Valora / Schweiz

Corona hinterlässt Spuren

Rund 45 Prozent der Valora-Standorte arbeiteten auch im Juni noch mit kürzeren Öffnungszeiten.
imago images / Emmanuele Contini
Rund 45 Prozent der Valora-Standorte arbeiteten auch im Juni noch mit kürzeren Öffnungszeiten.

Im ersten Halbjahr 2020 verzeichnet die Valora Gruppe einen starken Rückgang der Kundenfrequenz durch Corona. Dennoch rechnen die Schweizer Verkehrsgastronomen mit einem positiven EBIT für das Geschäftsjahr 2020. Dies gab die Gruppe in ihrer Halbjahrespressekonferenz bekannt.

Nach gutem Jahresbeginn im Januar und Februar beeinträchtigt die Coronakrise den Geschäftsgang der Valora Gruppe im ersten Halbjahr 2020 erheblich, so die Mitteilung der Convenience- und Foodservice-Spezialisten. Die Einschränkungen im Zuge der Coronapandemie schmälerten mit kürzeren Öffnungszeiten (40 % der Standorte) und einzelnen Standortschließungen (20 %) den Außenumsatz der Gruppe um -18,0 Prozent  auf 1.008,2 Mio. Schweizer Franken (CHF, rd. 937,57 Mio. €, Vj. ) sowie den Nettoumsatzerlös um -18,8 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2020 auf 815,6 Mio. CHF (Vj. 1.004,8 CHF). Im Juni waren etwa 45 Prozent der Standorte kürzer geöffnet, nur noch 5 Prozent mussten geschlossen bleiben.

Retail und Tabak gleichen aus

Laut Valora verbuchte der Retailbereich im ersten Halbjahr 2020 einen Umsatzrückgang um -9,8 Prozent. Als stark in der Krise bewährte sich das Geschäft der Kategorien Tabak und Presse, die den Durschnittsbon pro Kunde steigern konnten. Der Anstieg des Tabakumsatzes auf gleicher Fläche machte den Rückgang in anderen Kategorien teilweise wett. Der Nettoumsatzerlös von Food Service war um -32,2 Prozent rückläufig mit dem absoluten Tiefpunkt im April (-73,0 %). Die Umsätze von Food Service Schweiz und Food Service Deutschland fielen in Lokalwährung um -39,3 beziehungsweise -37,3 Prozent. Der Umsatz von Food Service B2B sank in Lokalwährung um -20,4 Prozent.

Angesichts der Krise schickte die Gruppe bereits im April über die Hälfte ihrer Mitarbeitenden in Kurzarbeit und beanspruchte die finanzielle Unterstützung der Regierungen. Die budgetierten Betriebskosten sanken dadurch um nahezu 15 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lagen diese um 10,3 Prozent (42 Mio. CHF) niedriger. So sei es insgesamt gelungen, die vom krisenbedingten Umsatzrückgang getriebene Abnahme des Bruttogewinns um fast die Hälfte zu kompensieren.

Positves Ergebnis vor Abgaben

Aufgrund dieser Entwicklungen ergab sich für die Gruppe im ersten Halbjahr 2020 ein EBIT von -10,9 Mio. CHF (Vj: 42,8 Mio. CHF), wozu die Retail-Division 1,4 Mio. CHF beitrug. Somit lag das Konzernergebnis bei -15,9 Mio. CHF (Vj. 27,4 Mio. CHF). Seit April liegen beide Werte im Aufwärtstrend. Der Valora-EBITDA betrug im ersten Halbjahr 2020 21,7 Mio. CHF (Vj. 74,5 Mio. CHF) und war mit Ausnahme des Monats April in allen Monaten positiv.

Strategisch weiter investieren

Auch während des COVID-19-Lockdowns habe Valora die Kontinuität des Geschäfts sicherstellen können, betont Michael Mueller, CEO der Valora Gruppe: "Mit Blick in die Zukunft sind wir überzeugt, dass die Attraktivität des Außer-Haus-Konsums und die Aussichten für den Foodvenience-Markt hoch bleiben." Die Finanzierungsbasis der Gruppe sei im Frühjahr 2020 durch einen um 50 Mio. auf 150 Mio. CHF aufgestockten Syndikatskredit weiter gestärkt worden. So könne weiterhin strategische investiert werden. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden insgesamt 24,1 Mio. CHF investiert, in etwa 70 Prozent der Investitionen im Vergleichszeitraum 2019.

