Takeaway.com

Deutschlandgeschäft von Delivery Hero gekauft


Lange gerungen, jetzt entschieden: Takeaway.com ist die Nummer eins des deutschen Liefermarkts.
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Lange gerungen, jetzt entschieden: Takeaway.com ist die Nummer eins des deutschen Liefermarkts.

Paukenschlag im deutschen Deliverymarkt: Das niederländische Unternehmen Takeaway.com – in Deutschland bislang mit der Marke Lieferando vertreten – übernimmt das komplette Deutschlandgeschäft des Berliner Unternehmens Delivery Hero und damit die Marken Pizza.de, Foodora und Lieferheld. Das teilten beide Unternehmen mit. Damit geht ein langer Kampf um die Vorherrschaft unter den deutschen Lieferplattformen zu Ende, Takeaway.com ist nach Vollzug in Deutschland die unbestrittene Nummer 1.

Der Kaufpreis beträgt rund 930 Mio. Euro. Davon entrichtet Takeaway.com 508 Mio. Euro in bar und gibt Aktien im Gegenwert von 422 Mio. Euro an Delivery Hero ab. Damit hält Delivery Hero nun rund 18 Prozent der Aktien von Takeaway.com. Zudem darf Delivery Hero einen Posten im Aufsichtsrat von Takeaway.com nominieren. Der Kauf muss noch im Januar von der Generalversammlung bei Takeaway.com bestätigt werden. Ein Abschluss wird fürs erste Halbjahr 2019 erwartet.

Zahl der Bestellungen verdoppelt

Bislang waren beide Player im deutschen Liefermarkt in ähnlichen Größenordnungen unterwegs. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 verbuchten sowohl die Takeaway.com-Marke Lieferando wie auch die kombinierten Delivery Hero Marken Pizza.de, Lieferheld und Foodora jeweils 23 Mio. Bestellungen. Der vermittelte Systemumsatz betrug 462 Mio. Euro (Delivery Hero) beziehungsweise 471 Mio. Euro (Takeaway.com). Rein rechnerisch wäre damit die neue Takeaway.com Deutschland-Sparte in den ersten neun Monaten 2018 für 46 Mio. Bestellungen bei einem vermitelten Systemumsatz von 932 Mio. Euro verantwortlich.

Verschwinden Pizza.de und Lieferheld?

Was mit den bisherigen Delivery-Hero-Marken Pizza.de, Lieferheld und Foodora passiert, teilten die Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit. Da Takeaway.com pro Ländermarkt allerdings eine strikte Ein-Marken-Politik fährt – in Deutschland mit Lieferando – ist es sehr wahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit Pizza.de, Lieferheld und Foodora vom deutschen Markt verschwinden könnten. Ein weiterer Hinweis darauf könnte sein, dass unlängst der letzte Foodora-Gründer Delivery Hero verlassen hat.

Die Aktienmärkte bewerten den Verkauf positiv. Zu Beginn des Handelstags stieg die Aktie von Delivery Hero um rund 12 Prozent, die Aktie von Takeaway.com sogar um 27 Prozent. Delivery Hero ist nach dem Verkauf weiterhin in 42 Ländermärkten weltweit aktiv, Takeaway.com in elf.

Deutscher Markt mit Riesenpotential

Der deutsche Lieferdienstmarkt hat weiter riesiges Potential: Laut dem CREST Verbraucherpanel der Marktforscher der npdgroup bestellten von Juli 2017 bis Juni 2018  immer noch 56 Prozent Lieferdienstkunden per Telefon. Gleichzeitig stieg allerdings die Zahl der Digital-Besteller in den letzten 12 Monaten um etwa 22 Prozent. In den nächsten Jahren dürfte sich dieses Gleichgewicht weiter deutlich zugunsten der Online-Plattformen verschieben, die Kundenzahl stark steigen. 

Dazu kommt, dass Online-Lieferplattformen stark vom Netwerk-Effekt abhängen. Diese "The winner takes it all"-Marktlogik kennt man von Online-Plattformen wie Amazon oder Google. Für Lieferdienste läuft sie nur ein wenig stärker innerhalb der Ländergrenzen ab: Wer den Markt in einem Land beherrscht, kann seine Marketing-Ausgaben herunterfahren und so Gewinn einstreichen. Diese Pole Position hat Takeaway.com in Deutschland jetzt eingenommen. Letzter verbliebener Konkurrent in Deutschland ist Deliveroo, der aber ohnehin nur noch in fünf Städten vertreten ist.



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