Umfrage / Dehoga

Jeder Tag zählt jetzt

Viele Gastronomen haben Angst vor der Insolvenz.
imago images / Müller-Stauffenberg
Viele Gastronomen haben Angst vor der Insolvenz.

Restaurants und Hotels verzeichnen in Folge der Corona-Krise nie dagewesene Umsatzeinbrüche. 71,3 Prozent der gastgewerblichen Betriebe sehen sich aktuell in ihrer Existenz gefährdet. Das geht aus einer neuen Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband) hervor.

"Die Verzweiflung in der Branche wächst", so Dehoga-Präsident Guido Zöllick. "Der neue Lockdown im November hat die Betriebe weiter verunsichert. Angesichts der dramatischen Lage brauchen die Betriebe dringend die zugesagten Corona-Hilfen." 78,6 Prozent der Betriebe geben an, dass die Entschädigungszahlungen in der angedachten Größenordnung ausreichen, um den November zu überstehen. "Die Hilfen werden aber nur dann funktionieren, wenn sie jetzt schnell und unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden", macht Zöllick deutlich.

Jedem 6. Betrieb droht im November Invsolvenz

Nach den vorliegenden Ergebnissen droht jedem sechsten Betrieb (17,5 %) bereits ab November die Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit. "Unsere Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Jeder Tag zählt. Die Novemberhilfen müssen jetzt kommen  – und zwar schnell und unbürokratisch", sagt Guido Zöllick. Auch für Oktober beklagen 83,5 Prozent der befragten Unternehmer, in absoluten Zahlen 6.263 Unternehmer, Umsatzrückgänge von durchschnittlich 46,1 Prozent.

Nur 16,5 Prozent der Betriebe beziehungsweise 1.038 Betriebe meldeten Umsatzzuwächse von durchschnittlich 15,3 Prozent. Die Ergebnisse zeigen jedoch auch, dass bei einem längeren Lockdown weitere Hilfen unverzichtbar wären. 84,7 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass die geplanten einmaligen Entschädigungen nicht für eine längere Schließung über den November hinaus ausreichten. An der Umfrage des Bundesverbandes zur wirtschaftlichen Lage im Gastgewerbe beteiligten sich in der Zeit vom 2. bis 8. November 8.868 Betriebe. 

Bäcker fordern Entschädigung für Cafés

"Die von der Bundesregierung versprochenen Hilfen für den November-Lockdown müssen auch den Unternehmen des Bäckerhandwerks zugutekommen", fordert Michael Wippler, Präsident des Deutschen Bäckerhandwerks. Die Betriebe sind mit ihren Cafés direkt von den Schließungen betroffen. Da das eigene Café- und Snackgeschäft sowie weiterhin die Belieferung von Hotels und Gaststätten als wichtige Standbeine weggebrochen sind, sehen sich viele Betriebe mit gravierenden Umsatzeinbrüchen konfrontiert.

"Wer Bäcker wie Restaurants schließt, muss Bäcker auch wie Restaurants entschädigen. Das ist andernfalls ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz", ergänzt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. "Wenn Restaurants und Hotels 75 Prozent ihres Umsatzverlustes ersetzt bekommen, muss dies ebenfalls für die Bäckergastronomie gelten. Vergleichbare Betriebskonzepte und Umsatzauswirkungen müssen von der Politik auch gleich behandelt werden."
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