Zum 80. Geburtstag von Eugen Block

Katholisch, kantig, unbeirrt

Eugen Block
Thomas Fedra
Eugen Block

Aufrechter Gang, hochgewachsen, eisklarer Blick: So kennt man ihn seit eh und je. Am 13. September feiert der Gründer der Block-Dynastie seinen 80. Geburtstag. Was für ein Ereignis, was für eine Lebensleistung!

In der aktuellen Pandemiekrise hat sich der Grandseigneur der deutschen Systemgastronomie erzürnt zu Wort gemeldet. Einspruch gegen die Auflagen der Behörden, Ankündigung rechtlicher Schritte. Bezeichnend! An Sturmfestigkeit hat es Eugen Block nie gemangelt, mit sich spaßen lässt er gar nicht gern.

Ein Dickschädel eben – so nennt er sich selbst. Stur, wenn nicht starrsinnig. Was aber unweigerlich zur Grundausstattung eines Pionierunternehmers gehört: Nicht von ungefähr hat Eugen Block in der deutschen Profi-Gastronomie Geschichte geschrieben. Wir erinnern uns: Anno 1968 eröffnete der Sohn einer Gastwirtsfamilie im Oldenburgischen, damals 28 Jahre jung, nach einem USA-Aufenthalt sein erstes Steakhaus in der Hamburger Dorotheenstraße, Ausgangspunkt einer phänomenalen Erfolgsgeschichte.

Hospitality-Imperium mit rund 2.600 Mitarbeitern

Heute umfasst die Block Holding, seit vielen Jahren gesteuert von CEO Stephan von Bülow, ein komplexes, vertikalisiertes und klug diversifiziertes Hospitality-Imperium mit rund 2.600 Mitarbeitern. 42 Block House Restaurants deutschlandweit (plus 11 im europäischen Ausland). Mit Durchschnittsumsätzen, die in der Branche ihresgleichen suchen. Die nächste Eröffnung – in Bielefeld – steht Ende Oktober ins Haus. Das Grand Elysée Hotel in Hamburg, 1986 gestartet: ein Lebenstraum des Gründers, das größte Fünf-Sterne-Privathotel Deutschlands. Dann: Jim Block, Block Bräu, ein paar Solitäre außerdem. Der klügste Schachzug aber: Zentrale Fleischerei und Menüproduktion. Einst zwecks Qualitätssicherung der eigenen Betriebe etabliert, beliefern sie längst in großem Stil auch Dritte, inklusive LEH. Die Gruppe insgesamt stand 2019 für gewichtige 410 Mio. Euro Erlöse, mit 177 Mio. Euro ist der Gastro-Part dabei. Block steht für eines der größten inhabergeführten Hospitality-Unternehmen des Landes und – Stichwort Standardisierung - eines der ertragreichsten noch dazu. 

Konservative Expansions- und Innovationsstrategie 

Da ficht es Eugen Block nicht an, wenn ihm seine eher konservative Expansions- und Innovationsstrategie (Ausreißer: ein fehlgeschlagener, teuer bezahlter Ausflug in die Luftfahrt, für die Verluste stand er gerade) mitunter angekreidet wurde. Der durch und durch hanseatische Unternehmer verstand sich genauer auf die Befindlichkeit seiner Zielgruppe als viele, die es besser zu wissen glaubten. Solidität, Verlässlichkeit: noch so eine Maxime, Inbegriff der Marke Block.

Wie alle großen Gründerfiguren ist Eugen Block mitunter unbequem. Penibel, bekennender Perfektionist, Meister der Selbstdisziplin, christlichem Ethos verbunden. Als gläubiger Katholik lässt er all seine neuen Restaurants von einem Priester einsegnen. Gottvertrauen als Kraftquelle – wem ist das heute noch gegeben? 

Eugen und Christa Block mit den drei Kindern Dirk, Philipp und Christina, heute als Mitgesellschafter beteiligt und im Aufsichtsrat an Bord.
Andreas Laible
Eugen und Christa Block mit den drei Kindern Dirk, Philipp und Christina, heute als Mitgesellschafter beteiligt und im Aufsichtsrat an Bord.

Er hat stets viel gefordert, vor allem von sich selbst. Fleiß zählt zu den Tugenden, die ihm heilig sind, eine Messlatte, die er auch an seine Mitarbeiter anlegt, ob Manager oder Tellerwäscher. Genialer Visionär, durchaus gestrenger Patriarch, fürsorgliche Vaterfigur zugleich: Wiederholte Auszeichnungen der Gruppe als Top-Arbeitgeber sprechen für sich. Mittlerweile hält sich Eugen Block im Unternehmen im Hintergrund und hat allen offiziellen Mandaten entsagt. 

Sein erklärter Wunsch, adressiert an die Enkel: Das Unternehmen möge bitte nicht veräußert werden. Lockerlassen wird er gewiss auch fürderhin nicht … Hut ab vor einem nimmermüden Großen dieser Branche!


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