Seniorenverpflegung | Corona-Imfpung

Würde und Lebensqualität wiedererlangen

Trotz Impfung keine Nähe erlaubt? Der Leiter eines Seniorenheims kämpft um Lebensqualität und Menschenwürde für die Bewohner seiner Einrichtung.
IMAGO / Laci Perenyi
Trotz Impfung keine Nähe erlaubt? Der Leiter eines Seniorenheims kämpft um Lebensqualität und Menschenwürde für die Bewohner seiner Einrichtung.

Lebensqualität und ein Leben in Würde. Dafür kämpft der Leiter eins Seniorenheims in Südbaden per Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht. Erreichen will er, dass die geimpften Bewohner wieder zusammen im Restaurant ihrer Einrichtung essen können.

Am 26. März hat ein im Landkreis Lörrach gelegenes Heim einen Eilantrag und Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingereicht. Bereits seit einem Jahr müssten die alten Menschen nun extreme Einsamkeit ertragen. In ihrer Isolation nähmen Depressionen zu und der Allgemeinzustand der Bewohner verschlechtere sich. Da fast alle Bewohner geimpft seien, müssten die gesetzlichen Vorschriften der neuen Situation angepasst werden.

In Vorinstanzen gescheitert

Sowohl der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim als auch der in Freiburg sowie zuvor das Gesundheitsamt Lörrach lehnten den Antrag, das Mittagessen für die Senioren in der Kantine für alle zu servieren, ab. Infektionen seien weder nach Impfungen noch nach überstandener Covid-Erkrankung auszuschließen, so die Argumentation. Im Heim jedoch legt man den Fokus auf das Wohlergehen der Bewohner im Alltag. Die Erkenntnislage der Gerichte sei veraltet. Das Infektionsrisiko im Vergleich zu den sozialen und psychologischen Beeinträchtigungen für die Bewohner minimal.

Das sehen auch andere so. Eugen Brysch, der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, äußerte sich gegenüber Focus online, es sei längst überfällig, dass das Bundesverfassungsgericht schnell Klarheit schaffe. Letztlich, so argumentiert er, mache das Konzept ja keinen Sinn, mit Impfen und Testen aus der Corona-Krise zu kommen, wenn dann keine Erleichterungen im Alltag ermöglicht würden.

In Deutschland gelten mittlerweile über 95 Prozent der 900.000 Bewohner in den 12.000 Senioreneinrichtungen als zumindest einmal geimpft. Fast drei Viertel seien bereits ein zweites Mal geimpft.
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