Zukunftskonferenz

„Bio-Gurke mit Kondom ist absurd“

Zukunftsforscher Dietmar Dahmen
Matthias Richter/ZNU
Zukunftsforscher Dietmar Dahmen

„Wie sieht ein nachhaltiges Menü 2030 aus? Diese Frage diskutierten kürzlich zwei Tage lang über 230 Vertreter aus Lebensmittelhandel und Gastronomie-Branche auf der 10. ZNU-Zukunftskonferenz in der Arena auf Schalke. Dazu eingeladen hatte das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Universität Witten/Herdecke. Für den niederländischen Kult-Koch und Food-Aktivisten Wam Kat ist die „Bio-Gurke mit Kondom“ Ausdruck dafür, wie wenig ganzheitlich derzeit noch Nachhaltigkeits-Themen angegangen werden.

Und er nannte ein weiteres Beispiel: Das Mindesthaltbarkeitsdatum. Es sei heute krank. Es werde immer kürzer, provozierte Wam Kat. Das Trinkwasser im Boden sei Millionen Jahre alt, dann werde es in Flaschen gefüllt und sei plötzlich nach 16 Monaten verdorben. Sein Appell: beim Einkauf ganzheitlicher zu denken. Essen sei Politik, jeder könne mit einer bewussten Wahl zu einer nachhaltigen Welt beitragen.

10. ZNU-Zukunftskonferenz: Nachhaltiges Wirtschaften im Außer-Haus-Markt


Superman als Vorbild

Um nachhaltige Themen im Unternehmen zu verankern, müssen alte Zöpfe radikal abgeschnitten werden. Geht nicht, gibt’s nicht, findet Zukunftsforscher Dietmar Dahmen, der auf sehr amüsante Weise die „Superhelden des Wandels“ präsentierte. „Wenn das Umfeld sich ändert, müssen Sie sich auch ändern“, betonte der Innovatinsexperte mehrmals. „Ein Jockey im Wasser benötige kein Pferd mehr, sondern einen Delphin, verstanden?“ Dabei sei klar: ein neues, nachhaltiges Produkt müsse „einfacher“ für den Kunden sein, einen Zusatznutzen liefern. Bio allein reiche nicht. „Das heißt mehr Arbeit für Sie und weniger für den Verbraucher“, sagte Dahmen. Sei Plädoyer: Seien Sie Superman, brechen Sie durch die Wand der „das geht nicht-Sager“.
„Wenn das Umfeld sich ändert, müssen Sie sich ändern“
Dietmar Dahmen, Innovationsexperte


Unternehmer-Ikone Paolo Barilla

Unter dem Leitsatz „Good for you – Good for the planet“ stellte Paolo Barilla die Agenda sein traditionsreiches Familienunternehmen Brilla vor. Schon jetzt sei einiges erreicht: So wurde der Wasserverbrauch um 21 und die CO2-Emissionen um 28 Prozent reduziert. Gleichzeitig hätte man sich stark auf die Weiterentwicklung der Nährwertprofile fokussiert. Seit 2010 wurden 360 Produkte überarbeitet, der Einsatz von gesättigten Fette um 8.950 Tonnen nach unten geschroben und Palmöl hätte man ganz aus allen Rezepturen eliminiert.

CO2-neutrales Bier?

Seitens der Bitburger Braugruppe stellte Jan Niewodniczanski klar, dass für ihn besonders wichtig ist, Mitarbeiter gezielt zu unterstützen und im Rahmen der Personalpolitik auf bestehende Herausforderungen, wie z. B. den demographischen Wandel, zu reagieren. Im Bereich des Klima- und Ressourcenschutzes geht Bitburger ebenfalls voran: „Mit dem Ansatz ZNU goes Zero wollen wir uns als gesamtes ZNU-Netzwerk und auch individuell als Bitburger Braugruppe mit „Bitburger goes Zero“ unserer Verantwortung für das Klima stellen und den Ansatz als zusätzlichen Innovationsmotor nutzen“, so der Familienunternehmer und ZNU-Beirat.

Ideen für Gastronomie

Wie man durch die Wand geht bzw. Nachhaltigkeit Stück für Stück im Unternehmen verankert, diskutierten Entscheider aus Profi- und Gemeinschaftsgastronomie im Workshop Außer-Haus-Essen. Im Fokus stand eine nachhaltige Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller. Impulsgeber waren unter anderem Diana Wicht (McDonald’s), Dieter Schmidt (Schalke Gastronomie) und Menlanie Prengel (Transgourmet). In World Café wurden schließlich konkrete Ideen entwickelt für die praktische Umsetzung. Insgesamt luden acht branchenspezifische Workshops zum Austausch ein.
Über das ZNU

Das ZNU – Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung arbeitet in Forschung, Lehre, Weiterbildung und Konferenzen daran, Nachhaltigkeit für Führungskräfte von heute und morgen greifbar zu machen und für die Chancen Nachhaltiger Unternehmensführung zu begeistern – driving sustainable change.

Nachhaltigkeit als Innovationsmotor

Die beiden Gründer und Leiter des ZNU, Dr. Axel Kölle und Dr. Christian Geßner zogen eine positive Bilanz der Konferenz und ermutigten die Teilnehmer mehr Verantwortung für drängende Nachhaltigkeitsthemen wie Klima, Gesundheit und Menschenrechte zu übernehmen. Dabei gelte es umzuschalten von der Defensive auf die Offensive, Nachhaltigkeit noch stärker als Innovationsmotor zu begreifen und gemeinsam an intelligenten Zukunftslösungen zu arbeiten.

www.uni-wh.de/znu



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