Spotlight Business – Interview

"Die Pandemie beschleunigt den digitalen Wandel"

Ulrich Höngen, Geschäftsführer der Wisag Catering AG.
Wisag AG
Ulrich Höngen, Geschäftsführer der Wisag Catering AG.

Für die Caterer der Betriebsgastronomie bedeuteten mehr Arbeiter im Home Office und strikte Hygiene-Auflagen wegen des Coronavirus besondere Herausforderungen. Ulrich Höngen, Geschäftsführer der Wisag Catering Holding, im Gespräch mit FOOD SERVICE über die aktuelle Situation sowie die Performance seines Unternehmens im vergangenen Jahr.

FOOD SERVICE: Was sind Ihre wichtigsten Learnings aus dieser ungewöhnlichen Situation des Stillstands?
Ulrich Höngen: Die Corona-Krise ist für die Catering- und Gastronomiebranche eine Zäsur wie wir sie noch nie zuvor erlebt haben. Nicht nur für unser Geschäft, sondern vor allem für viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist die Krise mit spürbaren Einschnitten verbunden. Umso beeindruckender war es für mich, wie schnell unser Team die Ärmel hochgekrempelt und sich auf die neue Situation eingestellt hat. Innerhalb kurzer Zeit haben wir kleinere, mobilere Lösungen für unsere Kunden geschaffen und notwendige Hygiene- und Sicherheitskonzepte eingeführt. Das ist Einsatzbereitschaft, der ich allergrößten Respekt zolle. Auch unsere Kunden wissen diese Flexibilität zu schätzen. Mit ihnen stehen wir in engem und intensiven Austausch, um schnell Fragen klären und Lösungen schaffen zu können. Hier zahlt sich aus, dass wir unseren Mitarbeitern bewusst Freiraum für kreatives und eigenverantwortliches Arbeiten geben und grundsätzlich eine ausgeprägte Kundennähe pflegen.

Haben Sie eine Vorstellung, wie es nach der Krise weitergeht – gibt es Chancen, wenn ja welche? Worin sehen Sie die größten Hürden und Risiken für das Geschäft?
Wir gehen davon aus, dass wir uns mittel- bis längerfristig auf eine Situation mit Corona einstellen müssen und die aktuelle Krise dauerhafte Auswirkungen auf das Cateringgeschäft haben wird. Das heißt für uns vor allen Dingen, notwendige Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen weiter sicher aufrechtzuerhalten und unsere Prozesse und Abläufe darauf abzustimmen, teilweise auch neu zu gestalten. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der regelmäßigen Schulung und Unterweisung unserer Mitarbeiter sowie einer permanenten Sensibilisierung für notwendige Maßnahmen insbesondere im Gesundheitsbereich, um die Gesundheit unserer Mitarbeiter, Kunden und Patienten bestmöglich zu schützen.

In der Betriebsgastronomie werden wir – ausgelöst durch das vermehrte Arbeiten im Homeoffice – so schnell nicht wieder an gewohnte Gästezahl anknüpfen können. Hier sind neue Konzepte gefragt, die sicher auch mehr Take-away- und Automaten-Lösungen beinhalten werden. Am Ende geht es also um nichts weniger als die gastronomische Versorgung in der Gemeinschaftsverpflegung zumindest zu einem guten Teil neu zu definieren. Eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen und an der wir bereits intensiv arbeiten. So hart sie auch sein mag: Eine Krise birgt immer auch Chancen. Diese werden wir nutzen.

Wie bewerten Sie die Entwicklung im Business-Markt?
Es bleibt für Caterer eine kreative Herausforderung, ihr Angebot kontinuierlich innovativ weiterzuentwickeln – nicht nur mit Blick auf Lösungen, die der aktuellen Situation Rechnung tragen oder die durch digitale Angebote mehr Interaktion mit Gästen ermöglichen, sondern auch, wenn es darum geht, im Zuge der zunehmenden Internationalisierung für mehr kulturelle Vielfalt in den Angeboten zu sorgen. Gerade diese Dynamik und Vielfalt machen den Markt weiterhin spannend. Wir freuen uns daher darauf, unsere Kompetenzen weiter auszubauen, uns dabei auch gestalterisch weiterzuentwickeln – mit dem gemeinsamen Ziel, für unsere Gäste stets neue kulinarische Highlights zu kreieren und für unsere Kunden innovative Lösungen zu schaffen.

Was hat der „Greta“-Effekt bewirkt?
Auch wenn die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema derzeit von der aktuellen Krise überlagert wird – Corona ändert nichts an der Notwendigkeit, verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umzugehen. Das ist und bleibt global ein gesellschaftlich relevantes Thema. Deshalb werden wir auch beim Wiederhochfahren des Cateringgeschäfts und der Entwicklung neuer Konzepte und Angebote diesen Aspekt weiter konsequent im Blick haben. Die intensive öffentliche Debatte um Nachhaltigkeit und Klimaschutz hat 2019 auch bei unseren Kunden und Tischgästen das Bewusstsein für Umweltaspekte im Catering deutlich geschärft: Gäste und Kunden wollen immer häufiger wissen, welche Verpackungen wir verwenden, woher wir unsere Lebensmittel beziehen und wie wir beispielsweise mit dem CO2-Ausstoß, den Tierhaltung verursacht, umgehen.

Umweltbilanz kontinuierlich verbessert.

