Schweiz | Coronakrise

„2G bringt Gastronomie zusätzlich in Bedrängnis“

Ab Montag gilt in der Schweizer Gastronomie die 2G-Regel. Das beschloss der Bundesrat am Freitag. in Clubs und Diskotheken gilt 2Gplus - wobei frisch Geimpfte und Geboosterte ausgenommen sind.
IMAGO / Geisser
Ab Montag gilt in der Schweizer Gastronomie die 2G-Regel. Das beschloss der Bundesrat am Freitag. in Clubs und Diskotheken gilt 2Gplus - wobei frisch Geimpfte und Geboosterte ausgenommen sind.

Ab Montag, dem 20. Dezember 2021, gelten in der Schweiz verschärfte Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Zu Innenräumen von Restaurants, von Kultur-, Sport- und Freizeitbetrieben sowie zu Veranstaltungen im Innern haben nur noch geimpfte und genesene Personen Zugang (2G).

Damit soll das Risiko reduziert werden, dass sich nicht immunisierte Personen infizieren. Sie gäben das Virus leichter weiter und erkrankten viel häufiger schwer, heißt es in einer Mitteilung des Schweizer Bundesrats. Als zusätzlicher Schutz muss an diesen Orten eine Maske getragen und es darf nur im Sitzen gegessen und getrunken werden. Wo die Maske nicht getragen werden kann, wie bei Blasmusikproben, oder wo nicht im Sitzen konsumiert werden kann, wie in Discos und Bars, sind nur noch geimpfte und genesene Personen zugelassen, die zusätzlich ein negatives Testresultat vorweisen können (2G+).
 

Ausnahme für frisch Geimpfte

Personen, deren Impfung, Auffrischimpfung oder Genesung nicht länger als vier Monate zurückliegt, sind von dieser Testpflicht ausgenommen. Außerdem gilt erneut eine Homeoffice-Pflicht. Private Treffen sind auf zehn Personen beschränkt, falls eine Person ab 16 Jahren dabei ist, die nicht geimpft oder genesen ist. So entschied der Schweizer Bundesrat in seiner Sitzung vom 17. Dezember 2021. Zudem werden die Kosten für Antigen-Tests wieder übernommen.
 

GastroSuisse fordert Entschädigung

Der Schweizer Branchenverband GastroSuisse kommentierte, man hätte Alternativen befürwortet, nehme diese Maßnahmen in Anbetracht der pandemischen Lage aber in Kauf. Der Verband betont jedoch: „Viele Betriebe sind nun erst recht in ihrer Existenz bedroht. Der Bund muss deshalb Umsatzausfälle entschädigen, die aufgrund von 2G entstehen.
 
GastroSuisse begrüße, dass der Bundesrat das öffentliche Leben aufrechterhalten will. Entsprechend erleichtert zeigte sich der Branchenverband, dass der Bundesrat von Teilschließungen abgesehen und sich für die Einführung von 2G entschieden hat. „Wir bedauern aber, dass einmal mehr primär das Gastgewerbe mit Sanktionen belegt wird und Bund und Kantone bei anderen Lebensbereichen die Augen verschließen, obschon dort nachweislich mehr Ansteckungen verzeichnet werden als im Gastgewerbe“, sagt Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse. Diese Lebensbereiche seien endlich mehr in die Pflicht zu nehmen.

„Wir werden unsere Mitglieder bei der Umsetzung so gut wie möglich unterstützen“, sagt Platzer. GastroSuisse hätte es allerdings bevorzugt, mit bewährten Schutzmaßnahmen unter 3G weiterzuarbeiten. Ferner sei zu befürchten, dass diese neue Maßnahme in der Schweiz so wenig bewirken werde wie in den Nachbarländern. Es gäbe zielführendere Maßnahmen, die auf die besonders gefährdeten Risikogruppen ausgerichtet werden könnten.

Erleichtert ist der Branchenverband, dass 2G+ vom Bundesrat verworfen wurde, nachdem auch die meisten Kantonsregierungen diese Variante abgelehnt hatten. Anders sieht es bei Clubs und Diskotheken aus. Dort gilt ab Montag 2G+. Ein rentables Wirtschaften werde dort somit kaum mehr möglich sein. „Deshalb muss 2G im Gastgewerbe bzw. 2G+ in Clubs und Diskotheken wieder aufgehoben werden, sobald dies die Auslastung der IPS-Betten wieder erlaubt“, sagt Platzer.

Bereits die Ankündigung von 2G habe in den letzten Tagen zu massiven Stornierungen und einem weiteren, erheblichen Gästerückgang in weiten Teilen der Branche geführt. Das für die Branche wichtige Weihnachtsgeschäft (Bankette) entfällt nach 2020 ein weiteres Mal praktisch gänzlich. Viele Betriebe seien wieder unverschuldet in eine äußerst schwierige Situation gekommen und sehen sich mit der Einführung von 2G nun erst recht in ihrer Existenz bedroht. Die gastgewerblichen Unternehmen bangten darum, ihre Mitarbeitenden entlohnen zu können. „Die Pandemie kann nicht einzig auf dem Buckel des Gastgewerbes besiegt werden. Das hat uns die Vergangenheit gelehrt“, so Platzer. „Das Gastgewerbe hat seit Beginn der Pandemie sehr viele Opfer erbracht. Die Branche ist darauf angewiesen, dass die Wirtschaftshilfen weitergeführt werden.“
 
Die epidemiologische Lage in der Schweiz hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt und wird nun vom Bundesrat als „besorgniserregend“ eingeschätzt. Deutschland hat die Schweiz bereits Anfang Dezember als Hochrisikogebiet eingestuft. Die Zahl der Hospitalisationen nimmt weiter zu und die Auslastung der Intensivpflegestationen (IPS) ist in einzelnen Regionen sehr hoch. Behandelt werden vor allem ungeimpfte Personen mittleren und höheren Alters. Am 13. Dezember 2021 wurde die kritische Schwelle von schweizweit 300 Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf den IPS erstmals überschritten. Ab diesem Schwellenwert ist eine optimale Versorgung nicht mehr für alle Patientinnen und Patienten möglich, weil Behandlungen bei anderen Erkrankungen verschoben oder verzögert werden müssen.

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