Drei Fragen an Andreas Steinle

Woher kommt die Zunahme der No-Show-Quoten?

Andreas Steinle ist seit rund 20 Jahren in der Trend- und Zukunftsforschung tätig. 2014 gründete er die Zukunftsinstitut Workshop GmbH, Schwester gesellschaft des Zukunftsinstituts in Frankfurt. Ziel seiner Analysen und Forschung: die praktische Umsetzung von Trends in Business- Innovationen. Zu Steinles zahlreichen Themenfeldern zählen auch Foodtrends & Gastronomie.
© Zukunftsinstitut Workshop GmbH
Andreas Steinle ist seit rund 20 Jahren in der Trend- und Zukunftsforschung tätig. 2014 gründete er die Zukunftsinstitut Workshop GmbH, Schwester gesellschaft des Zukunftsinstituts in Frankfurt. Ziel seiner Analysen und Forschung: die praktische Umsetzung von Trends in Business- Innovationen. Zu Steinles zahlreichen Themenfeldern zählen auch Foodtrends & Gastronomie.

Andreas Steinle  ist seit rund 20 Jahren in der Trend- und Zukunftsforschung tätig. Ziel seiner Analysen und Forschung: die praktische Umsetzung von Trends in Business- Innovationen. Zu Steinles zahlreichen  Themenfeldern zählen auch Foodtrends & Gastronomie. Im Interview spricht er über die Verbindlichkeit von Reservierungen.

Dieser Text erschien zunächst in der Juni-Ausgabe der foodservice als Teil des Titelthemas zu No-Shows.

foodservice: Die No-Show-Quote in der Gastronomie ist in jüngster Zeit signifikant gestiegen. Ist eine Vereinbarung in diesen Tagen nichts mehr wert?
Andreas Steinle: Wir leben heute in einer Multioptionsgesellschaft, in der etliche Freizeitangebote miteinander konkurrieren. Um sich alle Gelegenheiten offenzuhalten, optionieren viele erst einmal einen Termin – ohne genau zu wissen, ob sie diesen überhaupt wahrnehmen werden. Denn wenn sich eine attraktivere Option ergibt, wird diese gewählt. Das gilt auch für den Restaurantbesuch. Moderne Kommunikationskanäle wie Whatsapp oder SMS verstärken diese Unverbindlichkeit. Verabredungen werden zunächst lose vereinbart. Details lassen sich schließlich später noch klären oder eben auch kurzfristige Absagen versenden. Durch das Ausbleiben direkten, persönlichen Kontakts wird dieses Verhalten erleichtert. Die Reservierung über ein Online-Tool verstärkt die Unverbindlichkeit noch einmal mehr, da die Kommunikation nicht mit einem Menschen, sondern mit einem System stattfindet. Anders bei der telefonischen Reservierung, wo der Gast häufig nach seiner Handynummer gefragt wird und damit die Komfortzone aus Anonymität und Unerreichbarkeit verlässt.

In Großbritannien und den USA erheben bereits viele Betreiber von gehobener Gastronomie No-Show-Gebühren. In Deutschland folgen einige Gastronomen diesem Beispiel. Müssen die Gäste zu Verbindlichkeit erzogen werden?
Das Erheben einer Gebühr im Falle des No-Shows ist eine drastische, aber effektive Erziehungsmethode. Sie wird sich auch in Deutschland durchsetzen – zumindest bei Top-Restaurants, die sich großer Nachfrage erfreuen. Die Pizzeria von nebenan wird sich schwer damit tun, da sie dadurch ihre Gäste vergrault. Von daher ist es wichtig, ein Bewusstsein beim Gast zu schaffen, dass No-Shows die Existenz eines Restaurants gefährden. In Großbritannien wurde zu diesem Zweck von einem Gastronomen die #StopNoShow-Kampagne auf Twitter gestartet.



Oft trifft es gerade äußerst beliebte Lokalitäten, in denen es schwer ist, einen Tisch zu ergattern. Warum wird gerade etwas, was schwer zu bekommen ist, letztlich nicht wertgeschätzt?
Auf das, was schwer zu bekommen ist, halten wir uns am allerliebsten eine Option offen. Es ist also nicht mangelnde Wertschätzung, sondern die besondere Anziehungskraft. Auch hier kann den Menschen schnell etwas Anderes dazwischenkommen.

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