Top Eigenregie 2016

Ausgebremst!

Simon Zalto

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen waren in 2016 gut: Die Lage war gekennzeichnet durch ein solides Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Jahr hintereinander – trotz politischer Unsicherheiten – und war nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Jahresdurchschnitt 2016 um 1,9 % höher als im Vorjahr. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist historisch günstig mit knapp 43,5 Millionen Erwerbstätigen. Das ist der höchste Stand seit 1991. Die Zinsen blieben weiter niedrig, was die Kauflaune der Verbraucher stärkte.

Für die Betriebsgastronomie gilt: Ihr Stellenwert steigt weiter in den Unternehmen – auch als Mitarbeiterbindungsinstrument. Im Gleichklang gewinnt das Thema gesund weiter an Bedeutung. Gleichzeitig steigt auch das Anspruchsprofil  der Gäste. Sie fordern mehr Transparenz bei Lebensmittelherkunft und Zubereitung und bleiben sehr kritisch und qualitätsbewusst.
Wichtiges Merkmal in 2016: Die Digitalisierungswelle erfasst die Branche. Apps gehören zum Standardangebot einer modernen und professionellen Dienstleistung.

Außer-Haus-Markt.
Die Gastronomie verbuchte im vergangenen Jahr einen nominalen Umsatzanstieg von 2,4 Prozent (real 0,2 Prozent). Etwas besser mit nominal 2,8 Prozent (real 1,3 Prozent) schnitten die Caterer ab. Zum Vergleich: In der gv-praxis-Umfrage (05/2017) erzielen die Top 33 Contract Caterer in Deutschland ein Umsatzplus von 4,5 Prozent (Business: +4,8 %). Dagegen kommt die Eigenregie Top 10 auf -2,3 Prozent. Rechnen wir die deutlichen Umsatzeinbrüche von VW und BASF (-17,9 Mio. €) heraus, reicht es dennoch nur für ein Erlösplus von 1,2 Prozent.

Trotz halbwegs stabilen Beschaffungskosten auf dem Lebensmittelsektor und einer um 0,3 Punkte verbesserten Arbeitslosenquote (6,1 %), war und ist die Welt der  Betriebsgastronomen in Eigenregie nicht heil. 13 von 43 Unternehmen melden ein Erlösminus, fünf unveränderte Umsätze und 25 Namen sind einstellig im Plus, allerdings keiner über 2,3 Mio. Euro.


Situation.
Die positiven Konjunkturdaten lassen sich nicht 1 zu 1 auf alle Branchen übertragen. Die Faktoren für sinkende Gästezahlen sind so vielfältig wie der Branchen-Mix in diesem Ranking: Arbeitsplatzabbau (Linde), nach der Abgasaffäre folgte Kurzarbeit (Volkswagen), Strukturmaßnahmen (MAN Bus & Truck) oder Standortschließungen (PACE). Bei VW sank die Gästezahl binnen zwölf Monaten um 111.000, bei Siemens um fast 248.000. Spitzenreiter ist hier LZCatering mit dem Verlust von 300.0000 Gästen. Auch die vom Niedrigzins betroffenen Bausparkas-sen, Banken und Versicherungen gaben den Druck an die internen Dienste weiter. Heißt: engere Budgetvorgaben. Stefan Best, LBS Südwest: „Die Budgets wurden linear zwischen sieben
und zehn Prozent gekürzt.“ Konkret erwarten 42,5 Prozent unserer Gastronomie-Manager für das laufende Jahr eine schlechtere Kostensituation und 20 Prozent fallende Umsätze. So verwundert es nicht, wenn 27,5 Prozent (Vj. 21,6 %) der Befragten im laufenden Jahr mit schlechteren Gästezahlen als in 2016 rechnen.

Top Eigenregieunternehmen 2016

Quelle: gv-praxis 06/2017
Rg.UnternehmenUmsatz '16 in Mio. €HV in %Entwicklung in %
1DaimlerStuttgart106 149,10,0
2VolkswagenWolfsburg99,840,2-8,4
3BMWMünchen62,861,33,8
4Siemens 2Berlin61,061,81,3
5AudiIngolstadt54,531,21,1



stats