Seniorenverpflegung | Corona-Krise

RKI: Geimpfte kaum noch ansteckend

Hoffnung für Senioren in Deutschland? In einem Seniorenzentrum im Kreis Lörrach dürfen Geimpfte und Covid-19-Genesene wieder gemeinsam essen.
Symbolbild IMAGO / Shotshop
Hoffnung für Senioren in Deutschland? In einem Seniorenzentrum im Kreis Lörrach dürfen Geimpfte und Covid-19-Genesene wieder gemeinsam essen.

Hoffnung auf gemeinsame Mahlzeiten für geimpfte Senioren. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung mit SARS-CoV-2 infiziert und PCR-positiv wird, sei "niedrig, aber nicht Null", schreibt das RKI. Diese Neueinschätzung hat in Baden-Württemberg nun ermöglicht, dass die Bewohner des Seniorenzentrums Mühlehof in Steinen im Kreis Lörrach wieder gemeinsam essen dürfen.

Noch im März hatten nach dem Gesundheitsamt auch die zuständigen Verwaltungsgerichte in Mannheim und Freiburg einen Cafeteria-Betrieb untersagt. Sie verwiesen auf geltende Corona-Regelungen und den nicht wissenschaftlich erwiesenen vollständigen Infektionsschutz durch eine Impfung oder eine überstandene Corona-Erkrankung.

"Wir gehen von einer wirklichen Signalwirkung aus. Das ist den Seniorinnen und Senioren auch zu wünschen. Viele haben in den letzten Monaten unter der Situation gelitten", zitiert der SWR den Leiter des Seniorenzentrums in Steinen, Wolfram Uhl. Laut Uhl sind fast alle Bewohner der 56 Einzelhaushalte in dem Zentrum für betreutes Wohnen geimpft. Als vollständig geimpft gelten Personen, deren letzte Impfdosis mindestens 15 Tage zurückliegt.

Zuletzt hatten die baden-württembergische Landesregierung und das Landratsamt dem Vergleich zugestimmt, den in letzter Instanz das Bundesverfassungsgericht empfohlen hatte. Der Vergleichsvorschlag kam dann vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Stuttgart, den Betrieb der Cafeteria für geimpfte oder von einer Corona-Infektion bereits genesene Bewohner und Beschäftigte zu erlauben.

Begründet wurde der Vorschlag mit der Neueinschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI), wonach Geimpfte kaum noch ansteckend seien. Zudem schreibt das RKI in den FAQs zum Impfen (Stand 7.4.2021): "Vollständig gegen COVID-19 geimpfte Personen sind nach Exposition zu einem bestätigten SARS-CoV-2-Fall von Quarantäne-Maßnahmen ausgenommen, ebenso wie Personen, die in der Vergangenheit eine PCR-bestätigte und symptomatische COVID-19-Erkrankung durchgemacht haben ('Genesene')." 

Langer Weg zur Öffnung

Der Leiter der Einrichtung ist seit Jahresanfang einen langen juristischen Weg gegangen. Nachdem fast alle Bewohner als auch das meiste Personal geimpft war, hatte er zunächst beim Gesundheitsamt Lörrach beantragt, die Cafeteria wieder zu öffnen. Doch sowohl dort als auch in der Folge bei den Verwaltungsgerichtshöfen in Mannheim und Freiburg wurden seine Anträge abgelehnt aufgrund der damals aktuellen Rechtslage und fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Schutzgrad von Corona-Impfungen. Uhl dagegen argumentierte, der Fokus der Einrichtung liege auf dem Wohlergehen der Bewohner im Alltag. Die Erkenntnislage der Gerichte sei veraltet. Das Infektionsrisiko im Vergleich zu den sozialen und psychologischen Beeinträchtigungen für die Bewohner minimal.

Gegen die letzte VGH-Entscheidung im März hatte der Anwalt des Seniorenzentrums eine Anhörungsrüge erhoben und zugleich das Bundesverfassungsgericht angerufen. 
Der Anwalt vertritt laut SWR-Informationen sowohl das Heim als auch einen 79 Jahre alten Bewohner. Bleibt abzuwarten, ob die von Wolfram Uhl erhoffte Signalwirkung eintritt. Auch der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) ist laut SWR an einer für alle Beteiligten zufriedenstellenen Einigung interessiert. Es gelte, das Bedürfnis älterer geimpfter Menschen nach Normalisierung im Blick zu behalten sowie die Erkenntnisse des Gesundheitsschutzes.





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