Zwischenruf

Schauen wir nach vorne - gemeinsam

Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.

Aus Gastgebern werden in diesen wilden Zeiten leider zunehmend Zahlenspezialisten. Nun also die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer. Und die Kurzarbeitergelderhöhung. Und die Arbeitslosengeld-Verlängerung...

Da raucht einem der Kopf: Muss ich 100 Prozent Kurzarbeitergeld für meine Kollegen in Küche und Service beantragen? Kann ich den dann gezahlten Betrag noch irgendwie aufstocken? Welche Alternativen gibt es, um die Mannschaft weiter zu beschäftigen – wie lassen sich Wege finden, das alles zu finanzieren? Wann muss ich Leute entlassen?


Solche und ähnliche Fragen drehen sich seit Wochen in den Köpfen von unternehmerisch denkenden Gastronomen. Und unter diese Beschreibung fallen in der Regel alle. Manche fühlen sich vor allem von ihren Hausbanken im Stich gelassen, manche haben es besser getroffen und können schon lange das Geld der Überbrückungskredite auf ihren Konten sehen. Das ist sicher erst einmal ein gutes Gefühl. Doch auch diese Kredite müssen zurückgezahlt werden.

Jeder im Restaurant-Business weiß: Ein verlorener Tag ist nicht aufzuholen. Einen Tisch kann ich nur einmal verkaufen. Was bei Schließungszeiten nicht in die Kasse reingekommen ist, das lässt sich nicht wieder aufholen. Das mag anders sein in der Autoindustrie – da kann man sicher noch mal schnell mehr Autos verkaufen, wenn die Krise vorbei ist. Das ist im Restaurant aber unmöglich. Der Platz, der zu Corona-Zeiten nicht besetzt war, wird nie wieder kompensiert.

Und das treibt viele gastronomische Unternehmer zu Recht um. Selbst wenn man aus dieser Krise mit einem blauen Auge herauskommt – wie geht es dann irgendwann weiter? Förderkredite werden irgendwann mit Zinsen fällig, gestundete Mietzahlungen ebenso wie Steuerstundungen.

Alle Maßnahmen, die der Gastronom jetzt proaktiv angehen kann, um zu überleben, fallen ihm vielleicht irgendwann zum Jahresende doppelt schwer auf die Füße. Hier müssen andere Lösungen her. Zinslose Kredite sind das Mindeste, was die Branche zum langfristigen Überleben braucht.

Noch besser als Stundungen und temporäre Mehrwertsteuersenkungen wären Fördersummen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Natürlich dürfen diese nicht im Gießkannenprinzip an jeden verteilt werden – eine gewisse Prüfung der Seriosität ist schon sinnvoll und auch notwendig bei der Vergabe. Schließlich werden hier Steuergelder vergeben.

Wenn die Gastronomie arg gebeutelt wieder anläuft, müssen unbedingt weitere Unterstützungen realisiert werden, damit dann das zarte Pflänzchen Konjunktur sprießen kann.

Sicher, viele Unternehmen rechnen mit empfindlichen Umsatzeinbußen. Die dfv Mediengruppe, in der Ihr Branchenmagazin foodservice erscheint, spürt die ökonomischen Folgen des Corona-Virus ebenfalls. Aber wir sehen auch Grund zur Zuversicht. Denn wir sind davon überzeugt, dass ein Virus, und sei es noch so tückisch, letztlich weder unser Geschäft noch unsere Freiheiten besiegen kann.

Und so werden wir in unserer Branche gestärkt und voller Tatendrang die Zeit nach Corona angehen. Schließlich werden sich die Bedürfnisse der Menschen nicht grundlegend ändern. Eine gesunde und preisgünstige Ernährung gehört garantiert dazu.

Sie möchten Aktuelles zum Thema "Coronavirus und die Gastro-Branche" lesen? Mehr fachlichen Input finden Sie in unserem "Coronavirus und die Gastro-Branche"-Dossier.


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