Schulessen

Apetito erwägt Klage gegen die Stadt Freiburg

Die Öko-Stadt Freiburg probt den Aufstand.
FWTM/Schoenen
Die Öko-Stadt Freiburg probt den Aufstand.

Elf Freiburger Schulen und Kitas suchen derzeit nach einem neuen Catering-Anbieter. Doch die Ansprüche der Ökostadt Freiburg an das Verpflegungskonzept sind hoch: Im Fokus stehen Qualität, Frische und ein auf die Saison abgestimmtes Angebot. Die Kommune fordert zudem den Einsatz von Bio- und fairgehandelten Produkten.

Insgesamt geht es um 106.000 Essen pro Jahr an 175 Schultagen, also rund 600 Essen pro Tag. Sechs Caterer haben sich bisher auf die laufenden Ausschreibungen beworben. So auch der Großcaterer Apetito in Rheine – doch wurde das Unternehmen offenbar von der Ausschreibung ausgeschlossen. Der Tiefkühlspezialist erwägt deshalb nun eine Klage gegen die Stadt. Zuerst hatte die Badische Zeitung darüber berichtet.

Apetito von Ausschreibung ausgeschlossen

Auf Anfrage des Wirtschaftsfachmagazins gv-praxis äußert sich das Unternehmen zurückhaltend zum Stand der Dinge: „Bitte haben Sie Verständnis, dass es uns im Rahmen laufender Verfahren nur begrenzt möglich ist, Auskünfte zum Inhalt und dem Sach- und Streitstand zu erteilen.“ Apetito sei überrascht gewesen, auf Nachfrage erfahren zu haben, dass „unserem Unternehmen die Möglichkeit versagt wird, sich im Wettbewerb auf die hier in Rede stehenden Leistungen zu bewerben.“

Weitere Caterer betroffen

Laut Apetito sind auch andere Marktteilnehmer betroffen, die mit Tiefkühlkost operieren. Die Irritation in Rheine ist groß: „Nach der Überzeugung unseres Unternehmens sollten statt Herstellersegmenten stets die qualitativen Anforderungen an die Verpflegung im Vordergrund einer Ausschreibung stehen.“ Es könne nicht sein, dass die Prüfungs- und Auswahlmöglichkeiten der Kinder, Eltern und Einrichtungen zwischen verschiedenen Anbietern von Vornherein durch Beschränkungen des Wettbewerbs eingeschränkt werden, führt Apetito als weitere Argument an.

Stadt verteidigt Ausschreibung

Apetito zählt nach eigenen Angaben zu den europäischen Marktführern bei Fertigmenüs und Tiefkühlkost. Ein Blick in die Freiburger Ausschreibung zeigt, dass als Verpflegungskonzepte lediglich die Produktionsverfahren Cook & Chill und Cook & Hold  zugelassen sind. Von Tiefkühlkost liest man in der Ausschreibung nichts. Und das soll nach dem Willen der Stadt so bleiben, notfalls will sie dies auch vor Gericht durchsetzen: „Die Stadt Freiburg hat sich entschlossen, die Art ihrer Ausschreibung auch vor der Vergabekammer Baden-Württemberg und gegebenenfalls vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe zu verteidigen.“

Bis dahin sei für alle Schulen eine Versorgung im neuen Schuljahr sichergestellt. „Die Stadt wird mit Caterern eine Interimsvereinbarung treffen, bis über eventuelle Klagen rechtskräftig entschieden ist“, heißt es.

Hohe Anforderungen an Caterer

Die Stadt Freiburg setzt in ihrer Ausschreibung insbesondere auf Regionalität und Frische und ein insgesamt qualitativ hochwertiges Verpflegungsangebot, dass den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entspricht. Mindestens drei Gemüse- und Obstsorten sollten zudem von Erzeugern aus der Region stammen, die im Rahmen eines Tagesausfluges innerhalb einer Stunde per Bus für Kita und Schule zu erreichen sind. Schließlich soll der künftige Caterer auch einen Teil der Ernährungsbildung für die Einrichtungen übernehmen.

Essenspreis wichtiger als Konzept

Hohe Anforderungen an den Caterer. Doch zeichnen die Zuschlagskriterien ein anderes Bild: So wird das Konzept der Bewerber lediglich mit 20 Punkten bewertet, der Preis hingegen fließt mit 80 Punkten in die Entscheidung über den künftigen Anbieter ein.



stats