Schulcaterer Mohrrübchen

Mit Speck fängt man Mäuse...


Je Teenie-kompatibler einzelne Angebote sind, desto eher bringt man die gesunden Standards ans Kind.
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Je Teenie-kompatibler einzelne Angebote sind, desto eher bringt man die gesunden Standards ans Kind.

... und Teenager mit Döner! In der Mensa des Schulzentrums Cyriax in Overath steigen seit Januar die Essenszahlen. Frank Mohr, Chef des neuen Vertrags-Caterers Mohrrübchen, hat selbst zwei Kinder und weiß, was ankommt.

Den anspruchsvollen Spagat zwischen attraktiv, gesund und preiswert scheint Mohr zu beherrschen. Seit Jahresbeginn sind die Essenszahlen in der Mensa des Overather Schulzentrums von 200 pro Woche auf nahezu 600 angestiegen – an drei Essenstagen, wenn Nachmittagsunterricht stattfindet. Sein Trick: "Neben zwei Menülinien und Salattheke haben wir eine Snackbar mit günstigen Kleinigkeiten, auf die Jugendliche stehen", verrät der 50-jährige gebürtige Kölner. „Sobald die Kids darauf vertrauen, dass es auch etwas Cooles gibt, kommen sie öfter." Also bietet seine Snackbar für 1,50 Euro eine Curry-Wurst, für 2,50 Euro einen Döner – mit authentischen, frisch gebackenen Dönertaschen vom türkischen Bäcker. Das zieht, nicht zuletzt, weil man einfach bar zahlt.

Wichtig: frei entscheiden

Mohr hat sich 2014 selbstständig gemacht, um sich ganz auf das Schulcatering zu konzentrieren. Er weiß zum Beispiel, dass Jugendliche flexibel und frei entscheiden wollen. Also hat er das Vorbestell-System des Vorgängers abgeschafft und auch das elektronische Bezahlverfahren über den Umweg Elternkonto. "Welcher 15-Jährige weiß schon freitags, worauf er am nächsten Dienstag mittags vielleicht Lust hat." Zu Frank Mohrs Team kann jeder kommen, wenn ihm danach ist. Essensmarken für die Menüs werden einzeln oder auf Vorrat am Schulkiosk gekauft.

Drei Linien bietet der Caterer standardmäßig für 3,50 Euro an:
• ein klassisches Vollkostmenü inklusive Dessert: z.B. Maultaschen mit Spinat und Zwiebeln gefüllt an Tomatensoße
• eine Salat- und Rohkosttheke zum Selbstbedienen
• ein tägliches Aktionsgericht: z.B. Imbisstag mit Jägerschnitzel von Geflügel mit Wedges und Salatbar oder Pizza oder Pasta.
Desserts wie Schokopudding sind selbstverständlich zuckerreduziert.

Nachschlag statt zu große Portionen

"Sind die Kids erstmal da, kann durchaus die Gemüsefrikadelle mal attraktiver sein als die Pasta." So hat es Mohr geschafft, dass in seiner Mensa für zwei Gymnasien in Köln Porz der Veggie-Anteil rund 40 Prozent ausmacht! Darauf ist er durchaus stolz, denn die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind für seine Gerichte die Qualitäts-Leitlinie. Die Snacks sind der "Speck", mit dem er die Teenie-Mäuse fängt. Gemüse und Beilagen kann sich übrigens jeder nachnehmen so viel er möchte. Damit sind auch Hungerattacken in die Höhe schießender 14-Jähriger kein Problem. Gegen den Durst hat der Schulträger leitungsgebundene Wasserzapfstellen installiert. Hier wählen die Schüler zwischen stillem oder gesprudeltem Wasser – kostenfrei.

Tägliches Kiosk-Angebot

Viel Platz, Luft und Licht in der 2012 in Betrieb genommenen Mensa.
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Viel Platz, Luft und Licht in der 2012 in Betrieb genommenen Mensa.
Ohne zweites Standbein geht es nicht als reiner Schulcaterer. Am Kiosk bietet Mohr in Absprache mit den Schulen auch Süßgetränke an – das günstigste Getränk ist aber Wasser. Ab 8 Uhr morgens können die Schüler sich mit frisch belegten Brötchen vom Bäcker vor Ort eindecken. Mehrkorn und Vollkorn sind auf jeden Fall dabei. Obstsalat to-go wird jeden Tag frisch geschnippelt. Der Kiosk ist täglich bis 15 Uhr geöffnet. Die Mensa an Tagen mit Nachmittagsunterricht, also montags, mittwochs und donnerstags, von 10 bis 15 Uhr, genügend Zeit zum Sattwerden für alle. Der Mensaumsatz in Overath liegt in etwa bei 70 Prozent im Vergleich zum Kiosk. An den Gymnasien in Porz ist das Verhältnis etwa halbe-halbe.

Aktionen bringen Abwechslung ins Mensaleben. Deshalb führt der Februar auf eine kulinarische Reise durch Europa. Im April oder Mai startet Mohr einen ersten Ausflug in die Bio-Produktwelt mit einer Ursprung-Aktion zusammen mit seinem Großlieferanten. Insgesamt versorgt Mohrs 15-köpfiges Team fünf Schulen und eine Kindertagesstätte (800-1.000 Essen täglich). Jeweils sechs Mitarbeiter in den Schulküchen vor Ort in Overath und Porz und drei in der eigenen Küche. Von dort werden die Grundschulen und Kitas per Cook & Hold beliefert.

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