Studierendenwerk Berlin

Veggie-Revolution: magere 4 % Fisch und Fleisch auf der Karte

Die vegane Mensa Veggie 2.0 des Studierendenwerks Berlin läuft seit ihrem Start 2019 bestens. Nun soll zum Wintersemester das gesamte Speisenangebot der Hochschulgastronomie weitestgehend vegetarisch werden.
Luise Wagener
Die vegane Mensa Veggie 2.0 des Studierendenwerks Berlin läuft seit ihrem Start 2019 bestens. Nun soll zum Wintersemester das gesamte Speisenangebot der Hochschulgastronomie weitestgehend vegetarisch werden.

Das Schröder’sche Currywurst-Plädoyer ist noch nicht ganz medial verhallt, da macht das Studierendenwerk Berlin Veggie-Schlagzeilen. Zum Wintersemester wollen die Hochschulgastronomen der Bundeshauptstadt fast komplett Vegetarisch-Vegan anbieten. Dies sei nicht nur den erklärten Klimazielen der Hochschulen geschuldet, sondern schlicht ein fälliges Geschmacks-Update und dringendes Gebot der Stunde, heißt es vom Studierendenwerk Berlin.

Ökostrom, Dachgarten, weniger Energieverbrauch, Kaffeesatz als natürlicher Dünger und Coffee to stay statt to go! Das Studierendenwerk Berlin hat hohe Klima- und Umweltschutzziele und verfolgt diese konsequent. Neben Strom aus erneuerbaren Energien senkt Direct Digital Control den Verbrauch von Strom etwa für Licht. Druckgarkessel und Dampfgarer mit Nachtgarfunktion schonen in den Küchen Ressourcen und Gargut gleichermaßen. Die Reinigungsmittel in den Spülküchen sind großenteils biologisch abbaubar.

Klimaschutz wird großgeschrieben

Nun wird definitiv auch der CO2-Fußabdruck der Mensen deutlich sinken, indem der Anteil von Fleisch und Fisch im Essensangebot auf etwa vier Prozent heruntergefahren wird. Seit etwa zehn Jahren gehören vegane Gerichte zum täglichen Standard in den Mensen des Studierendenwerks Berlin. Eine rein vegane Mensa ist seit April 2019 erfolgreich in Betrieb. Künftig soll das Speisenangebot zu 68 Prozent vegan und 28 Prozent vegetarisch ausfallen.

Vegane Vorspeisenteller sind nicht nur bei Veganern beliebt, da ist sich Jens Grabig, Bereichsleiter Mensen im Studierendenwerk Berlin, sicher.
Luise Wagener
Vegane Vorspeisenteller sind nicht nur bei Veganern beliebt, da ist sich Jens Grabig, Bereichsleiter Mensen im Studierendenwerk Berlin, sicher.
"Die einzelnen Hochschulen fordern von uns nachhaltiges Wirtschaften. Und im Grunde ist es ja allerhöchste Zeit, sich klar zu positionieren und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten – auch mit unseren Essgewohnheiten", ist Jens Grabig fest überzeugt. Der Bereichsleiter Mensen im Studierendenwerk Berlin sagt: "Mit drei, vier Mensaleitern haben wir bereits vor eineinhalb Jahren begonnen, das Ernährungskonzept unserer über 30 Mensen neu aufzustellen." Zeit dazu gab es durch die Corona-Pandemie ja reichlich.
„CO2 war nicht der eigentliche Treiber, sondern das Angebot der Mensen zu vereinheitlichen, in ein effizientes System zu überführen.“
Jens Grabig, Bereichsleiter Mensen, Stw. Berlin

Nachhaltig einkaufen für 200.000 Gäste

In erster Linie ging es generell um ein zeitgemäßes Update, aber auch um ein effizienteres System. "Wir wollten uns einheitlicher aufstellen und zum Beispiel den Einkauf vereinfachen. Andererseits hatten wir mit der ersten vegetarischen Mensa vor über zehn Jahren und der veganen Mensa großen Erfolg. Die positiven Rückmeldungen zeigen, dass das der richtige Weg ist."

Nun geht man also aufs Ganze. Wobei Grabig kein Akzeptanz-Risiko sieht. Unsicherheitsfaktor sei eher die Beschaffung bei über 150.000 Studierenden und zigtausenden Hochschulbeschäftigten als potenzielle Gäste. "Unsere größte Aufgabe ist es, die Lieferpartner zu finden, die unseren Mengenbedarf abdecken können." Zweimal pro Woche gibt es Fleisch oder Fisch auf der Karte. Dazu hier und da Aktionen mit Lebensmitteln aus nachhaltiger Produktion. Prinzipiell soll nur noch Fleisch aus mindestens Haltungsstufe 3 eingekauft werden. Geflügel möglichst in Bio-Qualität.

Effizientere Prozesse

Für alle Mensen gilt ab Wintersemester ein einheitlicher 6-Wochenspeiseplan mit etwa vier Prozent Fisch und Fleisch. Bislang war das Angebot in den Mensen je nach Standort sehr unterschiedlich, hier etwas fleischlastiger, dort eher vegetarisch geprägt. Damit soll nun Schluss sein und mit dem zeitgemäßen Genuss der Klimaschutz gleich mit verbessert werden. "An der Vielfalt haben wir keine Abstriche gemacht und auch die Preise werden in diesem Jahr auf keinen Fall erhöht, wenn auch der Wareneinsatz durch die Umstellung etwas steigen wird", versichert der Bereichsleiter.

Den Anfang machte das Sortiment in den Brötchen- und Backshops. Nun gibt es zum Start des Wintersemesters am 4. beziehungsweise 18. Oktober etwa 20 neue Rezepturen. "Im Prinzip haben wir ja jahrelange Erfahrung und einen großen vegetarischen und veganen Rezeptfundus", erläutert Jens Grabig. Er freut sich sichtlich auf das neue Semester, das endlich wieder mit Präsenzunterricht starten soll. Damit das klappt, lief unterstützend eine große Impfaktion für Studierende in der Hauptmensa, das sehr gut angenommen wurde.

Er ist sich sicher, dass gerade den Studierenden daran gelegen ist, endlich (wieder) gemeinsam mit anderen das Campus- und Studentenleben zu genießen. Das Hygienekonzept steht und muss natürlich weiterhin eingehalten werden. Hier sieht Jens Grabig eigentlich keine Hindernisse. Er freut sich auf gut besuchte Mensen und Coffeebars mit neuem, zeitgemäßem, vielfältigem sowie tier- und klimafreundlichem Speisenangebot.
Über das Studierendenwerk Berlin

Mit fast 172.000 Studierenden und einem Mensaumsatz von mehr als 20 Mio. Euro 2019 (Stand WS 2018/19) ist das Studierendenwerk Berlin das größte der 57 deutschen Studierenden- und Studentenwerke. In insgesamt 55 Mensen und Coffeebars stehen 13.000 Tischplätze zu Verfügung.


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