Zwischenruf

Gerät die Welt aus den Fugen?

Boris Tomic, Chefredakteur der dfv Hotel- und Gastromedien.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur der dfv Hotel- und Gastromedien.

Die Welt gerät aus den Fugen. Es hat gerade den Anschein. Das Ungleichgewicht zwischen Spaß, Erfolg und Vergnügen auf der einen und Restriktionen, Kosten und Verpflichtungen auf der anderen Seite scheint extrem auseinander zu driften. Denken wir. 

Die Bundesregierung will nun mit einem über Kredite finanzierten 200-Milliarden-Euro-Paket die hohen Energiekosten für die Verbraucher abfedern. Das kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz heute an. Die Finanzierung soll über den bestehenden Wirtschafts- und Stabilisierungsfonds (WSF) sichergestellt werden. Auf die bislang geplante Gasumlage will die Regierung verzichten und Unternehmen stattdessen direkt unterstützen.

Doch Details der Umsetzung ließ Scholz vermissen. Inflation, Personalmangel und Energiepreise drücken auf des Gastgebers Existenz. Wie geht es weiter in den kommenden Monaten? Wird alles noch viel schlimmer? 

Ich sage nein. Deutschlands Gastgeber haben schon ganz andere Krisen überstanden. Schon vergessen? Corona war megaschlimm. Und doch kenne ich nicht allzu wenige Gastronomen, die in diesem Sommer 2022 das beste Umsatzergebnis seit Jahren eingefahren haben. Geholfen hat Ihnen durch diese Zeit der Dürre, in sofern sie seriös waren und sauber ihre Steuern gezahlt haben, der Staat. Die Hilfen, finanziert durch die Restgemeinschaft, also uns alle, haben viele deutsche Unternehmen durch die Pandemie gebracht. Der Staat besteht im Kern aus zwei Teilen: uns, die ihn finanzieren mit Steuergeldern und den Politikern, die gewählt sind, und diese Gelder klug einsetzen.

Ausreichend großes Steueraufkommen

Gelder sind zurzeit auf jeden Fall vorhanden. Das Steueraufkommen in Deutschland ist gut und stabil. Im Jahr 2021 summiert sich diese Summe auf 830 Milliarden Euro, gut 90 Milliarden mehr als im Jahr 2020. Eine ganze Menge Geld. Davon haben wir also offensichtlich ausreichend… genügend, um auf die bereits begonnene nächste große Krise zu meistern. Eigentlich. Wenn da nicht die Ampel Regierung in Berlin wäre. Die Regierenden liefern zurzeit kein sehr glanzvolles Bild ab. Es wird gestritten und gezetert wie bei den Kesselflickern. Und das nicht nur hinter den Kulissen. In der Folge beginnt unsere Gesellschaft zu zittern und zu wanken. Angst kriecht in alle Fugen unseres sozialen Gefüges. Handlungsfähigkeit in Berlin sieht wirklich anders aus.

Einfache Lösung

Dabei wäre es relativ einfach. Wäre man sich denn einig. Ein Energiedeckel, ein Gaspreisstop müsste der erste Schritt sein. Ähnlich wie es unsere französischen Nachbarn ab Januar einführen und Großbritannien schon ab sofort auf zwei Jahre begrenzt. Doch in Berlin wird gestritten.

Das Irrwitzige dabei ist, dass sich alle Handelnden der demokratischen Parteien in Berlin eigentlich darüber einig sind, dass ein solcher Stopp sehr schnell bei uns auch eingeführt werden muss. Wirtschaftsminister Robert Habeck erkennt in Bezug auf den Zustand der deutschen Wirtschaft: "An manchen Stellen ist es ein Schwelbrand, an manchen Stellen brennt bereits die Hütte." Doch offenbar sind die Egos der Protagonisten in den politischen Führungsposition einfach zu groß. Auf der rationalen Ebene lässt sich sonst keine Erklärung für dieses irrationale Handeln und lächerliche Zögern finden.

Wir als Bürger dürfen schon erwarten, dass unsere Top-Politiker ihre eigenen Befindlichkeiten, die größtenteils auch parteigetrieben sind, zum Wohle aller ganz schnell hinten anstellen. Es ist unser gutes Recht, gute und nachhaltige Lösungen für die Krise von der Politik in Berlin einzufordern.

Es ist der Job der Politiker, dies zu tun. Dafür haben wir sie gewählt. Dafür vertrauen wir Ihnen die oben erwähnten hunderte von Milliarden Euro an Steuergeldern an. Nun ist es an der Zeit zu liefern. 

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