Köln | Messegastronomie

Legende Herta Reiss gestorben

Herta Reiss.
imago images / Sommer
Herta Reiss.

Herta Reiss ist im Alter von 85 Jahren gestorben, am 12. September findet im Kristallsaal in Köln die Trauerfeier statt. Sie war eine große Unternehmerin und eine eindrucksvolle Persönlichkeit. Ihr geschäftliches Credo über vier Jahrzehnte bis 2002 lautete „Masse und trotzdem Klasse!“. Herta Reiss wurde als erste Frau Kölns 1988 in die IHK-Vollversammlung gewählt.

In der Sache und erst recht für ihre Generation war die geborene Oldenburgerin ein absoluter Ausnahmefall. Sie hat als junge Frau in bestehende Strukturen eingeheiratet und diesen ihre ganz persönlichen Vorstellungen, wie Gastronomie großen Stils zu sein hat, auferlegt. Daraus entstand eines von Deutschlands volumenstärksten Unternehmen seiner Disziplin.

An den drei Standorten Köln, Düsseldorf und Hannover erzielte die Reiss GmbH & Co. KG in den 90ern jährlich rund 50 Mio. DM Netto-Umsatz. Dieser Wert basierte auf 56 Restaurants, 30 Coffee Shops und knapp 20.000 Sitzplätzen Maximalkapazität, einschließlich über 1.000 Veranstaltungen im Jahr. Herta Reiss hegte eine große Liebe zu guter französischer Küche und hatte ein Faible für dekoratives Ambiente.

Ihr Traumberuf wäre Innenarchitektin gewesen, das untermauert eines ihrer berühmten Zitate: „Mein Leben? Ein einziger Kampf mit Messearchitekten!“ Sie wurde eine begnadete Gastgeberin mit passionierter Begeisterung fürs inszenierte Detail. Ihr Stil: unverkennbar! Dazu gehörte auch ihre elegante Hochsteckfrisur.

Kostenrechnerisches Können, will heißen: sicherer Umgang mit Zahlen. Willen zum Risiko gepaart mit Gespür fürs Machbare. Lebensfroh einerseits, hoch diszipliniert andererseits. So leistete sich die Lust-Unternehmerin an allen drei Messestandorten den erklärten Luxus, eigene Metzgereien zu betreiben. Warum? „Fleisch ist das qualitätssensibelste aller Produkte.“

Herta Reiss hat Messe- und Eventgastronomie hochgradig geprägt. 1997 zeichnete sie der Deutsche Fachverlag für ihre Pionier- und Vorbildleistung mit dem „Hamburger Foodservice Preis“ aus. Die Gastro-Branche trauert mit Tochter Ulrike und Enkelsohn David.


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