45. Deutscher Kongress für Gemeinschaftsgastronomie

Food muss sexy und cool sein

Dr. Thomas Ellrott lüftet das Geheimnis um den informationsüberfluteten Gast, der den Identifikationsraum Religion durch Social-Media-Posts und einen besonderen Ernährungsstil ersetzt.
Thomas Fedra
Dr. Thomas Ellrott lüftet das Geheimnis um den informationsüberfluteten Gast, der den Identifikationsraum Religion durch Social-Media-Posts und einen besonderen Ernährungsstil ersetzt.

Arbeiten 4.0 und vegane Küche, internationale Food Trends, bio-orientierte Klinikküche und Nachhaltigkeit waren die top Themen des 45. Deutschen Kongresses für Gemeinschaftsgastronomie im Rahmen der Internorga.

Die Kongressgäste aus allen Segmenten der Gemeinschaftsgastronomie erhielten jede Menge Anregungen für zukunftsfähige Lösungen. Die Veranstalter Messe Hamburg und die Wirtschaftsfachzeitschrift gv-praxis, deren Chefredakteur Burkart Schmid moderierte, hatten ein Programm aufgelegt, das der Außer-Haus-Branche zeigt, wie Gästewünsche heute und künftig zu erfüllen sind.

Deutscher Kongress für Gemeinschaftsgastronomie: Food muss sexy und cool sein


Der Gast – kein unbekanntes Wesen

Der Ernährungspsychologe Dr. Thomas Ellrott von der Georg-August-Universität, Göttingen, nahm den Faden auf. Er erklärte, warum sich so viele Menschen laktosefrei, bio, Detox, low protein oder low carb ernähren. Motive wie gesund und nachhaltig sind oft primär der Ansporn, wenn auch keine Unverträglichkeiten diagnostiziert wurden. "Die Menschen versprechen sich von einer trendgemäßen Ernährung also einen Zusatznutzen", so Ellrott. In den vielen Ernährungsstilen sah der Experte einen neuen Halt zu Abkehr von Religion und Familie. Thomas Voß, LWL-Kliniken Münster und Lengerich, zeigte an vielen Beispielen auf, wie sich Nachhaltigkeit und Regionalität im Care-Bereich gut ergänzen. Voraussetzung: Gutes Essen muss als Imagefaktor und Wertmaßstab von der Klinkleitung identifiziert werden. 

Kurs auf die Zukunft

Internationale Food-Trends stellte die Trendforscherin Karin Tischer vom Institut Food & More, Kaarst, vor. Sie ist weltweit on tour, um zum Beispiel neues Streetfood aufzuspüren, und hatte die passenden Praxistipps dabei, wie der Trend GV-fähig wird. Ihr Credo: Essen muss sexy und cool sein und die Gäste emotional erreichen.

Nach der Kaffeepause folgten die beiden nächsten Food-Vorträge. Janika Kleine, Albert Schweitzer Stiftung, Berlin, gab zahlreiche Impulse für vegane Angebote. Sie plädierte für eine begeisternde Gästekommunikation, die Appetit auf pflanzliche Menüs macht, wobei das Wort vegan am besten vermieden werden sollte. Inspiration und Innovation für Profis lieferte Trendsetter und Querdenker Heiko Antoniewicz. Der Spitzenkoch und Spezialist für moderne Kochtechniken stellte seine Denkrichtung samt kreative Ideen vor. Dazu gehört, traditionelle Konservierungsmethoden wie das Fermentieren neu zu entdecken und mit skurrilen Zutaten wie Farn, Wasserspinat oder Hibiskusblüten zu kombinieren ein Trend, den auch Karin Tischer von ihren Weltreisen mitgebracht hat.

"Food Delivery ist auf der Überholspur. Der Trend zum Homeoffice verstärkt sich durch neue technologische, digitale Möglichkeiten," machte Netzwerkökonom Dr. Holger Schmidt aus Darmstadt klar. Die Digitalisierung beeinflusse entscheidend die Arbeits- und Prozesswelt. Mit dem Delivery-Trend müssten GV-Betriebe auf jeden Fall kreativ umgehen, um ihre angestammten Gäste nicht zu verlieren. Essenslieferung per Drohnen? Koch-Roboter am digitalen Herd? Kooperation von GV-Betrieben mit Lieferdiensten? Die Digitalisierung eröffne dem Segment Gemeinschaftsgastronomie durchaus neue Chancen! Insgesamt bot der Event eine geballte Ladung an Ideenpower.



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