Umfrage | Fleischkonsum

Deutsche lehnen Massentierhaltung ab

Diese bilderbuchhafte Darstellung vom Tierleben hat wenig mit der Fleischproduktion in Europa zu tun. In der EU lag der Anteil ökologisch gehaltener Rinder 2019 laut Statista bei 6 Prozent, bei Schweinen bei 1 Prozent.
IMAGO / Geisser
Diese bilderbuchhafte Darstellung vom Tierleben hat wenig mit der Fleischproduktion in Europa zu tun. In der EU lag der Anteil ökologisch gehaltener Rinder 2019 laut Statista bei 6 Prozent, bei Schweinen bei 1 Prozent.

Fast 70 Prozent der jüngst von ProVeg befragten Menschen in Deutschland sind für ein Verbot der Massentierhaltung. Die Ernährungsorganisation fordert: Die Politik muss die Tierwirtschaft stärker regulieren.

Das Ergebnis könnte kaum eindeutiger sein, betont die Organisation ProVeg. 68,9 Prozent der Teilnehmer einer aktuellen Umfrage hätten sich klar für ein Verbot der Massentierhaltung ausgesprochen. Lediglich rund ein Fünftel der 2.500 Befragten sprach sich in der Umfrage gegen ein solches Verbot aus. 80 Prozent befürworten, dass der Staat die finanzielle Förderung der Massentierhaltung stoppt. "Das zeigt, wie sehr die Bevölkerung die Politik in der Pflicht sieht", sagt ProVeg-Geschäftsführer Matthias Rohra. "Die nächste Bundesregierung muss endlich dem Willen der Verbraucher nach einem Umbau der Tierhaltung Rechnung tragen."

Bewusst konsumieren

Ob durch Klimakrise, Corona-Pandemie oder Schlachthof-Skandale: Das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen der Massentierhaltung nimmt zu, beobachtet ProVeg. Die Zahlen zeigten, dass die Verbraucher auch zunehmend bereit seien, ihr Konsumverhalten zu ändern: Dass tierische Produkte in Zukunft mehr kosten sollten, finden 58 Prozent der Befragten. Knapp die Hälfte ist der Meinung, dass Kantinen täglich als Standard vegane Gerichte anbieten sollten. Und auch die CO2-Kennzeichnung für Lebensmittel, die vor allem tierische Produkte als klimaschädlich einstufen würde, wollen 46 Prozent der Befragten.

"In einer Demokratie muss die Politik die Menschen als Bürger ernstnehmen und zum Maßstab ihrer Reformen erheben", betont Matthias Rohra. "Die Regierung hat die verantwortungsvolle Aufgabe, den gesellschaftlichen Wandel mit politischen Veränderungen zu unterstützen."

Subventionen umverteilen

Konkrete Lösungsvorschläge liegen längst auf dem Tisch – oder vielmehr auf dem Teller: Staatliche Subventionen könnten umverteilt werden – weg von der industriellen Tierhaltung und hin etwa zur Erforschung und zum Anbau alternativer Proteinquellen wie Hülsenfrüchten, so der ProVeg-Vorschlag. Prämien und Umschulungen zur Pflanzenproduktion könnten Landwirten den Ausstieg aus der Tierhaltung erleichtern – dafür stimmte in der Umfrage mehr als die Hälfte der Menschen. Die wahren Kosten tierischer Produkte könnten abgebildet werden, wenn sie höher besteuert würden. Und auch generell könnte die Regierung Anreize für eine pflanzliche Ernährung schaffen, etwa durch eine vegane Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern und Behörden.

"Die Ernährung gehört ganz oben auf die Klimaschutz-Agenda unserer Regierung", sagt Matthias Rohra von ProVeg. "Nur durch eine Abkehr von der Massentierhaltung können wir unsere gerade erst erhöhten Klimaziele erreichen. Denn rund 15 Prozent aller Treibhausgasemissionen weltweit stammen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren."
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