28. IMF der Gemeinschaftsgastronomie

Claus Hipp über Unternehmergeist und Werte

Claus Hipp im Gespräch mit gv-praxis-Redakteurin Claudia Zilz.
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Claus Hipp im Gespräch mit gv-praxis-Redakteurin Claudia Zilz.

Eine werteorientierte Unternehmensführung wird immer wichtiger. Davon ist Prof. Dr. Claus Hipp überzeugt. Als Unternehmer bereits heute Legende, erläuterte er im Gespräch mit gv-praxis-Redakteurin Claudia Zilz seine persönliche Motivation als Unternehmer und seine Vorreiterrolle als Hersteller nachhaltig produzierter Babynahrung. Er war Ende Juni zu Gast in Wiesbaden beim 28. Internationalen Management Forum für Gemeinschaftsgastronomie & Catering (IMF).

 
Früh war Prof Dr. Claus Hipp mit der Leitung der familiären Landwirtschaft betraut, die er bereits vor über 60 Jahren auf Bio-Anbau umstellte. Im Alter von 29 Jahren übernahm er die väterliche Firma, die heute weltweit über 3.500 Mitarbeiter beschäftigt und jährlich 950 Mio. Euro umsetzt. Er ist Professor der Staatlichen Kunstakademie sowie der Staatlichen Universität für Betriebswirtschaft in Tbilisi, Georgien.
„Geborgenheit, Wohlempfinden muss Essen auslösen. Es muss schmecken aber auch funktional sein.“
Prof. Dr. Claus Hipp, Unternehmer

Praktisch und kreativ handeln

Schwere Zeiten und eine praktisch-kreative Ader führten zur Gründung eines der wichtigsten Unternehmen in Deutschland. Weil die Großmutter ihre Zwillinge nur schwer stillen konnte und dem Großvater das Zwiebackmehl, das es gab, zu teuer war, stellte er kurzerhand selbst die Nahrung für seine Kinder her. Das bewährte sich so schnell, dass schon bald auch die Nachbarschaft mit versorgt wurde. Aus eigenem Bedarf war aus dem "Lebzelter", der Honig verarbeitete, der industrielle Produzent von Babynahrung geworden.

Verantwortung persönlich und ernst nehmen

Essen muss Wohlempfinden auslösen, aber auch funktional sein. Die Zutaten müssen einwandfrei sein, nicht belasten und vor allem: schmecken. Deshalb legt der "Herr der Gläser", wie ihn die Medien gern titulieren, größten Wert auf Kontrolle und darauf, Verantwortung zu übernehmen. Schon als Schüler hat er sich für die biologische Landwirtschaft begeistert. Heute freut er sich über die genauen Methoden, Rückstände und Inhalte in Nahrung zu bestimmen. In eigenen Labors werden alle Zutaten strengstens geprüft, um schon vor dem Verarbeiten Verunreinigungen ausschließen zu können. Die Rolle der Medien sieht er dabei durchaus kritisch: "Heute können wir ein Salzkorn in einem 50-Meter-Schwimmbecken nachweisen. Wenn kein Salz drin sein darf, bedeutet das eine 100-prozentige Überschreitung. Daraus kann man schnell einen Skandal schreiben."

Wer liebt Hipp-Gläschen?

Selbst in Zeiten der Food-Posts in den sozialen Medien gibt es auch erwachsene Menschen, die Babynahrung lieben oder aus gesundheitlichen Gründen essen. "Junge Mädchen und Frauen lieben unsere Gläschennahrung. Aber auch Sportler schätzen zum Beispiel, dass die Rezepturen bei der Verdauung nicht zu viel Energie verbrauchen", weiß Claus Hipp. Dennoch hat sein Unternehmen nie andere Zielgruppen als die Eltern von Babys zu erreichen versucht. "Auf keinen Fall wollen wir zum Beispiel einen immer wieder zu beobachtenden Schlankheitswahn fördern. Wir haben eine Kernzielgruppe, die wir immer an aller erster Stelle im Blick haben."