Hier kommt uns zugute, dass wir uns bereits seit rund zehn Jahren intensiv damit auseinandersetzen, welche Implikationen unser Geschäft auf die Umwelt hat und wie wir unsere Umweltbilanz kontinuierlich verbessern können. Und zwar gemeinsam mit Gästen, Kunden und Geschäftspartnern. Zur CO2-Reduzierung bei der Herstellung von Speisen arbeitet die Wisag Catering beispielsweise mit dem Schweizer Software-Dienstleister Eaternity zusammen, dessen App bei der Berechnung des durch Lebensmittel verursachten CO2-Ausstoßes unterstützt. 2019 haben wir erstmals konsolidiert über unser Umweltengagement berichtet – im ersten Umweltbericht der Wisag Facility Service. Der Dreh- und Angelpunkt unserer Aktivitäten im Catering-Bereich ist unser Umweltkreis mit Experten aus allen Bereichen der Wisag Catering. Sie kommen regelmäßig zusammen, um über Lösungsansätze zu Fragen der Umwelt- und Ressourcenschonung zu diskutieren und zu entscheiden. Die Themen reichen von Nassmüllvermeidung bis hin zu umweltschonenden Verpackungen. Ein Beispiel: Um Lebensmittelabfälle zu vermeiden, nutzen bereits elf öffentliche Gastronomiebetriebe der Wisag Catering die App "Too good to go".

Wie sehen Sie die digitale Entwicklung?
Digitalisierung ist ein omnipräsentes Thema, die technologischen Entwicklungen in der letzten Zeit waren enorm. Sie beschleunigen die Geschwindigkeit, mit der Caterer Trends in der Gemeinschaftsverpflegung umsetzen müssen. Gerade die jüngere Generation wünscht sich zunehmend digitale Angebote. An einer App als zentraler Info- und Kommunikationskanal kommt kaum ein Caterer vorbei. Catering-Apps als Feedbackkanal und um Gäste mit Speiseplänen und weiteren Informationen rund um Ernährung zu versorgen sind zum Standard geworden. Auch bargeldloses Bezahlen wird immer beliebter. Gut, dass digitale Technologien bereits seit Jahrzehnten Einzug in unser Geschäft halten. Gemeinsam mit der Digital Unit unseres Geschäftsbereichs Facility Service, die als Start-up im Unternehmen aufgestellt ist und agiert, arbeiten wir an cleveren Lösungen, die das Serviceangebot für unsere Kunden noch weiter verbessern. Ich erwarte, dass die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen den digitalen Wandel im Catering beschleunigen werden – beispielsweise auch, was eine moderne, intelligente Automatenversorgung betrifft.


Wie nutzen Sie digitale Tools?
Information, Dialog und Integration sind nicht nur drei ganz wesentliche Aspekte für Mitarbeiterbindung, sondern auch dafür, Mitarbeiter zu einem geschätzten (Ansprech-) Partner für unsere Kunden zu machen. Da unsere Mitarbeiter dezentral in ganz Deutschland im Einsatz sind, nutzen wir dafür neue Medien. Wir entwickeln beispielsweise Onlineschulungen und Webinare, die dezentral und zeitlich flexibel genutzt werden können. Darüber hinaus bauen wir das Angebot in unserer Mitarbeiter-App "MyWisag" als zentrale Informations- und Kommunikationsplattform weiter aus – ein wichtiger Kanal, über den sich Kolleginnen und Kollegen auch kreativ austauschen können.

Über Wisag
Kerngeschäft der Wisag Facility Service sind technische und infrastrukturelle Dienstleistungen für Immobilien: Facility Management, Gebäudetechnik, Gebäudereinigung, Sicherheit & Service, Catering, Garten- & Landschaftspflege sowie Consulting & Management. Mit mehr als 19.800 Kunden, rund 32.500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,124 Mrd. Euro im Jahr 2018 ist das Unternehmen einer der führenden Facility-Service-Anbieter in Deutschland. Das Unternehmen ist Teil der Wisag Gruppe, die mit knapp 50.000 Mitarbeitern an mehr als 250 Standorten im In- und Ausland aktiv ist. Laut dem Top-33-Ranking der gv-praxis erwirtschaftete das Tochterunternehmen Wisag Catering im Jahr 2019 einen Umsatz von rund 100 Mio. Euro.

Was waren die wichtigsten Neueinführungen?
2019 ist unser modernes Konzept für Zwischenverpflegung – „Bread & Tasty“ – an den Start gegangen. Trendig und kreativ gestaltet, versorgt die Wisag Catering ihre Kunden damit zu jeder Tageszeit mit frischen und leckeren Snacks. Bei der Auswahl sowohl von Produkten als auch von Verpackungen achten wir ganz besonders auf Umweltaspekte. Mit diesem Konzept können wir gerade in der aktuellen Phase unsere Kunden sehr gut unterstützen.

Sie haben außerdem ihre eigene Brand „Doña Victoria“ ausgebaut…
Das stimmt. Ihre eigene Kaffeemarke "Doña Victoria" präsentiert die Wisag seit 2019 auch in einem ersten stationären Store: Am Carl-von-Noorden-Platz in Frankfurt haben wir das Café Doña Victoria eröffnet. Der Store stellt den Kaffee und dessen Herkunft in den Mittelpunkt. Mit der „Streusel Bar“ kam 2019 außerdem eine weitere Brand hinzu, die mittlerweile mit einem Store in Frankfurt und in Berlin vertreten ist. Die Erfahrungen, die wir mit diesen Konzepten in der Systemgastronomie sammeln, helfen uns auch bei der Weiterentwicklung unseres Angebots für die Gemeinschaftsverpflegung weiter. Ich sehe da einen klaren Synergieeffekt. Mittlerweile dürfen nach einer kurzen Corona-Zwangspause auch alle Stores Gäste wieder herzlich willkommen heißen.

Wisag: Streusel-Konzept in Frankfurt






Sie möchten Aktuelles zum Thema "Coronavirus und die Gastro-Branche" lesen? Mehr fachlichen Input finden Sie in unserem "Coronavirus und die Gastro-Branche"-Dossier.

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