boris Tomic (foodservice).

Dank fortschreitender Kassentechnologien, Kundenbindungsprogramme, Social-Media-Aktivitäten oder Tisch-Reservierungs-Tools sammeln Gastro-Unternehmen heute mehr Daten denn je. Die große Herausforderung besteht demnach nicht in der Anhäufung solcher Informationen, sondern in der gewinnbringendsten Nutzung. Die Qualität der Daten ist entscheidend – zu diesem Ergebnis kommt auch der Barc BI Trend Monitor 2020, der als Grundlage des Round-Table-Gesprächs diente.  
"Um Ihre Daten bestmöglich zu nutzen, müssen Sie Fragen identifizieren", erklärt Andreas Steinbeißer, Gründer und Geschäftsführer Sell & Pick GmbH, beim FOOD-SERVICE-Treffen. Mit seinem Unternehmen hilft er Gastronomen, Echtzeit-Daten zu analysieren und zu nutzen. Als Handreichung gibt er den Gastronomen auf den Weg: "Was wollen Sie wissen? Was ist Ihr Problem? Bringen Sie die Fragen auf den Punkt." Wesentliches lasse sich stets mit wenigen Sätzen sagen.   

Transparente Informationen

Christian Gfüllner, ebenfalls Sell & Pick, führt weiter aus: "Das Entscheidende ist: Identifizieren Sie die wichtigsten KPIs ihres Geschäfts und fokussieren Sie sich darauf." Wolle man präzise planen, benötige man transparente und möglichst einfach aufbereitete Informationen. Als KPI werden Kennzahlen bezeichnet, mit denen die Leistung von Aktivitäten in Unternehmen ermittelt werden kann.

Michael Glatz, Head of Business Development SSP, ist überzeugt, dass nicht nur die Entscheider-Ebene Einblicke in die Daten haben sollte, sondern das gesamte Team Zugang zu prägnant aufbereiteten Informationen: "Umso stärker identifizieren sich ihre Kollegen mit dem Unternehmen", ist er sich sicher. "So lässt sich die Motivation steigern."
Drei Thesen:
  • Daten möglichst simpel und anschaulich gestalten und Mitarbeitern transparent machen
  • Daten in Echtzeit nutzen, um Service-Leistung zu verbessern
  • Daten zur Optimierung des Geschäfts nutzen: Fokus auf KPI setzen

Für Francesco Pupillo, Director The Happetite, ist der Fall klar: "Tools müssen für die Mitarbeiter simpel bedienbar sein. Ihre einzige Berechtigung besteht darin, das Unternehmen zu verbessern." Auf keinen Fall dürfe man die Daten nutzen, um die Mitarbeiter gegeneinander auszuspielen. (Die Messe "The Happetite" findet am 28. und 29. April 2020 in Mailand statt. Sie richtet sich an Entscheidungsträger der Gastro-Branche.)

Einfluss auf Team-Spirit

Ähnlich sieht es auch Gastro-Unternehmer Heiner Raschhofer (Glorious Bastards, My Indigo): Umso transparenter, schneller und einfacher die Datenauswertung sei, desto besser sei dies für das gesamte Unternehmen, sagt er. "Wenn das gesamte Unternehmen zusammenarbeitet, hat dies einen großen Einfluss auf den Teamspirit."
Laure Berment, Geschäftsführerin von Too Good To Go Deutschland, pflichtet bei: "Das Management muss das Team entsprechend motivieren, Daten zu nutzen." Als Visualisierung habe sich beispielsweise eine Heatmap (farbliches Diagramm, das Peaks und Lows identifiziert) etabliert.

Round Table : Gastro-Daten nutzbar machen



Für Mark Hallstein, Head of Category Food & Beverage Fraport AG, besteht die Herausforderung darin, erhobene Daten schnellstmöglich zu nutzen. Echtzeitdaten helfen, auf Unerwartetes schnell zu reagieren. Konkret heißt das in seinem Fall: wenn etwa ein Flugzeug verspätet landet und die Flughafen-Gastronomen entsprechend informiert werden müssen. "Am Flughafen ist es komplex: Die Security weiß, wann wie viele Fluggäste erwartet werden – wir wissen es leider nicht."

Boris Tomic, Chefredakteur foodservice, weist darauf hin, dass die exakte Analyse von Informationen unverzichtbar ist. "Wir leben in einer datengetriebenen Welt", sagt er. "Optimale Datenanalyse muss ein essentieller Teil einer zukünftigen Erfolgsstrategie sein."
Über den Barc BI Trend Monitor 2020:
Business Intelligence (BI) zählt zu den wichtigsten Treibern zeitgemäßer Unternehmen. Als Business Intelligence werden Verfahren und Prozesse zur systematischen Analyse eines Unternehmens bezeichnet. Für den aktuellen BI Trend Monitor haben die Marktforscher des Analystenhauses Barc 2.650 Nutzer, BI Berater und Anbieter zu ihren Ansichten zu den wichtigsten BI-Trends befragt. Der BI Trend Monitor veranschaulicht, welche Trends sich auftun, und wie daraus entstehende Lösungen den Unternehmen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben helfen können.

Eine umfangreichere und detailliertere Berichterstattung zum Round Table und den Barc BI Trend Monitor 2020 lesen Sie in der kommenden März-Ausgabe der foodservice.

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