Zwischenruf

Österreich hat Herz und zeigt Verstand für die Gastronomie

Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.

Österreich geht voran: Tourismus und die Wirtshauskultur seien Herzstücke der heimischen Wirtschaft, heißt es aus Regierungskreisen. Also sei es nur konsequent, dass man zusätzlich zu den bestehenden Hilfsfonds und Steuerstundungen ein besonderes Unterstützungspaket für die Gasthäuser etabliert. 400 Millionen Euro schwer wird dieses neue Hilfspaket sein.

Für die österreichischen Gasthäuser gibt es einen Plan ab kommenden Freitag. Dort kann wie in Deutschland unter strengen Auflagen wieder geöffnet werden. Von 6 Uhr morgens bis 23 Uhr abends. Die Verordnung, die die eingeschränkten Wiedereröffnungen ermöglicht, enthält wie bei uns in Deutschland bereits bekannte Regeln wie Mindestabstände sowie Maskenpflicht. Allerdings wird auch an die Eigenverantwortung von Wirten und Gästen appelliert. Also alles nicht anders als bei uns. Alles? Falsch!

Denn mal eben so 400 Mio. Euro als Soforthilfe obendrauf gibt es bei uns nicht für die Gastros. Kurzarbeit, Mehrwertsteuersenkung auf serviertes Essen und Hilfsfonds, die zurückbezahlt werden müssen. Das ist in Deutschland der Standard. Was fehlt?

Das, was die Österreicher erkannt haben: „Die Wirtinnen und Wirte und die Gastronomie sind durch die Corona-Krise unverschuldet mit schweren finanziellen Verlusten konfrontiert“, so der österreichische Vizekanzler Werner Kogler von den Grünen. Also wird schnell und unbürokratisch geholfen. Zusätzlich zum Fixkostenzuschuss, mit dem bis zu 75 Prozent der Fixkosten für drei Monate übernommen werden, schnürt die Regierung nun auch noch ein spezielles Gastro-Paket.

Mit diesem Mix aus Unterstützung und Entlastung soll der Neustart der Gastronomie bestmöglich gelingen, heißt es aus dem österreichischen Finanzministerium. „Die Gastronomie und Wirtshäuser sind vom Coronavirus besonders hart getroffen worden“, sagt auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). „Damit das Wirtshausleben, so wie wir es lieben und kennen, wieder zur Normalität zurückkehren kann, haben wir ein eigenes Unterstützungspaket geschnürt, welches mit verschiedenen finanziellen Entlastungen den Betrieben den Start in den kommenden Monaten erleichtert.“

Das Wirtshauspaket
Im sogenannten "Wirtshauspaket" geht es um Entlastung von rund 41.000 Betrieben in Österreich, die rund 145.000 Mitarbeiter haben. 

1. Die Umsatzsteuer für alkoholfreie Getränke wird von 20 auf 10 Prozent gesenkt, das ist der Mindestsatz. Für alkoholische Getränke ist eine Senkung aufgrund EU-Vorgaben nicht möglich.

Das alleine soll eine Entlastung von rund 200 Millionen Euro ergeben. Diese Maßnahme ist auf die zweite Jahreshälfte befristet - sie beginnt am 1. Juli. 

Die Entlastung gilt aber nur den Wirten selbst - die Preise für die Gäste sollen sie gleich lassen. 

2. Die Obergrenze für pauschalierte Betriebe wird von 255.000 auf 400.000 Euro gehoben, die Mobilitätspauschale für Dorfwirtshäuser von 2 auf 6 Prozent angehoben. Diese Maßnahme soll länger bestehen, damit die Unternehmen planen können. 

3. Die Schaumweinsteuer wird abgeschafft. Schaumweine sind seit 2014 in Österreich mit einem Euro pro Liter besteuert. Das bringt rund 25 Millionen Euro.

4. Die Einstellung von Aushilfskräften soll erleichtert werden - das sorge für Entbürokratisierung. 

5. Die Absetzbarkeit von Geschäftsessen wird von 50 auf 75 Prozent erhöht, ebenso die Steuerfreiheit für Essensgutscheine (von 4,40 auf 8 Euro).

Das wirkt: Ein Lokal mit rund 160.000 Euro Jahresumsatz zahlt derzeit Steuern von 6.260 Euro, künftig sind es mit den neuen Entlastungen nur noch 2.390 Euro

Jetzt gehe es darum, so hat die österreichische Regierung richtig erkannt, die Stimmung wieder zu drehen, damit endlich wieder eingekauft und ordentlich konsumiert wird. Wirtschaft hat viel mit Psychologie zu tun. Das Wirtshauspaket sei dafür ein Beitrag und auch eine Job-Offensive.

Wie richtig diese Aussage ist, zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage der in London ansässigen Intertek-Group unter 2.000 Verbrauchern: Nur 24 Prozent der Befragten äußern sich zuversichtlich, direkt nach Aufhebung der Beschränkungen eine Bar oder ein Restaurant zu besuchen, nur 27 Prozent würden zeitnah wieder in Hotels absteigen.



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