Tönnies

Kantinen-Video zeigt Missachtung der Vorgaben

Einblick in die Tönnies-Kantine
screenshot
Einblick in die Tönnies-Kantine

Ein Video, das in der Kantine der Fleischwarenfabrik Tönnies aufgenommen wurde, sorgt für große Aufregung. Danach hätte der Konzern die Ende März verschärften Hygieneregeln grob missachtet.

Nach Recherchen des Südwestrundfunk (SWR) stammt das Video vom 8. April 2020 und ist somit nach Inkrafttreten der Corona-bedingten Hygiene-Verschärfungen entstanden. Die Aufnahme zeigt, dass viele Mitarbeiter alle ohne Mindestabstand an Tischen sitzen. "Wie sollen wir uns hier schützen?", soll eine Mitarbeiterin in dem Video zu hören sein. Ein Sprecher des Landkreises Gütersloh bestätigte, dass die auf dem Video zu sehenden Zustände nicht "dem Pandemiekonzept des Unternehmens entsprechen" und es auch keine Sondererlaubnis für den Konzern gegeben habe.

Umgekehrt versuchte Tönnies auf der eigenen Homepage die Missstände herunterzuspielen: "Das im Netz kursierende Video ist uns im Unternehmen seit Anfang April 2020 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Mitarbeiter in der Kantine geclustert, so dass nur Personen gemeinsam Pause gemacht haben, die auch in einer Abteilung arbeiten. Die Maßnahmen wurden regelmäßig verschärft und bei der Arbeitsschutzkontrolle der Berufsgenossenschaft begutachtet. In dieser Phase der Pandemie gab es keine vermehrten Positivfälle." Der größte deutsche Schlachtbetrieb wurde geschlossen. Der Kreis Gütersloh machte alle Schulen und Kitas dicht und stellte gut 7.000 Menschen unter Quarantäne

Gegendarstellung mit neuem Datum.

In der Zwischenzeit hat Tönnies eine Gegendarstellung veröffentlicht und zweifelt darin nicht die Echtheit des Videos an, die Aufnahme stamme jedoch eigenen Angaben zufolge von Ende März. Das habe eine interne Recherche ergeben. Dem Unternehmen wird aufgrund des SWR-Berichts vorgeworfen, dass die ab 30. März für Betriebskantinen in NRW in Kraft getretene "Verordnung zur Änderung der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2" nicht eingehalten wurde.

Tönnies bestätigte zunächst das Aufnahmedatum 8. April, zieht dies nun aber zurück. "
Dies war im Nachhinein sicherlich ein Fehler. Der Druck wurde von vielen Seiten aber zu groß – daher mussten wir zunächst reagieren", wird Sprecher André Vielstädte in der Gegendarstellung zitiert. Man könne nun beweisen, dass die Behauptungen, zum einen wissentlich gelogen und zum anderen gegen die Auflagen verstoßen zu haben, falsch sind. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz. Ministerpräsident Armin Laschet nannte den Ausbrauch das "größte, bisher nie dagewesene Infektionsgeschehen in NRW". Mehr als 1.300 Menschen sind bereits infiziert (Stand 21.6). Tönnies reagiert mit Übernahme der Kosten für einen freiwilligen Coronatest im Landkreis Gütersloh.




stats