WWF-Studie

Jede fünfte Backware landet im Müll

Laut WWF werden im Jahr schätzungsweise 1,7 Millionen Tonnen Brot und Backwaren weggeschmissen.
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Laut WWF werden im Jahr schätzungsweise 1,7 Millionen Tonnen Brot und Backwaren weggeschmissen.

In Berlin stellte die Umweltorganisation WWF die Studie "Unser täglich Brot" zur Lebensmittelverschwendung in deutschen Bäckereien und Backshops vor. Sie fordert ein Umdenken bei Händlern und Verbrauchern, um die Überproduktion von Backwaren in den Griff zu bekommen.

Die Umweltstiftung prangert die Verschwendung von Brot und Backwaren an, von einer "massiven Überproduktion" ist gar die Rede. Die Organisation geht davon aus, dass jährlich in Deutschland etwa 1,7 Mio. Tonnen Brot und Backwaren verloren gehen. "Für diese Menge Verluste wurden umgerechnet 398.000 Hektar wertvolles Ackerland beansprucht und 2,46 Mio. Tonnen Treibhausgase ausgestoßen", schreibt der WWF auf seiner Homepage.

Laut einer Analyse der Stiftung liegt der Anteil der überschüssig produzierten Ware je Bäckerei zwischen 1,5 und 19 Prozent. Bei manchen Händlern wandere gar jede fünfte Backware in den Müll.  

"Massive Überproduktion"

"Zukünftig sollten und können wir es uns schlichtweg nicht mehr leisten, Ackerland in diesem Ausmaße zu beanspruchen, um das darauf angebaute Getreide als Brot, Croissants oder Törtchen in den Müll zu werfen", sagte WWF-Experte Jörg-Andreas Krüger in Berlin. "Massive Überproduktion" sei eine der Hauptursachen für die Verschwendung.

Das Problem der Analyse: es gibt keine validen Zahlen. Branchen-Kritiker fordern daher seit langem mehr Transparenz insbesondere von der Back-Industrie und vom Handel ein. Als eine der Ursachen für die Überproduktion bezeichnet WWF den Preisdruck bei Backwaren. Tankstellen und Discounter bieten Brötchen teilweise für wenige Cent an.

Verbraucher sind auch gefragt

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks erklärte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass sowohl Verbraucher als auch Bäckereien gefragt seien: "Auf der einen Seite müssen die Verbraucher verstehen, dass ein volles Sortiment zum Ladenschluss zur Überproduktion führt", teilte Vizepräsident Heribert Kamm mit. Andererseits müssten Verkäufer das vermitteln und Alternativen anbieten, wie etwa telefonische  Reservierungen auf Brote, die erst abends abgeholt werden.

"Ein weiterer Grund für die Entstehung von überschüssigem Brot und feinen Backwaren, wie zum Beispiel Törtchen, liegt auch in den Auflagen für Vertragsbäckereien, die in den Vorkassenzonen der Supermärkte und Discounter ihre Backshops unterhalten. In den Verträgen werden diese häufig verpflichtet, bis kurz vor Ladenschluss noch eine hohe Warenpräsenz zu zeigen", bemängelt der WWF.

Im Rahmen seiner Studie fand der WWF jedoch auch mehrere gelunge Best-Practice-Beispiele im deutschen Bäckerhandwerk. Diese hatten alle eine Sache gemeinsam: Über eine IT-Lösung erfassten sie ihre Verkaufs- und Retourezahlen und konnten so ihre Produktion besser anpassen.

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