Alle Möglichkeiten offen

Nie habe sein Vater ihn gedrängt, das Familienunternehmen zu führen. "Ich durfte studieren, was ich wollte. Nur sollte es nicht länger als vier Jahre dauern." Dabei habe ihm sein Jura-Studium vor allem eines mitgegeben: Sachverhalte schnell erfassen und Entscheidungen treffen. "Ansonsten lag das Thema aber nicht in meiner Natur." Und da auch die musischen Talente wie Malen und Musizieren keine vernünftigen finanziellen Grundlagen bieten konnten, war es eine schöne und verantwortungsvolle Aufgabe ein Familienunternehmen zu führen und dafür zu sorgen, dass Babys gesund und vernünftig ernährt wurden. "Mir ist wichtig, auf anständige Weise langfristig Erfolg zu haben. Alles Unanständige und Kurzfristige, dazu muss man Nein sagen", ist sein Credo, das er nicht zuletzt als bekennender Katholik stets vertreten hat. "Im Grunde regeln die 10 Gebote alles, was es an zwischenmenschlichen Problemen zu regeln gibt. Manchmal bedarf es einer intensiveren Interpretation", meint er. "Aber, je einfacher wir die Dinge ansprechen, desto allumfassender sind sie."

28. IMF in Wiesbaden: Die Trendtage der GV-Branche


Aus Überzeugung konsequent

Qualität hat ihren Preis. Als die Firma Hipp auf Bio-Produktion umstellte, mussten auch die Preise angehoben werden. Bis auf eine große Drogeriekette, gingen damals alle Kunden mit. Dem Erpressungsversuch, Hipp-Produkte aus dem Sortiment zu nehmen, hat der Vordenker nicht nachgegeben und lieber auf 20 Prozent Umsatz verzichtet. Mit Erfolg: Zwei Jahre später und um einige Stammkundinnen ärmer stimmte der Drogeriechef dann doch den Hipp-Preisen zu. Hipp existiert im Gegensatz zu seinem damaligen "Kontrahenten" noch immer. Und: "Es läuft ja eigentlich ganz gut", stellt Hipp mit einem Schmunzeln fest.

Ethik-Charta wird seit 1999 gelebt

Für den inneren Zusammenhalt des Familienunternehmens hält Hipp ethisches Handeln und gemeinsame Vereinbarungen für sehr wichtig. Seit 1999 ist eine Ethik-Charta verabschiedet, die jeder im Unternehmen kennt und achtet. Neue Mitarbeiter werden weniger nach gesetzgeberischen Prinzipien ausgewählt, sondern: "Wir wählen die aus, die wir brauchen können. Wichtig, ist, dass die Leute möglichst viel von sich erzählen. Wir dürfen sie ja nichts fragen." Entgegen dem Bild, das er in den Medien wahrnehme, sehe er noch viel gutes, ehrbares Unternehmertum. Tugenden wie Fleiß, Disziplin und Bescheidenheit hält er aber für wesentlich. "Wenn jeder immer der Größte sein will, entsteht nur Gerangel und Streit", ist er überzeugt.

Auch die eigene Mitarbeitergastronomie folgt den Prinzipien des Unternehmens. Die Produktpalette ist mittlerweile fast vollständig bio. Aber vor allem müssten die Menschen gerne zum Essen kommen. Er selbst setze sich immer wieder mal bei den Lehrlingen, mal bei Mitarbeitern aus der Produktion dazu und nehme wahr, dass man sich wohl fühle. "Es muss einfach sehr gut sein bei uns." Ein Statement. Gefragt nach seinem nächsten Ziel, kommt die Antwort prompt: "Der nächste Tag. Ich versuche, die Dinge immer besser zu machen, als ich sie in der Vergangenheit gemacht habe."

Kurz gefragt
  • Mit 18 wollte ich Schauspieler werden, habe dann aber doch was Genaues gemacht.
  • Von meinen Kindern habe ich gelernt zu lernen und zuzuhören.
  • Ich ärgere mich über Menschen, die Zeit stehlen mit langen Reden mit wenig Inhalt.
  • Entspannen tue ich, wenn ich schlafe in der Nacht.
  • Auf meinem Bauernhof habe ich am liebsten meine Enkelkinder um mich, die Freude an Tieren haben.


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