Coronakrise / Experten-Interview (III)

"Weltuntergang ganz real"

Hofft, dass die Corona-Pandemie die Gesellschaft zur Vernunft bringt: Gastrosoph Harald Lemke.
Michael Zapf
Hofft, dass die Corona-Pandemie die Gesellschaft zur Vernunft bringt: Gastrosoph Harald Lemke.

Leere Supermarktregale? Keine sichere Lebensmittelversorgung? Gastrosoph und Kulturwissenschaftler Harald Lemke im gv-praxis-Interview über die Lehren des Ausnahmezustandes und wie uns die Coronakrise zur Vernunft bringt.

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Was ist Ihrer Meinung nach anders als beim Bedrohungsszenario der Finanzkrise 2009 oder der allmählichen Klimakrise?

Harald Lemke: Die Auswirkungen der Coronakrise bekommt jeder von uns hautnah zu spüren. Die lebensbedrohliche Ausbreitung dieses Virus führt der Welt drastisch vor Augen, wie krisenanfällig unser von globalen Warenströmen abhängiges Versorgungssystem ist. Was passiert, wenn die Supermarktregale morgen nicht nachgefüllt werden? Schneller als das Virus würden sich die panischen Hamsterkäufe ausbreiten. Und dann? Wer bringt die noch vorhandene Ernte ein, wer sticht den frischen Spargel, wenn es nicht wie üblich ausländische Saisonarbeiter tun? Wie sicher ist das Einkommen, die Lebenslage all der selbstständigen Gastronomen, Köche, Restaurantbetreiber, Imbissbudenbesitzer, die wegen der Coronakrise jetzt keine Kundschaft haben?

Haben die verantwortlichen Politiker die Dimension begriffen?
Wer, wie die CDU-Politikerin Klöckner, glauben macht, die Lebensmittelversorgung in Deutschland (oder anderswo) sei sicher, nimmt mit dieser verantwortungslosen Behauptung die Notlage nicht so ernst, wie es die Kanzlerin zu Recht von allen fordert. Denn die von dem neuartigen Grippevirus ausgehende Gefahr ernstzunehmen, heißt, zu begreifen, dass sich unser einstweilen abgesichertes Leben innerhalb kürzester Zeit – in nur wenigen Wochen oder sogar nur Tagen – in einen kriegsähnlichen Ausnahmenotstand verwandeln kann. 

SARS-CoV 2 zwingt uns, wieder wie in Notzeiten mit dem Zusammenbruch eines bislang sicheren Ernährungssystems rechnen zu müssen. Selbst wenn es in diesem Fall noch einmal gut gegangen sein sollte: Durch den potenziellen Ausbruch einer noch aggressiveren Virusvariante könnte schon morgen unsere Versorgung aus dem Supermarkt zu Ende sein.

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