Lokalhelden Frankfurt

Mama ist die Beste

James und David Ardinast in ihrem Restaurant "Chez Ima" im Frankfurter Bahnhofsviertel.
Salome Roessler
James und David Ardinast in ihrem Restaurant "Chez Ima" im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Hinter den innovativen Konzepten der beiden Frankfurter James und David Ardinast steht die Geschichte von den ungleichen Brüdern, deren Mutter und einer Welt, in der düstere Gassen zu Hotspots werden.



Mamasöhnchen sind sie nicht, aber „Ima“ spielt im Leben der Brüder James und David Ardinast eine tragende Rolle: „Ima“ ist das hebräische Wort für Mutter. „Ima Multibar“ tauften die beiden ihr erstes gemeinsames Gastro-Baby in der Frankfurter Innenstadt. IMA in großen Lettern haben sie ihr Unternehmen genannt, unter dessen Logo sie heute drei Restaurants betreiben, zudem Eventmanagement ebenso wie Gastro-Consulting offerieren. Ihr gastronomisches Selbstverständnis basiert auf traditionellen Rezepten, wie sie Generationen von Müttern ihren Familien zubereitet haben; kreativ interpretiert, jedoch ohne den ursprünglichen Charme in überkandidelten Variationen zu verspielen.

Zum Tragen kommen sie in unterschiedlichen Konzepten abseits des Mainstreams: Im Stanley Diamond als Fine-Dining, im Maxie Eisen als schnelle Kost mittags wie abends, im Chez Ima in orientalischer Version für das Restaurant des 25hours Hotels. Allen gleich ist die Lage im ebenso hippen wie rotlichtigen Frankfurter Bahnhofsviertel. Und der Anspruch, beste Qualität auf die Teller zu zaubern in unprätentiöser Atmosphäre.


James und Davids wirkliche, einzig wahre Ima ist Toni Roth-Ardinast. Toni war es auch, die ihren Söhnen den Floh mit der Gastronomie ins Ohr setzte. Eines Tages kam sie von einer Reise nach Costa Rica zurück, Zwischenstop in Dallas, im Gepäck die Idee für ihre längst erwachsenen Söhne: „Ihr müsst ein mexikanisches Konzept machen.“ So erzählt es James, der mit 45 Jahren ältere: „Das ist schon strange, denn eigentlich hat unser Großvater immer gesagt: ‚So lange ich lebe, macht keiner aus meiner Familie mehr Gastronomie!‘“

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Er hatte gute Gründe dafür. Jahrelang führte er mit seiner Frau im Frankfurter Stadtteil Höchst Kneipen, wie man sie früher so hatte. Ein Knochenjob. Auch die Eltern von James und David verdienten viele Jahre ihr Geld als „Pioniere der Systemgastronomie“, wie James sagt. Unter „Queens-Burger“ betrieben sie im Westen Frankfurts mehrere Läden. Das war in den 80er Jahren, zu einer Zeit, als McDonald’s und Burger King noch nicht die Gastronomielandschaft dominierten.

Nach dem Abitur suchten beide zunächst das Weite: James in Boston, dort machte er einen Bachelor in Hospitality Administration – eigentlich zufällig, weil der BWL-Studiengang schon belegt war. David zog es nach London, er arbeitete dort lieber als Barkeeper, statt zu studieren. Schließlich entschied er sich für eine Ausbildung zum Werbekaufmann in Berlin. Rund zehn Jahre hatten die Brüder wenig miteinander zu tun, doch dann eröffneten sie Ende 2002 ihre Ima Multibar in einer etwas dunklen Seitenstraße parallel zur Freßgass' mitten in der Frankfurter Innenstadt - da ist vom mexikanischen Konzept, das ihre Mutter anregte, außer Tacos und Burritos nicht mehr viel übrig geblieben, und selbst die werden als Fusion Food mit Hoummus serviert – alles hausgemacht.

