28. IMF der Gemeinschaftsgastronomie

Mit Augenmaß in die digitale Zukunft

Prof. Dr. Andreas Wagener über die kreativen Fähigkeiten Künstlicher Intelligenz.
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Prof. Dr. Andreas Wagener über die kreativen Fähigkeiten Künstlicher Intelligenz.

Was bringt die digitalisierte Küche? Was ist und kann "BIM"? Welche Chancen und Risiken birgt Künstliche Intelligenz? Antworten und Ausblicke lieferten die Experten des Themenschwerpunkts "Digitale Zukunft – Einflussfaktoren auf unsere Branchenwelt" des 28. Internationalen Management Forums für Gemeinschaftsgastronomie & Catering (IMF) Ende Juni in Wiesbaden.

Wer die Möglichkeiten der digitalisierten Großküche umsetzen will, muss vom Nutzen her denken. Dies machte Marc-Oliver Schneider in seinem Vortrag klar. Gezielt Anwendungen auszuwählen, die einen Aufgabenkomplex einfacher oder kostengünstiger gestalten können, ist der Ratschlag für Einsteiger des Geschäftsführers und Mitgründers von Kiconn, einem Beratungsunternehmen für Großküchen.

Digitale Sensoren sparen Kilometer

Internet of Things (IoT): "Wenn Geräte unabhängig von uns miteinander kommunizieren, weiß der Servicemitarbeiter von seiner App vor der Fahrt zum Kunden, was er braucht", erläuterte Schneider den praktischen Vorteil. Zeigt die App an, dass die Tür des Profikühlschranks schon 15.000 Mal geöffnet wurde, bringt er die neue Dichtung gleich mit. Bei kleineren Problemen liefern die Geräte Anwendern über die elektronische Analyse die Anleitung zum selbst Beheben gleich mit. So ist sich Schneider sicher, dass sich gerade bei der HACCP-Überwachung und -dokumentation und im Energiemanagement das Internet der Dinge schnell bezahlt mache.

Eine Sprache für alle Geräte

Bald schon könnten die Vorteile der vernetzten Großküche noch besser realsiert werden, konnte Schneider berichten. Der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik (HKI) erarbeite eine einheitliche Systemsprache, damit Geräte herstellerunabhängig miteinander kommunizieren können.

Planungs- und Prozesssicherheit mit BIM

Viel exakte, fachkompetente Kommunikation aller Beteiligten an Großprojekten ist der Schlüssel zum Erfolg, betonte die Architektin Sabine Steinert. Die Bereichsleiterin bei der Unternehmensgruppe Obermeyer stellte das Building-Information-Modelling-System (BIM) am Beispiel einer Großklinik in Abu Dhabi vor. Transparenz, Sicherheit und ein stark reduziertes Konfliktpotenzial erreiche BIM, indem sehr früh alle Anforderungen konkret definiert und festgeschrieben werden, so Steinert. Jedes Detail – vom Fenstergriff bis zum Sanitärleitunssystem einer 700-Betten-Klinik – ist im Planungsmodell enthalten und stets für alle Beteiligten abrufbar. In kurzen Sequenzen demonstrierte Steinert, wie mithilfe von Virtual Reality (VR) künftige Prozesse simuliert werden. Per VR-Brille können so auch die Laufwege in der Großküche virtuell ausprobiert und optimiert werden.

Künstliche Intelligenz? Nicht ohne uns.

Wunderbare Möglichkeiten kann "Künstliche Intelligenz" (KI) eröffnen. Ohne den menschlichen Faktor jedoch kann sie auch zu mittleren Katastrophen führen, machte Prof. Dr. Andreas Wagener in einem durchaus philosophisch orientierten Vortrag deutlich. Der Professor für Digitales Marketing an der Hochschule Hof beschrieb anhand unterhaltsamer aber auch beunruhigender Beispiele, wie intelligente Systeme lernen. Aus den Daten, mit denen sie "gefüttert" werden, generieren sie eigene Schlüsse und Handlungen. Indem sie riesige Datenmengen verarbeiten, können sie genauer vorhersagen als erfahrene Praktiker, wie viel Lebensmittel oder Personal wann benötigt werden.
„Systeme Künstlicher Intelligenz schaffen selbst neue Systeme Künstlicher Intelligenz. Programmieren zu können, ist dann als Kompetenz in etwa so sinnvoll wie fließend Altgriechisch zu sprechen.“
Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof

Aus intelligent wird kreativ

Systeme künstlicher Intelligenz können aus einem eingespeisten Rezepte- und Zutatenpool neue, vielleicht zuweilen schräge Gerichte kreieren. Auch neue Software programmieren selbstlernende Maschinen nach Bedarf selbst. Ob Künstliche Intelligenz Menschen am Arbeitsplatz überflüssig macht, welche Arbeiten künftig Maschinen erledigen, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Eines steht für Wagener fest: "Die Entwicklung wird immer rasanter. Wir Menschen müssen mithalten, wenn wir intelligenten und vorausschauenden Nutzen aus den Möglichkeiten ziehen wollen".

28. IMF in Wiesbaden: Die Trendtage der GV-Branche



Referenten und ihre Themen
  • Marc-Oliver Schneider, Kiconn, Riemerling: Update – Die digital vernetzte Großküche und was sie uns bringt
  • Sabine Steinert, Obermeyer Planen + Beraten: BIM – Intelligente Küchen- und Raumplanung
  • Prof. Dr. Andreas Wagener, Lehrgebiet E-Commerce und Social Media, Hochschule Hof: Datenökonomie & Künstliche Intelligenz




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