Debatte ums Trinkgeld

Über 1.000 Kommentare und Likes auf unseren Kanälen

Zubrot: Trinkgeld ist in der Gastronomie eine wichtige Einnahmequelle.
IMAGO / Mis
Zubrot: Trinkgeld ist in der Gastronomie eine wichtige Einnahmequelle.

Die Debatte über die Trinkgeld-Kultur in Deutschland hat weite Kreise gezogen. So haben sich nicht nur zahlreiche Branchen-Größen bei uns zum Thema geäußert, auch auf unseren Social-Media-Kanälen wurde eifrig diskutiert. Allein auf Facebook wurde unser Text insgesamt über 1000 mal kommentiert und geliked. Was sagen unsere Leser?

Mit ihrem emotionalen Twitter-Beitrag hat die TV-Journalistin Anja Reschke viele Menschen erreicht, und nicht zuletzt auch im Gastgewerbe für eine weitreichende Debatte gesorgt. So äußerten sich nicht nur Dehoga-Chefin Ingrid Hartges, Unternehmer wie Kent Hahne und Alexander Scharf, Chef der Gastro Urban GmbH, bei uns. Auch zahlreiche Mitarbeiter aus der Gastronomie meldeten sich nach der Berichterstattung bei uns, allein auf Facebook sammelten sich mehr als 1.000 Interaktionen zum Thema.

Unter den Kommentaren finden sich viele Berichte aus dem Service-Alltag in der Gastronomie. Unser Leser Oliver Kroll berichtet etwa:

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Wer darf das Trinkgeld behalten?

Grundsätzlich gilt: Das Trinkgeld steht dem Arbeitnehmer zu, der es erhalten hat, sagt Prof. Michael Fuhlrott, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hamburg und Mitglied im Verband deutscher Arbeitsrechtsanwälte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zumindest, sofern im Arbeitsvertrag nichts anderes geregelt ist. Der Gast gebe das Trinkgeld freiwillig und würdige damit die Leistung der ihn bedienenden Servicekraft. Wünscht sich der Gast nicht ausdrücklich eine andere Aufteilung des Trinkgelds, darf die jeweilige Servicekraft das Geld behalten.

Leser Peter Haushahn hat eine grundsätzliche Meinung zum Thema Lohn:

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Dass Trinkgeld eine freiwillige Sache bleiben soll, findet Stefan Senyszyn. Sein Beitrag steht beispielhaft für eine Vielzahl weiterer Kommentare, die sich darauf berufen, dass das Einkommen der Mitarbeiter in der Gastronomie generell so gestaltet sein sollen, dass sich davon gut leben lässt.
 
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Mehr Trinkgeld als vor der Pandemie

Nach den Corona-bedingten Lockdowns gaben die Menschen in Deutschland laut einer Umfrage (April 2021) des Meinungsforschungsinstituts Civey zufolge mehr Trinkgeld als vor der Pandemie. 32 Prozent der rund  10.000 Befragten gaben demnach an, während der Pandemie großzügiger zu sein als üblicherweise. Insbesondere Kunden und Gäste in Berlin und Hamburg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Bayern, geben während der Coronakrise mehr Trinkgeld. Grundsätzlich sind Menschen in großen Städten und Ballungszentren generöser als im ländlichen Raum.

Wer zeigt sich am großzügigsten?

Besonders großzügig zeigten sich der damaligen Umfrage zufolge die Berufsgruppe der Beamten, von denen rund 40 Prozent mehr Trinkgeld als sonst gaben, auch selbst bei den Arbeitslosen waren es rund 25 Prozent, die sich in der Coronakrise generöser zeigten. Die meisten Deutschen – rund 60 Prozent – gaben laut Umfrage zu diesem Zeitpunkt zirka 10 Prozent Trinkgeld. 27 Prozent (Ostdeutschland) bzw. 21 Prozent (Westdeutschland) gaben etwa 5 Prozent Trinkgeld.
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