Kolumne Dr. Steffen Schwarz

Augen auf beim Kaffeekauf

Dr. Steffen Schwarz, Coffee Consulate
Luca Siermann
Dr. Steffen Schwarz, Coffee Consulate

Den richtigen Kaffeelieferanten zu finden, ist eine schwierige Aufgabe. Eines vorweg: Zertifikate an sich sind keine Rettung oder Allheilmittel.

Diese Kolumne erschien zuerst in der Februarausgabe der foodservice.

Man muss sie sogar eher als Ablassbrief betrachten. Es geht hier eher darum, dass man rechtlich nicht angreifbar ist. Die meisten Zertifkate kann man sich in die Haare schmieren. Es gibt Studien, zum Beispiel der SOAS Universität in London, die besagen, dass es etwa für Pflücker auf den zertifizierten Plantagen teils sogar eher Verschlechterungen gibt. Es ist auch bei Weitem nicht so, dass bei allen Zertifikaten Kinderarbeit ausgeschlossen wird. Man darf sich nicht der Utopie hingeben: "Da ist ein Siegel drauf, und alles ist gut."

Gezielte Fragen geben Einblick

Viele Händler bieten jetzt stattdessen "Direct Trade" an. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, einige handeln trotzdem nicht direkt mit den Kaffeefarmern und kennen diese nicht. Doch das ist Voraussetzung für echten Direkthandel, bei dem alle gewinnen: Der Farmer kriegt mehr Geld für seinen Kaffee, der Händler ein besseres Produkt.



Gastronomen sollten mit gesundem Menschenverstand prüfen, ob ein Händler wirklich mit dem Farmer in Kontakt steht. Ich empfehle folgende Fragen:
  1. Wann und wie kaufen Sie den Kaffee bei Ihrem Farmer?
  2. Wie kommt der Kaffee im Detail zu Ihnen?
  3. Wie bleiben Sie mit dem Farmer in Kontakt?
  4. Hat der Farmer eigene Ausfuhrlizenzen oder geht es über Mittelsmänner?
Wenn es auf diese Fragen zufriedenstellende Antworten gibt, haben Gastronomen zumindest schon einmal eine gute Chance, mit einem echten Direkthändler zusammenzuarbeiten. Das ist für alle von Vorteil. Und meist schmeckt der Kaffee auch noch besser.


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