Interview Michael Käfer

"Ich war früher kompromissbereiter"

Michael Käfer feierte im Februar seinen 60. Geburtstag.
Käfer
Michael Käfer feierte im Februar seinen 60. Geburtstag.

1995 übernahm Michael Käfer die Anteile seines Vaters Gerd und ist seither geschäftsführender Gesellschafter des Feinkost-Unternehmens, das heute mit Event-Catering samt Messegeschäft, Gastronomie und Wiesn-Zelt, Delikatessenhandel und Lizenzen einen Jahresumsatz von 140 Mio. € erwirtschaftet. Jetzt ist er 60 Jahre alt geworden. Rück- und Ausblicke aus gegebenem Anlass.





Mitte der 90er wurden Sie endgültig Schirmherr über das Imperium Ihres Vaters. Wie hat sich das angefühlt?

Als ich 1995 als Gesellschafter eingestiegen bin, habe ich die Anteile von meinem Vater und meinem Onkel mehr oder weniger wie von Fremden gekauft. Das war für mich eine wirtschaftlich nicht sehr einfache Zeit. Auch die Diskussionen insbesondere mit meinem Vater, die der Generationswechsel mit sich brachte, waren manchmal sehr schwierig. Wobei ich ihn heute in vielen Dingen verstehe.

Wie hat sich Ihr unternehmerisches Denken und Handeln seither verändert?

Ich war früher kompromissbereiter. Heute bin ich noch klarer sowohl in meinen Anforderungen an die Mitarbeiter und Partner als auch an mich selbst. Ich treffe Entscheidungen ohne viel ‘Wenn und Aber‘.

Sind Sie Ihrem Vater mit den Jahren ähnlicher geworden?

Ganz klar: ja! Mein Vater war ein extremer Perfektionist und ich habe den Perfektionismus noch weiter gesteigert. Dieser Qualitätsgedanke, den ich mit meinem Vater und Onkel teile, ist die Wurzel unseres Unternehmens. Wir sind trotz aller technischen Innovation und Expansion Handwerker und müssen unser Handwerk perfekt beherrschen!

Wo holen Sie sich die Inspiration?

Aus der Modebranche und Inneneinrichtung, klar, da passiert vieles sehr viel früher als bei uns. Aber Inspiration holt man sich natürlich auch einfach indem man sich umschaut, unterwegs ist, Ideen aufgreift und sie weiterentwickelt. Genauso liefert die Vergangenheit immer wieder Inspiration: In der Käfer-Schänke wollen wir zum Beispiel noch mehr zu dem Thema ‘am Gast arbeiten’ zurückkommen. Fleisch am Tisch tranchieren, Tartar vor den Gästen zubereiten, Krebs flambieren. Aber in einer ganz neuen, modernen Form: extremes Wissen kombiniert mit einer unglaublichen Lässigkeit und Perfektion. Ein paar Show-Elemente. Alles so, dass man einfach nur noch staunt.

Seit der Übernahme haben Sie die Geschäfte unter der Dachmarke Käfer in viele Richtungen vorangebracht. Was war der Gedanke hinter der Diversifizierung?

Die einzige Vision, die ich je hatte und habe ist, dass die Firma sich weiterentwickelt. Die neuen Geschäftsfelder waren mehr oder weniger Selbstläufer, die sich – wie Ende der 90er bei der Messe München – aus Anfragen ergaben. Die Idee mit den Delikatess-Märkten entstand, als ich in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit entschied, unser eigenes Hochregallager in Parsdorf aufzulösen. Der Ausverkauf war derart erfolgreich, dass daraus die Delikatessen-Abholmärkte entstanden.

Apropos Erfolg. Was ist besonders einträglich und finanziell das Rückgrat des Unternehmens?

Unser Umsatz lag 2017 bei etwa 140 Mio. €. Im Eventbereich werden wir bei 55-60 Mio. € rauskommen, im Handel um die 50 Mio. €, der Rest ist Gastronomie. Jeder Geschäftszweig steht also ungefähr für ein Drittel, was auch unserer Zielsetzung entspricht.

Man hört, Sie wollen in Japan einen deutschen Coffee Shop eröffnen ...

Wir arbeiten seit vielen Jahren mit dem japanischen Kaufhauskonzern Mitsukoshi zusammen und haben dort insgesamt 16 Läden. Mit ‘Käfer’s German Coffee Shop’ wollen wir dem Thema Kaffeebar eine moderne deutsche Verpackung geben: Kaffee, Kipferl, Wiener Würstchen  etc. in modern rustikalem Ambiente. Wir haben schon erste Gespräche geführt, aber bislang gibt es noch nichts Konkretes.

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