Studie

Jeder fünfte Schüler greift zu Energydrinks

Jedes fünfte Schulkind (19 Prozent) der Jahrgangsstufen fünf bis zehn trinkt mindestens einmal pro Monat einen aufputschenden Softdrink.
Thomas Fedra
Jedes fünfte Schulkind (19 Prozent) der Jahrgangsstufen fünf bis zehn trinkt mindestens einmal pro Monat einen aufputschenden Softdrink.

Jedes fünfte Schulkind trinkt regelmäßig Energydrinks – mit negativen Folgen für die Gesundheit: Bei den Mädchen und Jungen der Jahrgangsstufen fünf bis zehn, die Energydrinks konsumieren, sind Übergewicht, Schlafstörungen und Hyperaktivität besonders häufig. Das zeigt der Präventionsradar 2019 der DAK-Gesundheit.

Ein weiteres Ergebnis: Die aufputschenden Getränke werden durch Werbung attraktiv für Kids. Die Krankenkasse hat die repräsentative Schulstudie mit dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in dreizehn Bundesländern durchgeführt. Rund 14.000 Mädchen und Jungen aus mehr als 900 Schulklassen wurden dafür befragt. Der DAK-Präventionsradar untersucht jährlich das körperliche und psychische Wohlbefinden sowie das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 17 Jahren.

Jungs liegen vorne

Jedes fünfte Schulkind (19 %) der Jahrgangsstufen fünf bis zehn trinkt mindestens einmal pro Monat Energydrinks, 6 Prozent trinken diese wöchentlich, 3 Prozent sogar täglich. Die Jungen liegen dabei vorne: Von den täglichen Konsumenten sind zwei Drittel männlich. "Gerade für Heranwachsende sind aufputschende Softdrinks bedenklich", warnt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. Sie enthielten viel Koffein, seien extrem gesüßt und steckten voller synthetischer Zusatzstoffe. "Die sogenannten Energydrinks verleihen keinen Powerschub, sondern können zu massiven Gesundheitsproblemen führen", so Storm.
Je älter die Schüler, umso höher der Konsum.
DAK
Je älter die Schüler, umso höher der Konsum.


Energydrinks und die Folgen

"Der Präventionsradar belegt den negativen Einfluss der stark koffeinhaltigen Softdrinks", betont Studienleiter Prof. Dr. Reiner Hanewinkel vom IFT-Nord. "Wir sehen insbesondere bei Schlafproblemen, Übergewicht und Hyperaktivität einen Zusammenhang." Dieser zeige sich bereits bei regelmäßigem Konsum, bei dem die Kinder und Jugendlichen etwa einmal im Monat einen Energydrink zu sich nehmen, werde aber extrem deutlich bei vieltrinkenden Jugendlichen. So berichten fast zwei Drittel (63 %) der Jungen und Mädchen mit täglichem Konsum von Problemen beim Ein- oder Durchschlafen. In der Gruppe derjenigen, die nie oder nur selten Energydrinks trinken, sind Schlafstörungen deutlich seltener (41 %).

In der Befragung machten Schüler auch Angaben zu ihrem Körpergewicht und ihrer Größe. Demnach leiden 16 Prozent der Vieltrinkenden unter Übergewicht – doppelt so viele wie bei den Nichttrinkenden. Für den Schulalltag problematisch ist der negative Einfluss der Energydrinks auf das Konzentrationsvermögen. Von den Schülern, die täglich zu den stark koffeinhaltigen Softdrinks greifen, kann sich ein Fünftel nur schwer konzentrieren und lässt sich leicht ablenken. Von solchen Problemen, die auf Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsprobleme hinweisen, berichten bei den Nichttrinkenden nur 6 Prozent.

Werbung verführt Kids

Die aufputschenden Getränke werden insbesondere durch Werbung für Kinder und Jugendliche attraktiv. Die Wahrscheinlichkeit, Energydrinks zu probieren, steigt mit dem Kontakt zur Werbung deutlich an. Konkret heißt das: Bei niedrigem Werbekontakt beginnt etwa jedes dritte Schulkind im Verlauf von zwei Jahren mit dem Konsum von Energydrinks, bei hohem Kontakt ist es mehr als jedes zweite – ein Plus von 42 Prozent.

Bessere Kennzeichnung gefordert

Gesetzlich vorgeschrieben sind auf den Getränkedosen oder -flaschen bisher nur die Hinweise "Erhöhter Koffeingehalt" und "Für Kinder und Schwangere und stillende Frauen nicht geeignet". Über konkrete Risiken, etwa Konzentrations- und Schlafstörungen oder entstehendes Übergewicht, müssen die Hersteller derzeit nicht informieren. "Unser neuer Präventionsradar zeigt großen Handlungsbedarf", betont Andreas Storm, der eine bessere Kennzeichnung von Energydrinks fordert.



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