„Erst wollten wir das gar nicht machen, Gastronomie im Hotel“
James Ardinast
„Heute nennt man es Streetfood“, sagt James. Und David meldet sich zu Wort: „Wir hatten damals sogar schon Pastrami.“ Pastrami: dünn geschnittenes, speziell gewürztes und geräuchertes Rindfleisch, das sechs Wochen benötigt, seinen besonderen Geschmack zu entwickeln. Eingepackt in ein weiches Brötchen oder Roggenbrot, serviert mit Senf, saurer Gurke und Krautsalat. Diese jüdische Spezialität wird Jahre später die Hauptrolle in ihrem Gastronomie-Konzept Maxie Eisen spielen und ihren Ruf als innovative Gastronomen festigen.

Der erreicht die Betreiber des ebenso innovativen 25hours Hotels: 2010 bekommen Sie die Anfrage, das Restaurant zu übernehmen. Mit dem „Chez Ima“ tauchen sie ins Frankfurter Bahnhofsviertel ein.

„Erst wollten wir das gar nicht machen, Gastronomie im Hotel“, sagt James. „Wir hatten zum Beispiel keinen Einfluss auf das Interieur.“ Doch dann erkennen sie die Möglichkeiten, die die Dachterrasse und der Innenhof bieten. Sie setzen ihr Konzept mit Events auch im „Chez Ima“ fort und ziehen ihre Stammgäste aus der Innenstadt ins Bahnhofsviertel. Auch ihrem Küchenkonzept bleiben sie treu. Der Brunch aus ihrer Kindheit findet sich dort als „Breakfestclub“ wieder, so, wie die hausgemachten Rezepte, gerne inspiriert von Müttern aus dem Orient. „Heute ist das Chez Ima unser profitabelstes Restaurant“, stimmen die Brüder überein.

2012 läuft der Pachtvertrag für ihr erstes Gastronomenkind aus, gerade mal zehn Jahre alt. Die Ima Multibar ist heute Legende, ruht im Schatzkästchen der Erinnerung, in das die Brüder gerne ab und an hineinblicken und den ein oder anderen Edelstein genauer betrachten. Wie das Pastramisandwich, das Dank ihres alten Freundes aus Kindertagen, Oskar Melzer, schließlich zu besonderen Ehren kommt. Er bringt die Brüder auf die Idee, daraus ein Gastronomiekonzept zu machen. Zunächst eröffnet Melzer 2012 in Berlin ein Pastrami-Lokal mit Partner Paul Mogg, die geschäftliche Liaison hält bis 2015, dann steigt Melzer aus. Denn zwischenzeitlich hat er Ende 2013 mit den Ardinastbrüdern im Bahnhofsviertel der Mainmetropole einen Standort für das „Maxie Eisen“ gefunden, benannt nach einem jüdischen Mafiosi der 20er Jahre in New York – hier hat Katz’s Deli auch das Pastrami berühmt gemacht. Als Zusatz zum Ganovennamen steht „Buvette“ für das unprätentiöse Konzept.

Und weil die Ideen nie ausgehen, betreiben die drei im Bahnhofsviertel nebenbei die Bar Lido tageweise für Events und sie tüfteln an einem Fine-Dining-Konzept, das 2015 als „Stanley Diamond“ an den Start geht. Wie schon das Maxie Eisen, ist es im Frankfurter Bahnhofsviertel gelegen, günstiger Weise in einer eigenen Immobilie. Im Stanley Diamond – Namenszusatz „La Buvette“ – erleben die bodenständigen Rezepte eine Veredelung, die Speisen sind vom Feinsten, die Tische schick eingedeckt, der Service bleibt dennoch locker, die Preise gehoben, das Interieur gestylt von Beton bis Marmor.

„Wir befinden uns aber in einer Phase der Neupositionierung, setzen in Zukunft noch stärker auf Gastronomieberatung, machen aber dennoch weiter unsere Projekte wie das Showmanship.“ Die Weinbar, die nur donnerstags öffnet, liegt mitten in Alt-Sachsenhausen. Die Frankfurter kommen. Denn die Ardinasts sind bekannt dafür, die unsäglichsten Standorte salonfähig zu machen.

 



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