Strategiepapier | Leaders Club

"Unsicherheit bricht unserer Branche das Genick"

Michael Kuriat, Präsident des Leaders Club Deutschland, findet deutliche Worte zur aktuellen Lage der Gastronomie in Deutschland.
Leaders Club
Michael Kuriat, Präsident des Leaders Club Deutschland, findet deutliche Worte zur aktuellen Lage der Gastronomie in Deutschland.

"Wir wollen Teil der Lösung sein, benötigen aber jetzt endlich eine Perspektive", sagt Leaders-Club-Präsident Michael Kuriat und verweist darauf, dass sich die Verländerung des Lockdowns bereits abzeichnet. Das Gastronomie-Netzwerk hat ein Strategiepapier erstellt, das als Leitplanke für die kommenden Monate dienen soll.

Kuriat erklärt: „Die anhaltende Unsicherheit bricht unserer Branche das Genick. Gastronominnen und Gastronomen brauchen in diesen schwierigen Zeiten ein Mindestmaß an Berechenbarkeit. Die versprochenen finanziellen Hilfen müssen die Unternehmen unverzüglich erreichen.“

"Wenn die Schließung unserer Betriebe dazu beiträgt, dass die Schulen und Kitas geöffnet bleiben können, stehen wir – nicht zuletzt als Eltern – dahinter", bekräftigt die Düsseldorfer Gastronomin und Leaders Club-Vorstandsmitglied Kerstin Rapp-Schwan. "Wir haben viel Geld und Mühe in Hygieneschutz und technische Lösungen wie Raumluftanlagen investiert, können jederzeit nachvollziehen, wer wann mit wem bei uns Kontakt hatte. Wenn das nicht reichen sollte, um die Infektionszahlen dauerhaft zu senken, tragen wir eine Schließung mit", sagt Rapp-Schwan. "Aber dann muss uns geholfen werden; nicht nur im November, sondern selbstverständlich auch darüber hinaus."

Patrick Rüther, Vorstandsvorsitzender des Leaders Clubs, fürchtet, dass mit dem eilig beschlossenen neuen Infektionsschutzgesetz weitere finanzielle Unterstützung für die Branche trotz des andauernden Lockdowns ausbleiben könnte: "Das Gesetz spart einen Anspruch pandemiebedingt geschlossener Betriebe auf Entschädigung ganz bewusst aus. Ohne faire und umfassende Ausgleichszahlungen oder Liquiditätshilfen zur Begleichung unserer laufenden Kosten müssen wir und viele Kollegen wirklich um unsere Existenz kämpfen. Es kann nicht sein, dass die Gastronomie zum Bauernopfer im Kampf gegen das Virus wird."

Mehr Planungssicherheit

Wie eine Planungssicherheit für die Branche in den kommenden Monaten aussehen könnte, hat der Leaders Club in einem Strategiepapier erarbeitet. Unter anderem enthält das Konzept für die Gastronomie 2021 die Forderung nach Beihilfe für ungedeckte Fixkosten für alle von einer pandemiebedingt angeordneten Schließung betroffenen Unternehmen analog zur Überbrückungshilfe III – auch für größere und verbundene Unternehmen mit mehr als 249 Mitarbeitern – sowie Schnellkredite oder zinsgestützte Darlehen beziehungsweise Kredite mit Haftungsfreistellung bis zu 100 Prozent und rückführungspflichtige, sehr schnelle Liquiditätshilfen. Die Insolvenzantragspflicht für pandemiebedingt zahlungsunfähige Unternehmen müsse in Regionen, die einen Schwellenwert von 50 Infektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschreiten, ausgesetzt werden.

Novemberchaos statt -hilfe

Die zugesagten Novemberhilfen lassen weiter auf sich warten, dennoch müssen Sozialversicherungsbeiträge, Mieten und Löhne in diesen Tagen regulär bezahlt werden. "Wir kennen immer noch weder das Konzept der Hilfen im Detail, noch wissen wir, wer antragsberechtigt sein wird und wann das Geld fließt", sagt Kerstin Rapp-Schwan und appelliert noch einmal deutlich an die Politik: "Um es ganz klar zu sagen: Die Konten sind leer! Wir brauchen jetzt keine weiteren Lippenbekenntnisse, sondern endlich massive Unterstützung von der
Regierung!"

"Die Gastronomie als Teil unserer Gesellschaft und unserer Kultur ist sich der besonderen Verantwortung im Pandemiefall bewusst", unterstreicht Michael Kuriat. "Wir stehen für ein faires und rücksichtsvolles Miteinander und werden aus diesem Grund tiefgreifende und weitgehende Einschränkungen weiter hinnehmen, wenn es der Allgemeinheit dient. Aber wir tragen auch Verantwortung für unsere Mitarbeiter und deren Familien. Für sie wollen wir genauso wie für die Unternehmerinnen und Unternehmer selbst ein Mindestmaß an Berechenbarkeit in schwierigen Tagen." Patrick Rüther wünscht sich mehr Differenzierung von der Politik: "Gastronomie ist nicht gleich Gastronomie. Zukünftige Regelungen müssen grundsätzlich stärker berücksichtigen, dass wir in unseren Restaurants in der Lage sind, unsere Gäste, Mitarbeiter und damit die Gesellschaft vor dem Virus zu schützen."
Über den Leaders Club
Der Leaders Club ist ein Netzwerk aus Gastronomen, Beratern und Produzenten mit mehr als 320 Mitgliedern aus 160 Unternehmen der Branche. Es wird eigenen Angaben zufolge getragen vom ehrenamtlichen Engagement seiner vielfältigen Charaktere, ihrer freundschaftlichen Verbundenheit und dem vertrauensvollen sowie offenen Kompetenz- und Erfahrungsaustausch. Das Ziel des 2001 gegründeten Clubs ist es, als Impulsgeber und Sprachrohr der Branche die wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Bedeutung der Gastronomie in Deutschland zu stärken und dafür ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu schaffen.

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