Zero Waste Beachclub

(Fast) müllfrei on the Beach

Von außen ist im Karo Beach in Hamburg kein Unterschied zu einem normalen Club auszumachen.
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Von außen ist im Karo Beach in Hamburg kein Unterschied zu einem normalen Club auszumachen.

Strohhalme sind hier aus Glas, Snacks wie Nüsse und Rosinen kommen in Pfandgläsern, Essen wird bei den Gastronomen in der nebenliegenden Rindermarkthalle bestellt. Mehrwegflaschen sind Standard. Plastik findet man hier selbstredend nicht: In Hamburg hat Deutschlands erster „Zero Waste Beachclub“ seine ersten beiden Monaten im Betrieb hinter sich. Eine Bestandsaufnahme.

Gerade sind die Strohhalme aus Glas ausgegangen - Lieferschwierigkeiten. Man behilft sich einfach mit Macaroni weiter. Dominik Lorenzen ist damit nicht ganz zufrieden. Schließlich sind die hohlen Nudelstangen in einer Plastikverpackung eingeschweißt. Lorenzen ist aber auch kein Traumtänzer. „So wirklich 100 Prozent ohne Müll geht es irgendwie nicht“, sagt er. Aber es geht im "Karo Beach" mit sehr viel weniger als in normalen Locations. Der Mittvierziger ist Gesellschafter der Eventagentur teamgeist in Hamburg, bei der Firmen zum Zweck der Teambildung vom Bogenschießen bis zum Floßbau verschiedene Aktivitäten buchen können.

Doch hat der Mann  noch eine weitere Mission: Er gründete zwei Läden in der Hamburger Rindermarkthalle von „Stückgut – unverpackt“ mit. Lorenzen verdient sein Geld in erster Linie mit der Event-Agentur. Seine Leidenschaft aber gehört dem Thema Müllvermeidung. Und so kam man auf die Idee, Deutschlands ersten „Null-Abfall“ Beachclub vor diese Halle in St. Pauli zu stellen. 200 Tonnen feiner Bausand, ein paar gesponserte Liegestühle einer mexikanischen Biermarke und 40 gekaufte Palmen später weiß Lorenzen, dass es nicht ganz ohne Müll geht. „Die Kronkorken der Mehrwegflaschen und unsere Papierservietten müssen wir in den normalen Müll abführen“, sagt er. Zumindest die Servietten sind aber aus recyceltem Papier und werden auch wieder recycelt. Es fällt aber hier in diesem Beachclub messbar extrem viel weniger Müll als in herkömmlichen Clubs an.

Zero Waste Beachclub: Kaum Müll in diesem Hamburger Beachclub


Was Lorenzen allerdings wirklich ärgert sind die Müllberge, die einerseits die Besucher mit Mitgebrachtem und andererseits auch die Zulieferer verursachen. „So mussten wir wochenlang mit dem Getränkehändler verhandeln, damit die die zu uns gelieferten Getränkepaletten nicht mit Plastikfolie, sondern mit Gurten gesichert werden. Vielleicht nur ein kleiner Beitrag, den wir hier insgesamt leisten können. Aber ein Beitrag und ein Anfang“, sagt Lorenzen.

Hier spricht der Idealist aus seinem Mund. Aber der Mann ist ja auch Geschäftsmann. Der Mai war in Hamburg in diesem Jahr außerordentlich sonnig und brachte richtig hohen und so nicht erwarteten Umsatz. Die Start-Investition von rund 100.000 Euro kann sich dennoch bei weitem nicht rechnen in den Öffnungsmonaten von Mai bis September. Lorenzen, der Geschäftsmann,  weiß, was er tun muss – er wird Firmenevents forcieren.

Natürlich über die Kontakte seiner Agentur. Das läuft bereits sehr gut an. „Doch werden wir nie die gesamte Fläche an eine einzelne Firma für ein Event vermieten. Es muss immer auch Platz für Familien als Stadtteiltreffpunkt bleiben“, sagt er. Da spricht wieder der Idealist.

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