Zwischenruf

MPK-Beschlüsse - Flickenteppich wird weiter gewebt

Chefredakteur der Hotel- und Gastromedien der dfv Mediengruppe, Boris Tomic.
Salome Roessler
Chefredakteur der Hotel- und Gastromedien der dfv Mediengruppe, Boris Tomic.

Es ist zum Haare raufen. Keine Woche ist die MPK vorbei, und schon wächst der Flickenteppich in Bezug auf die Corona Maßnahmen in der Gastronomie in Deutschland ins Unermessliche.

Beschlossen wurde am vergangenen Donnerstag 2G in der Gastronomie - mit der Möglichkeit auf 2G plus zu erweitern. Am Freitag bereits preschten einige Bundesländer vor und verordneten 2G plus flächendeckend in der Gastronomie.

Am Freitagabend dann gab es Bundesländer, die das Plus durch den Booster ersetzten. Am Samstag wurde dann die Impfung bis zum sechsten Monat wie ein Booster deklariert. Zu Wochenbeginn wurde die Verwirrung weitergetrieben. Was soll das Durcheinander?

Führende Verbände und auch renommierte Initiativen von Gastronomen wie der Gastgeberkreis lehnen kategorisch die 2G plus Regel ab, da sie ihrer Meinung nach einem Lockdown gleichkommt. Dafür befürworten die allermeisten Gastronomen in Deutschland eine Impflicht. Der Appell an die Politik: Keep it simple - welcher Gast soll sich ansonsten in dem Tohuwabohu noch zurechtfinden?

Eines ist klar: Impfen ist eine gute Sache

 Der Ausnahme Journalist Hanns Joachim Friedrichs hat einmal gesagt, dass ein guter Journalist sich nicht mit der Sache gemein machen solle -  auch nicht mit einer guten.

Ich widerspreche klar und eindeutig. Natürlich ist es die Aufgabe von Journalisten, gute Dinge auch so darzustellen, dass sich noch mehr Menschen darüber Gedanken machen können, sich eventuell auch daran reiben, aber am Ende des Tages eben doch darüber nachdenken. Wenn man so möchte, ein journalistischer Akt wider die Gleichgültigkeit. Und für die Solidarität.

Solch eine gute Sache ist, und das ist nun wirklich von allen Wissenschaftlern weltweit belegt, die Impfung. Sie allein ist laut  heutiger Erkenntnisse der Schlüssel, mit dem wir die Corona Pandemie zumindest hinter der Tür einsperren und sie so bändigen können. Die Impfung bietet 90-prozentigen Schutz vor schwerer Erkrankung.

Es ist dreist und unverfroren, wie Impfskeptiker sich auf Kosten der restlichen Gesellschaft und der gesamten deutschen Wirtschaft in Szene setzen. Erst an diesem Wochenende gab es allein in Frankfurt neun verschiedene Demonstrationen von Impfgegnern.

Interaktive Karte: Corona-Auflagen fürs Gastgewerbe



Diese Menschen verschließen sich gegenüber jeglicher sachlicher Argumentation und beziehen ihre Informationen eben nicht von informierten Journalisten und renommierten Wissenschaftlern, sondern aus dem World Wide Web. Geschwurbel anstelle von Fakten. Als Nebeneffekt wurde am Samstag die komplette Frankfurter Innenstadt stundenlang lahm gelegt und das Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel und die Gastronomie kam am Tag vor dem zweiten Advent praktisch zu Stillstand. Solche Menschen kann man nur noch mit einer Impfpflicht zur Räson bringen.

Cleverer Nebeneffekt

Eine solche Verpflichtung hätte auch noch einen anderen positiven Effekt: Für Menschen, die sich seit Monaten in ihrer Internet Ideologie zwischen Corona Diktatur und Bill Gates Verschwörung verschwurbelt haben, wäre eine Pflicht zumindest eine gesichtswahrende Maßnahme. Im ersten Augenblick wäre das Gezeter über den Start natürlich noch größer als bisher, aber mittelfristig, so führende Psychologen, würde eine solche Impfpflicht mit der Möglichkeit auf Gesichtswahrung ganz sicher zur schnelleren Befriedung unserer Gesellschaft beitragen.

Eine gute Aktion zur weiteren Akzeptanz der Impfung wird momentan bundesweit von Unternehmen quer durch alle Handelssparten gefahren: die Firmenlogos sind kurzfristig zu Impfaufrufen umgewandelt worden. Auch die dfv Mediengruppe, in der das Fachmagazin foodservice erscheint, beteiligt sich daran. 

stats