DIG-Winterworkshop

„Viel und billig ein Auslaufmodell“

Die DIG-Mitglieder trafen sich bei Metro in Düsseldorf.
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Die DIG-Mitglieder trafen sich bei Metro in Düsseldorf.

Die Mitglieder des Deutschen Instituts für Gemeinschaftsgastronomie (DIG) diskutierten Anfang dieser Woche auf dem 44. DIG-Winterworkshop in Düsseldorf über brennende Themen der Branche wie Nachwuchsförderung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Gastgeber waren die Unternehmen Metro und Esprit.

„Viel und billig sind in der Betriebsgastronomie ein Auslaufmodell“, resümierte Dr. Stefan Hartmann, Vorsitzender des DIG und Geschäftsführer der Bayern Bankett Gastronomie in München. Er präsentierte den Mitgliedern das erfolgreiche bayerische Pilotprojekt der DIG-Regionalgruppe Süd „DIG-Strohschwein“. Nach einem halben Jahr ziehen die beteiligen Eigenregiebetriebe eine durchweg positive Bilanz. Man setze mit der Initiative „Strohschwein“ ein Zeichen für Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit, so Hartmann, und sorge für mehr Wertschätzung beim Gast. „Allerdings gibt es Tierwohl nicht zum Nulltarif“, betonte Hartmann. Gäste zahlen dafür einen Mehrpreis von 20 Prozent.

Dr. Stefan Hartmann, Vorsitzender des DIG, präsentierte die Initiative "DIG-Strohschwein".
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Dr. Stefan Hartmann, Vorsitzender des DIG, präsentierte die Initiative "DIG-Strohschwein".

Ausbildung von Migranten mit Hürden

Doch auf der Agenda standen weit mehr Themen als Tierwohl. Im Fokus stand ebenso die Frage nach qualifiziertem Nachwuchs. Kurt Stümpfig, Verpflegungschef bei Linde in Pullach, berichtete über ein Azubi-Projekt mit Migranten. Größte Hürde sei die Sprache. Leider würden die Berufsschulen keine eigenen Klassen für Auszubildende mit Migrationshintergrund einrichten. Ein großes Problem, was sich in absehbarer Zeit ändern müsse. Von ähnlichen Erfahrungen berichteten auch andere Betriebe.

Gast bevormunden - oder nicht? Nudging als eine Lösung


„Soll man gesundes Essen forcieren“ und wenn ja, mit welchen Maßnahmen, lautete ein anderes viel diskutiertes Thema. Prof. Dr. Gertrud Winkler von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen stellte dazu aktuelle Daten aus der Wissenschaft vor. Sie erörterte, in wie weit sich „Nudging“, die Methode der kleinen Stupser, dazu eigne, die Gäste zu einer gesünderen Auswahl zu lenken. Praxistests in der Truppenküche am Fliegerhorst in Kaufbeuren und in der Hochschulmensa in München hätten Erfolge gezeigt. Allerdings: Nudging sei kein  Allheilmittel, resümierte Prof. Winkler. Und es funktioniere nur dann, wenn die gesamte Institution dahinter stehe.

Auf der Bühne: Axel-Bohl-Preis-Gewinner Valentin Belser und Jakob Breuninger.
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Auf der Bühne: Axel-Bohl-Preis-Gewinner Valentin Belser und Jakob Breuninger.

Axel-Bohl-Preisträger auf der Bühne

Auch der Nachwuchs bekam eine Bühne beim diesjährigen Winterworkshop: Die Nominierten und Gewinner des Axel-Bohl-Preises 2017 stellten ihre Arbeiten vor. Zunächst präsentierte die Nominierte Eva Schlüter ihr Konzept „Organisationales Lernen als Chance für die Gemeinschaftsgastronomie auf dem Weg zum zukunftsfähigen Betrieb“. Anschließend gaben Start-up-Gründer und Axel-Bohl-Preis-Gewinner Valentin Belser und Jakob Breuninger einen Einblick in ihre Software „Food-Oracle“, mit der sich optimierte Absatz-Prognosen mittels künstlicher Intelligenz in der Gemeinschaftsgastronomie machen lassen. Mehr dazu auf Facebook.

DIG-Mitglieder stehen für 670.000 Essen täglich


Im Deutschen Institut für Gemeinschaftsgastronomie (DIG) sind die größten unternehmenseigenen Betriebsgastronomen organisiert. Das DIG zählt insgesamt 64 Mitglieder. Sie stehen für gut 670.000 Essen täglich, rund 11.500 Mitarbeiter und einen Umsatz von rund 860 Mio. Euro (Stand: 2016). Ziel ist unter anderem das kollegiale Networking auf Augenhöhe und auf neutraler Basis. Geschäftsstelle ist der Deutsche Fachverlag in Frankfurt am Main.

www.dig-home.de



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