Zwischenruf

Vapiano droht Zerschlagung

Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.

Machen wir uns nichts vor - woher soll der Investor kommen, der Vapiano kauft? Abgeschrieben von den drei großen Anteilseignern dümpelt der "deutsche Italiener" spätestens seit Coronazeiten vor sich hin wie labbrige Pasta in zu dünner Tomatensoße. Die Marke ist tot.

 
Vapiano wird verschwinden. Die Ankündigung des Verkaufs der Marke mit einer Ad-hoc-Meldung an der Börse kann man getrost als die branchenübliche Prosa abtun, die in solchen Fällen immer vorgeschoben wird.

„Wir wollen einen offenen, transparenten und zeitlich straffen Verkaufsprozess durchführen. Angesichts der aktuellen Ausnahmesituation ist dies aus unserer Sicht die beste Lösung“, sagt die vorläufige Insolvenzverwalterin Ruth Rigol. Und weiter: Der Verkaufsprozess könne sich auf das gesamte weltweite Geschäft der Vapiano-Gruppe oder auch nur auf einzelne Restaurant-Portfolios und Vermögenswerte erstrecken. Bis Ende Mai soll ein Käufer gefunden sein.

Das ist illusorisch. Und das wissen die Beteiligten natürlich auch. Börsenprosa halt. Bei 50 Cent stand die ehemals stolze 23-Euro-Aktie zum Börsenschluss vor dem 1.-Mai-Feiertag. 50 Cent!

Es ist müßig, darüber zu sinnieren, ob es nun am Ende Investoren-, Investitions- oder operative Mängel im Vapiano-System waren, die den Pizzaofen erkalten ließen. Allein in Deutschland sind damit 2.500 Arbeitsplätze bedroht. Es wäre einfach mehr Ehrlichkeit angebracht.

Ein Lichtblick in all diesem börsenfabrizierten Tohuwabohu: Die Franchise-Restaurants werden nicht in den Verkaufsprozess einbezogen. Hier keimt Hoffnung. Da sich der Verkaufsprozess explizit auch auf "einzelne Restaurants-Portfolios" bezieht, werden die alten Franchise-Nehmer sich sehr genau anschauen, welche Restaurants aus der ehemaligen Eigenregie für sie weiter funktionieren.

Gute Standorte, gute Umsätze, lukrative Mietvereinbarungen - das gibt es gar nicht so selten unter den 55 deutschen Vapianos. Und natürlich werden die dann übernommen und weiterbetrieben.

Auch die Mitbewerber schlafen nicht. Das Portfolio wird auch von ihnen exakt angeschaut werden vor dem Hintergrund der Übernahme einzelner Restaurants. Und man hört auch bereits von größeren Multiplayern, die großen Heißhunger auf das ein oder andere Vapiano verspüren. Die restlichen Restaurants, und das wird sicher leider der größere Anteil sein, werden aber für immer dichtmachen.

Machen wir uns nichts vor - Vapiano wird gerade durchgewalkt und zerhakt wie ein Pizzateig. Die ehemals große und mächtige Lifestyle-Marke wird zerschlagen und zeitnah wohl für immer verschwinden. Mag sein, dass hier und dort noch die ein oder andere Filiale an dem verbrannten Namen festhalten mag. Doch flächendeckend ist Vapiano (leider) nur noch Gastrogeschichte.


stats