Tarife

NGG lobt Dehoga: Zeit der Niedriglohnbranche vorbei

12 Euro Mindestlohn wäre für viele Beschäftigte eine Verbesserung.
IMAGO / epd
12 Euro Mindestlohn wäre für viele Beschäftigte eine Verbesserung.

Der Entgelttarifvertrag für das Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz steht vor dem Abschluss. Unter anderem sei dabei bereits eine Mindestlohnabstandsklausel vereinbart worden.

Die Gewerkschaft NGG rechnet mit einem Entgelt-Tarifabschluss für das Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz bei der nächsten Verhandlungsrunde am 23. November. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte der NGG-Landesbezirkssekretär im Südwesten, Alexander Münchow, am Freitag den dfv Hotel- und Gastromedien. „Der Dehoga Rheinland-Pfalz hat erkannt, dass man umsteuern muss und dass ein Kulturwandel im Umgang mit den Beschäftigten dringend geboten ist.“

Mindestlohnabstandsklausel


Münchow lobte unter anderem, dass bereits eine Mindestlohnabstandsklausel vereinbart worden sei. Danach soll in den beiden unteren Lohngruppen grundsätzlich 5 Prozent über dem Mindestlohn gezahlt werden. Bei einem von der Ampel-Koalition angestrebten Mindestlohn von 12 Euro entspräche dies 12,60 Euro. Damit sei die Branche weg vom Image der Mindestlohnbranche, betonte Münchow. Auch die unbefristete Übernahme von Azubis gehöre zur Vereinbarung.

Viele Fragen seien bereits geklärt, es gehe noch um Laufzeiten. So soll der sogenannte Eck-Lohn von Januar an auf 15 Euro steigen. Wann die zweite Stufe der Erhöhung komme, sei aber noch umstritten. Die NGG fordere den nächsten Schritt für den Sommer 2023, die Arbeitgeber wollten wohl erst 2024 eine weitere Erhöhung vollziehen.

Allgemeinverbindlichkeit angestrebt

Auch die NGG strebe Allgemeinverbindlichkeit an. Mit dieser Erklärung wären auch nicht tarifgebundene Firmen an die Vereinbarungen gebunden und könnten nicht etwa mit Billiglöhnen das Regelwerk unterlaufen. Für die Allgemeinverbindlichkeit ist das Arbeitsministerium im Zusammenwirken mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern zuständig.
Kurz vor dem Ziel: NGG Landesbezirkssekretär Alexander Münchow.
NGG
Kurz vor dem Ziel: NGG Landesbezirkssekretär Alexander Münchow.
„Nun ist der Druck so groß geworden, weil wir ein Ausbluten der Branche erleben“
Alexander Münchow, NGG

Münchow erinnerte daran, dass es in Rheinland-Pfalz vier Jahre und vier Monate lang keinen Tarifvertrag gegeben habe. Das dürfe nicht vergessen werden. „Nun ist der Druck so groß geworden, weil wir ein Ausbluten der Branche erleben.“

Sieben Meilensteine

Anfang der Woche war ein bemerkenswerter Beschluss des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Rheinland-Pfalz bekannt geworden, mit dem die Branche im Wettbewerb um die besten Talente einen großen Sprung nach vorne machen kann. Danach will der Verband Lohn- und Gehaltssteigerungen zwischen 25 Prozent für Hilfskräfte, 36,4 Prozent für Fachkräfte und 60 Prozent für Azubis im ersten Lehrjahr anbieten. Das gehört zu den "sieben Meilensteinen" zur Mitarbeitergewinnung.

Gleichzeitig wird die „Bedeutung von planbarer und ausreichender Freizeit“ anerkannt. Künftig sollen auch 4- und 6-Tage-Wochen möglich sein. Der Dehoga appelliert an die Politik, die Zuwanderung von Arbeitskräften zu erleichtern und das Arbeitszeitgesetz so zu flexibilisieren, dass das Problem der Winterarbeitslosigkeit für die Beschäftigten der vielen Saisonbetriebe gelöst werden kann.

Schließlich werden die Gäste um Verständnis gebeten, dass auf Grund der Lohnsteigerungen Preiserhöhungen zwischen 9 und 15 Prozent nötig sind. Dieser Beschluss war auf Initiative von Dehoga-Landespräsident Gereon Haumann bereits am 31. August gefasst worden.


Dieser Text erschien zuerst auf www.ahgz.de.

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