D. Baumgartner zur Bonpflicht

"Bestraft die schwarzen Schafe"

David Baumgartner, Dean & David.
Dean & David
David Baumgartner, Dean & David.

Seit Jahresbeginn gilt die Belegausgabepflicht, nach der auch für Kleinstbeträge ein Kassenbon ausgestellt werden muss. Von einzelnen Gastronomen und Bäckereien kommt Protest wegen des zusätzlichen Aufwands und entstehenden Abfalls. Dean & David-Gründer David Baumgartner dagegen empfindet die Vorschriften als sehr gut – und längst überfällig.

"Es wird Zeit, dass die Politik endlich dafür sorgt, dass Chancengleichheit in der Gastronomie herrscht und die Ehrlichen nicht die Dummen sind", sagte Baumgartner gegenüber FOOD SERVICE. Bei Dean & David handhabe man die Praxis seit Jahren wie jetzt vorgeschrieben. Jeder Gast bekomme laut Baumgartner ungefragt seine Kassenrechnung, "so wie in allen anderen Branchen auch". Ab Ende des ersten Quartals bietet Dean & David zudem eine papierlose Lösung per E-Bon. Dazu scannt der Kunde mit seinem Smartphone einen QR-Code auf dem Kundendisplay. So wird die Rechnung übermittelt – völlig ohne Papier. 
Laut Baumgartner gab es keinen Bedarf für Personalschulungen oder entsprechende Mehrkosten. Alle Dean & David-Filialen sind bereits auf die Anforderungen der neuen Kassensicherungsverordnung umgestellt, die Investitionskosten beziffert Baumgartner auf weniger als 500 Euro pro Kasse. Über den Kassenhändler habe man sogar bereits die ersten zertifizierten Swissbit TSE-Module bekommen. Auf diesem Weg würden alle bei Dean & David eingesetzten Kassen nun nach und nach innerhalb der gesetzlichen Frist umgerüstet.

Über Dean & David
Dean & David wurde 2007 nach einer Weltreise von David Baumgartner gegründet. Der erste Store eröffnete in der Münchner Universität. Zentraler Punkt des Konzepts ist die Frische der Zutaten sowie Abwesenheit von Farb- und Konservierungsstoffen. Zum Speiseangebot gehören frische Salate, heiße Asia Currys, Bowls mit Quinoa und Superfoods, gegrillte Sandwiches und Wraps sowie frisch gepresste Smoothies. Stand Mitte Oktober 2019 gibt es in Deutschland rund 100 Units der Kette, dazu kommen Standorte in Luxemburg, Schweiz, Österreich und Quatar – weitere Expansion geplant. Im Jahr 2018 betrug der Nettoumsatz in Deutschland laut foodservice-Top-100-Ranking 69,0 Mio. Euro.

Vorschriften klar durchsetzen

Die Maßnahmen und Vorschriften sind das eine, allerdings bedürfe es nun auch einer sorgfältigen Überprüfung durch Zoll und Finanzamt. "Nicht so mangelhaft wie beim Mindestlohn, der in Teilen nach wie vor umgangen wird", ergänzt er.

An die Politik hat er eine klare Forderung: "Sorgt endlich dafür, dass diese Branche professionell arbeitet und bestraft die schwarzen Schafe mit aller Härte des Gesetzes." Ehrliche Betreiber litten unter denjenigen, die die Steuern umgingen, gleich auf mehreren Ebenen, erläutert Baumgartner. Zum einen verliere man häufiger Personal, dass anderswo "mehr auf die Hand" bekäme – trotz eigener, inklusive Abgaben höherer Gesamtkosten.

Gäste könnten laut Baumgartner teilweise nicht verstehen, "warum bei uns das Mittagsmenü keine 5€ kostet – was nur machbar ist, wenn man Teile des Umsatzes nicht boniert". Zudem prüften Steuerprüfer "grundsätzlich mit massiven Vorurteilen"  und suchten "die Nadel im Heuhaufen". "Nur, weil sie sich nicht vorstellen können, dass wir nicht betrügen", erklärt sich Baumgartner dieses Verhalten.
Über die Belegausgabepflicht
Seit 1. Januar 2020 gilt die Kassensicherungsverordnung. Sie beinhaltet auch die Belegausgabepflicht. Gastronomen, Bäcker und Einzelhändler sind verpflichtet, bei jedem Kunden einen Kassenzettel auszudrucken. Der Kunde muss den Bon allerdings nicht mitnehmen. Ausnahmen zur Belegausgabepflicht gibt es u.a. für Wochenmärkte. Für die Gastronomie gibt es speziell keine Ausnahmen. Es kann jedoch eine Ausnahmeregelung beim zuständigen Finanzamt beantragt werden. Diese gilt beispielsweise bei Notfällen wie Stromausfällen oder technischen Problemen.




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