Erweitert wurden beispielsweise die B2B-Kapazitäten für die Laugenbackwaren-Produktion in Deutschland und den USA im ersten Quartal 2020. Damit entwickele die Geschäftseinheit ihre Produktpalette weiter, etabliere neue Absatzwege über E-Commerce und zeige eine stärkere Präsenz im Einzelhandel der DACH-Region.

Mehr avec Stores und E-Commerce

Valora testet die Avec Box in Wetzikon (Schweiz). Kunden können hier zu Stoßzeiten auch ohne App den Store betreten und an Self-Checkout-Kassen bezahlen.
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Valora testet die Avec Box in Wetzikon (Schweiz). Kunden können hier zu Stoßzeiten auch ohne App den Store betreten und an Self-Checkout-Kassen bezahlen.
Die Umwandlung von 262 Verkaufsstellen, die über die Ausschreibung der Schweizer Bahn (SBB) gesichert wurden, wird noch bis Ende 2021 dauern, da sie aufgrund der Pandemie zunächst ausgesetzt werden mussten. Entstehen sollen avec Convenience Stores und modernisierte k kiosk Verkaufsstellen mit mehr Food-Angebot. Weiter vorangetrieben wird die Entwicklung digitaler Convenience-Lösungen. Ende Februar eröffnete eine kassenlose avec box in Wetzikon. Die Vertragslaufzeit für die avec box an der ETH Zürich Hönggerberg wurde bis Herbst 2020 verlängert. Mitten im Lockdown führte Valora die Pilotversion ihres Online-Stores www.avecnow.ch mit taggleicher Lieferung ein sowie eine optimierte Version der Caffè Spettacolo Loyalty App zusammen mit einer neuen Web-Lösung für Kaffeevorbestellungen.

Weiterhin kostenbewusst priorisiert die Valora Gruppe Projekte, optimiert das Verkaufsstellen-Netzwerk und nutzt weiter Kurzarbeit. Hinzu kommen Mietanpassungen an neue wirtschaftliche Gegebenheiten je nach Kundenfrequenz pro Standort. Mit Blick auf die gerade an Verkehrsknotenpunkten stark gesunkene Gästefrequenz seien dort die Mieten zu hoch. Michael Müller: "Die Basis der Mietberechnung hat sich erheblich verändert, und die Mieten müssen entsprechend angepasst werden. Davon hängt ab, inwieweit wir unser Gesamtangebot für die mobile Gesellschaft garantieren können." Zu berücksichtigen seien vermehrtes Homeoffice mit weniger Mobilität, sprich Gästefrequenz als Folge. Darauf müsse man Antworten finden.

CEO Michael Mueller schließt: "Wir setzen unsere strategischen Prioritäten, die unser Foodvenience-Geschäft vorantreiben, weiter konsequent um, während wir gleichzeitig unsere Kostenbasis umsichtig senken." Langfristige Planung, Schutz der Mitarbeiter und Investitionen in Vertriebsnetz und Partnerschaften seien die Prioritäten. "Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam wieder zu alter Stärke zurückfinden werden", so Müller.


Über Valora
Das Schweizer Unternehmen ist in erster Linie an Verkehrsstandorten in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Luxemburg, Niederlande und Frankreich tätig. Neben Kiosk-Konzepten gehören die Foodservice-Marken Ditsch, Brezelkönig, Caffè Spettacolo und Backwerk zum Portfolio. Ebenso betreibt Valora eine der weltweit führenden Produktionen von Laugengebäck und profitiert im Bereich Backwaren von einer stark integrierten Wertschöpfungskette. Valora erzielt nach eigenen Angaben jährlich einen Außenumsatz von über 2,7 Mrd. Schweizer Franken. Der Hauptsitz der Gruppe befindet sich in Muttenz, Schweiz. In Deutschland betrug der Foodservice-Umsatz (netto) im Jahr 2019 geschätzt 265 Mio. Euro (+ 1 %) bei 495 Units (-19 vgl. Vj.) (Stand: 31.12.2019, Quelle: foodservice Top 100).


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