J. Rauschenberger zur Bonpflicht

"Eher Hilfe als schikanöse Auflage"

Jörg Rauschenberger, Geschäftsführer der gleichnamigen Gastronomie Gruppe.
Markus Roman
Jörg Rauschenberger, Geschäftsführer der gleichnamigen Gastronomie Gruppe.

Seit 1. Januar gilt die Belegausgabepflicht. Auch für Kleinstbeträge muss Gästen ein Kassenbon ausgestellt werden. Von einzelnen Gastronomen und Bäckereien kommt Protest wegen des zusätzlichen Aufwands und entstehenden Abfalls. Der Stuttgarter Gastronom Jörg Rauschenberger versteht die Aufregung nicht.

Rauschenberger räumt ein, dass es bei Bäckern anders sein könne. Aber: "In einem gut geführten Restaurant ist ein gedruckter Beleg schon lange gang und gäbe", so Rauschenberger gegenüber FOOD SERVICE. Ohne Guest-Check-in würde ein Gast nichts bezahlen, er wolle schlicht die Rechnung sehen.

Anders sehe es laut Rauschenberger etwa in einem Bistro oder an einer Bar aus, wo eher Einzelartikel bestellt werden und der Gast in der Regel auf Belege verzichtet. "Ich bin aber wirklich daran interessiert, dass alles, was geliefert wird, auch im Kassenbericht erscheint", so Rauschenberger weiter. Ohne einen erstellten Bon bestehe zudem die Gefahr, dass der Betrag netto vom Service-Personal einbehalten werde.

Über die Rauschenberger Gastronomie Gruppe
Die Rauschenberger Catering & Restaurants GmbH & Co. KG mit Sitz in Fellbach betreibt neben der Catering-Sparte mehrere Restaurants im Stuttgarter Raum. Im Kunstmuseum Stuttgart steht Rauschenberger hinter dem Restaurant Cube und der O.T. Bar. Ebenso zur Gruppe gehören das Pier 51 und das Goldberg. Dazu kommen temporäre Konzepte wie das Pop-Up-Event Supper Club oder Auftritte auf großen Festen der Region wie dem Stuttgarter Weindorf (mit Rauschenbergers Weinlaube) und dem Fellbacher Herbst. Der Foodservice-Umsatz der Gruppe lag 2018 laut foodservice Top 100-Ranking bei 30,1 Mio. Euro.

Vergleich mit der Schweiz

"Insofern ist die Bonpflicht für seriöse Gastronomen eher eine Hilfe als eine schikanöse Auflage", konstatiert Rauschenberger. Er verweist auf die Praxis in der Schweiz, wo so ein Vorgehen schon seit Jahrzehnten gelebte Praxis sei. Das habe viel zur Seriosität der Schweizer Gastronomie beigetragen, "die absolut nicht im Ruf steht, permanent am Finanzamt vorbei zu arbeiten".

Aus diesem Grund beurteilt Rauschenberger auch zu tätigende Investitionen für seriöse Gastronomen eher positiv. Durch eine rigide Kontrolle – "mit tätiger Mithilfe des Gastes" – könnten die sogenannten Schankverluste minimiert werden. "Wir werden daher die Aushändigung des Bons in allen unseren Verkaufsstellen mit elektronischer Kasse genau überwachen", erklärt Rauschenberger.

Über die Belegausgabepflicht
Seit 1. Januar 2020 gilt die Kassensicherungsverordnung. Sie beinhaltet auch die Belegausgabepflicht. Gastronomen, Bäcker und Einzelhändler sind verpflichtet, bei jedem Kunden einen Kassenzettel auszudrucken. Der Kunde muss den Bon allerdings nicht mitnehmen. Ausnahmen zur Belegausgabepflicht gibt es u.a. für Wochenmärkte. Für die Gastronomie gibt es speziell keine Ausnahmen. Es kann jedoch eine Ausnahmeregelung beim zuständigen Finanzamt beantragt werden. Diese gilt beispielsweise bei Notfällen wie Stromausfällen oder technischen Problemen.


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